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Dienstag, 09.08.2016

12:05 bis 14:00 Uhr

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Luiz Bonfas | Bildquelle: Capitol Records

Bildquelle: Capitol Records

Mittagsmusik

Mit Ele Martens

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Mittagsmusik - Thema der Woche
Brasilien und die Bossa Nova

20000 Kilometer über Land und 10000 Kilometer in der Luft hat das Olympische Feuer vom antiken Olympia in Griechenland zurückgelegt bevor es am 5. August in Rio de Janeiro die Flamme für die Olympischen Spiele entzündete.
Während also zur Zeit die Sportler neue Rekorde aufstellen und Medaillen einheimsen, Niederlagen einstecken und Siege feiern, schauen wir diese Woche auf die Musik des größten Landes auf dem südamerikanischen Kontinent. Und zwar auf die Musik, die am engsten und originärsten mit Brasilien verbunden ist, die Bossa Nova.
Ende der 1950er Jahre war sie plötzlich da,  ein meist leise gesungener, beziehungsweise geflüsterter langsamer 2/4 Takt, auf der Grundlage der  Samba, mit Synkopen in Jazztradition,  tiefenentspannt und fast unterkühlt. Das Hauptinstrument ist die Gitarre, ergänzt von Klavier, Schlagzeug und Bass oder auch einem ganzen Sinfonieorchester.

Das "Girl from Ipanema" verlässt den Strand
Doch die Bossa Nova ist nicht nur ein Musikstil, Bossa Nova ist viel mehr, sie ist ein Geisteszustand, eine Bewegung. In Bossa Nova steckt das Gefühl von Aufbruch und die Euphorie einer Epoche, in der Brasilien vom Anschluss an die moderne Welt träumte und seine futuristische Hauptstadt Brasilia mitten in der Wüste baute. Auf die Musik bezogen, erklärte Ronaldo Boscoli, einer der Protagonisten der neuen Welle, die Bossa Nova sei alles, was an brasilianischer Musik modern, neu und avantgardistisch ist.
Für dieses neue Lebensgefühl einer ganze Generation brasilianischer junger Menschen und für Titel wie "Desafinado" oder "La garota de Ipanema" interessierten sich schnell auch die nordamerikanischen Musiker, allen voran Jazzer wie Stan Getz, aber auch Sänger wie Sarah Vaughan, Nat King Cole und Frank Sinatra. Sie reisten nach Brasilien, um die Bossa Nova am Originalschauplatz zu studieren.

Die Carnegie Hall tanzt Bossa Nova
Umgekehrt kamen brasilianische Musiker auch in die USA, am 21. November 1962 fand ein Bossa Nova Konzert in der New Yorker Carnegie Hall statt, das legendär werden sollte. Auf der Bühne Musiker wie Tom Jobim, Joao Gilberto, Sergio Mendes oder Agostinho dos Santos, im Publikum saßen nordamerikanische  Musikgrößen wie Dizzy Gillespie,  Peggy Lee oder Miles Davis.
1964 putschte sich in Brasilien das Militär an die Macht, die politischen Umstände zwangen viele Brasilianer ins Ausland, zahlreiche Künstler gingen in die USA - absurderweise trug durch den Putsch das Militär zur weiteren Verbreitung der brasilianischen Kultur und der Bossa Nova bei.
In Brasiliens hingegen war die Geschichte des Bossa Nova 1964 schon zu Ende. Sechs kurze Jahre, in denen  junge Musiker den Strand von Ipanema, den ewigen Sommer und die Liebe besangen. 
Einige der beteiligten Musiker stellt die Mittagsmusik diese Woche vor: Den Sänger mit der sanften Stimme, Joao Gilberto und Tom Jobim, die die neue Welle der Bossa Nova mit dem Titel "Chega de Saudades" begründeten. Luis Bonfa, der zusammen mit Tom Jobim den vielfach ausgezeichneten Film "Orfeo Negro" zu einer Ikone der Bossa Nova gemacht hat. Die Gitarristen Baden Powell und Charlie Byrd, den Cool Jazz Saxophonisten Stan Getz und Frank Sinatra, der seine kraftvolle Crooner-Stimme für die Bossas erstaunlich leise und weich werden ließ.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:05 Eisenbahn-Dampf-Galopp, op.5 Joseph Gungl (1810-1889) / PhO Bad Reichenhall; Simonis
12:09 From the Shtetl Yehezkel Braun (1922-) / Giora Feidman; Gitanes Blondes
12:11 You are my lucky star Nacio Herb Brown (1896-1964) / Henry de Winter; Adalbert Lutter und sein Orchester
12:15 Das kleine Hofkonzert Edmund Nick (1891-1974) / SO des Südwestfunks Baden-Baden; Falk
12:26 Manha de carnival Luiz Bonfá (1922-2001) / Bonfá; Neves; Pontes-Dias; Wright; Strings
12:31 A felicidade Antônio Carlos Jobim (1927-1994) / Vinicius de Moraes; Antônio Carlos Jobim
12:34 Romanze, op.4 Fritz Kreisler (1875-1962) / Tabea Zimmermann; Thomas Hoppe
12:39 Die schöne Melusine. Ouvertüre, op.32 Felix Mendelssohn Bartholdy / Orch. de la Suisse Romande; Jordan
12:51 Nr.4 aus: Ma Mère l'Oye Maurice Ravel (1875-1937) / Martha Argerich; Michail Pletnjew; Pletnev
12:53 Shoe shine boy Saul Chaplin (1912-1997) / Ensemble; J. Jones
13:04 aus: Wahre Lust und Heiterkeit Jacques Offenbach (1819-1880) / Münchner RO; Schmidt Boelcke
13:09 1. Akt aus: Der Vetter aus Dingsda Eduard Künneke (1885-1953) / Christine Görner; Erika Köth; Jürgen Förster; SO Graunke München; Mattes
13:12 My favourite gigue Wolfgang Lackerschmid (1956-) / Sandro Roy
13:18 Cancion del amor. Liebeslied José Maria Gallardo del Rey (1958-) / Garanca Elina
13:23 Le château de Madrid, op.79 Iwan Müller (1786-1854) / Friederike Roth; Erika le Roux
13:32 Andaluza, op.37 Nr.5 Enrique Granados (1867-1916) / David Russell
13:38 Rondo g-Moll, op.94 Antonin Dvorak (1841-1904) / Queyras; BBC SO; Belohlavek
13:46 Steyrische Tänze, op.165 Joseph Lanner (1801-1843) / Biedermeier Ensemble Wien
13:53 Pétrouchka Igor Strawinsky (1882-1971) / Orchestre National de France; Gatti
13:54 Le Mancenillier, op.11, RO 142 Louis Moreau Gottschalk (1829-1869) / Philip Martin

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