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Donnerstag, 14.07.2016

12:05 bis 14:00 Uhr

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Der Filmkomponist (Das ist die Liebe der Matrosen, Das gibt's nur einmal) Werner Heymann (1896-1961) in einer zeitgenössischen Aufnahme in München | Bildquelle: dpa-Bildfunk

Bildquelle: dpa-Bildfunk

Mittagsmusik

Mit Marlen Reichert

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Mittagsmusik - Thema der Woche
Neue Heimat Hollywood - Komponisten im Exil

"Morgen muss ich fort von hier", hieß die letzte Platte der Comedian Harmonists. Eben noch gefeiert, hatten sie nun Auftrittsverbot. Mit Ihrer Machtergreifung veränderten die Nazis nicht nur das politische und gesellschaftliche Leben Deutschlands und später auch Österreichs, sie beendeten auf brutale Weise eine kulturelle Blütezeit.

Kulturschaffende aus allen Beriechen wurden kalt gestellt, erhielten Auftrittsverbot, wurden ins KZ deportiert oder gleich ermordet. Viele sind umgekommen mitten im Schaffensprozess, ihre Werke sind bis heute verschollen. Nicht jeder hat die Möglichkeit zur Flucht genutzt. Einige haben sich in die innere Emigration zurückgezogen, haben im Verborgenen gemalt, geschrieben und komponiert, hoffend nicht entdeckt zu werden.
Wer es geschafft hatte dem Regime zu entkommen, musste sich eine neue Existenz aufbauen. Doch wo?
Ein ersehntes Ziel war sicher Hollywood: Die aufblühende Filmwirtschaft verhieß Sicherheit und Arbeit.

Wissenschaftler, Schriftsteller und Dichter, Regisseure und Schauspieler, aber auch Musiker und Komponisten strandeten zuhauf an den südkalifornischen Gestaden, darunter Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Max Reinhardt, Billy Wilder,  Arnold Schönberg und viele andere.
Doch es war kein leichter Neubeginn. Manche schafften es nie, denn Hollywood wurde von Emigranten überschwemmt und Arbeit gab es nicht genug. Zudem fanden einige überhaupt keinen Bezug zur neuen Heimat im Exil und zum Medium Film, wie Max Reinhardt, Bertolt Brecht oder der Komponist Arnold Schönberg.

Und dann waren da die anderen, die sich assimilieren konnten, die ganz und gar aufgegangen sind in ihrer Arbeit für den Film.
Deutsche und österreichisch-ungarische Komponisten waren es, die letztlich der amerikanischen Filmmusik ihren Stempel aufgedrückt haben und ihre Entwicklung bis  heute beeinflusst haben.

Im Thema der Woche erzählt die Mittagsmusik von den so ganz verschiedenen Lebenswegen dieser Musiker:
Erich Wolfgang Korngold, der vom Wiener Wunderkind zum Hollywood-Meister wurde und dort nie ganz glücklich war.
"Für mich ist es hier eine Hölle der Dummheit, der Korruption  und der Langeweile", schrieb Hanns Eisler aus Hollywood, seine großbesetzten Filmmusikpartituren haben ihm 2 Oskar-Nominierungen eingebracht.
Der gebürtige Oberschlesier Franz Waxman hat in seinen Scores Richard Wagners Leitmotivtechnik mit dem Jazz verknüpft.
Walter Jurmann hatte Deutschland mit unsterblichen Schlagern versorgt, "Veronika der Lenz ist da" haben die Comedian Harmonists berühmt gemacht. In den USA komponierte er Hits für die Stars des MGM Studios: Judy Garland, Allan Jones, die Marx Brothers oder Jeanette MacDonald, die das unsterbliche "San Francisco" schmettern durfte.
Erst im zweiten Anlauf konnte Werner Richard Heymann in Hollywood reussieren. Er wurde vor allem gern von Ernst Lubitsch engagiert, seinen Stern am Walk of Fame brachte ihm die Musik zu Filmen wie Ninotschka mit Zarah Leander  ein.
Und was wäre wohl aus den Monumentalfilm-Klassikern Ben Hur und El Cid ohne Miklós Rózsa geworden…

Große amerikanische Filmmusik von geflohenen Komponisten – das ist unser Thema der Woche

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:07 3. Satz aus: Streichoktett Es-Dur, op.20 Felix Mendelssohn Bartholdy / LSO; C.Abbado
12:12 Lockung. Lied a cappella, op.3 Nr.1 Fanny Hensel (1805-1847) / Vocal Concert Dresden; Kopp
12:16 Präludium und Allegro im Stile von Pugnani e-Moll Fritz Kreisler (1875-1962) / Roger Chase; Michiko Otaki
12:21 Szene und Arie des Canio, 1.Akt aus: Pagliacci Ruggero Leoncavallo (1857-1919) / Joseph Calleja; SO des BR; Nelsons
12:26 Laugh! Cool clown Ruggero Leoncavallo (1857-1919) / Nat King Cole and his Trio
12:31 Irgendwo auf der Welt, gibt's ein kleines bisschen Glück Werner Richard Heymann (1896-1961) / Jonas Kaufmann; Münchner RO; Rieder
12:35 Mein Fräulein, kennen Sie schon meinen Rhythmus Walter Jurmann (1903-1971) / Walter Jurmann; Tanzorchester Alfred Beres
12:39 San Francisco Bronislaw Kaper (1903-1971) / Oscar Joost und sein Orchester
12:43 Schwarze Diamanten Sándor Jároka / I Salonisti
12:46 Brush up your Shakespeare Cole Porter (1892-1964) / Robert Nichols; David Garrison; London Sinfonietta
12:50 La bisbetica domata. Ouvertüre, op.61 Mario Castelnuovo-Tedesco (1895-1968) / West Australian SO; Penny
13:04 Mazurka Federico Chueca (1846-1908) / English ChO; Ros-Marbà
13:07 Capricho Arabe Francisco Tarrega (1852-1909) / Julian Bream
13:13 Duett Lakmé - Mallika, 1. Akt "Viens, Mallika, les lianes en fleurs" ATI: Komm, Léo Delibes (1836-1891) / Janett Chvatal (Sopran) = Lakmé -; M
13:27 Hochzeitslied im Maien Adelheid Othegraven / Franz Fehringer; Orchester Hermann Hagestedt
13:31 Le bigos Nicola Piovani (1953-) / Orch. di Roma; Piovani
13:33 Ideale. Canzone napoletana Francesco Paolo Tosti (1846-1916) / Salvatore Licitra; Prague PhO; Armiliato
13:37 Konzert a-Moll, RV 418 Antonio Vivaldi (1678-1741) / Sol Gabetta; Sonatori de la Gioiosa Marca
13:49 Prélude in e-Moll, op. 28 Nr. 4 Stephane Grappelli / Stephane Grappelli
13:54 Son del Sueno Leopoldo Novoa / Los Otros

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