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Donnerstag, 15.12.2016

12:05 bis 14:00 Uhr

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Komponist Franz Schmidt | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Aus dem Studio Franken: Mittagsmusik

Mit Tobias Föhrenbach

Die Mittagsmusik bietet zwei Stunden lang die ganze Welt der Musik: Archivschätze und rare Produktionen aus unseren Studios, brandneue Veröffentlichungen mit gefeierten Opernstars und Geheimtipps der Musikszene, Operettenohrwürmer und Ragtime. Täglich dabei: Das besondere Thema der Woche. Ihren ganz persönlichen Hit wünschen Sie sich unter der kostenfreien Nummer 0800-7733377.

Das Thema der Woche, das in der Mittagsmusik jeden Tag mit einem ausgewählten Stück beleuchtet wird, gibt dieses Mal das Intermezzo oder Zwischenspiel in Oper und Operette. Die Komponisten seit dem späteren 19. Jahrhundert positionierten es zumeist an der spannendsten Stelle der Bühnenaktion - wenn der dramatische Knoten geschürzt ist und die Handlung ihrem Höhepunkt zustrebt. Das Intermezzo ist also ein retardierendes Moment zur Erhöhung der Spannung. Es ist ein Mittel zur Verzögerung des Höhepunkts - und zwar in lustvoller, kulinarischer Weise, denn vieler dieser Intermezzi sind von unwiderstehlichem Zauber, betörender Schönheit und überwältigender dramatischer Kraft.

Zwischenlandung in Rotterdam?

Am Donnerstag haben wir für Sie ein Intermezzo alias Zwischenspiel, das weit populärer ist als die Oper, aus der es stammt, und das weit bekannter ist als der Name des Komponisten, der beides schrieb. Ja, das Intermezzi ist sogar noch bekannter als sein Titel: In einer Wunschkonzert-Sendung des Bayerischen Rundfunks ging vor vielen, vielen Jahren ein "seltsamer" Wunsch ein. Der Anrufer wollte die "Zwischenlandung in Rotterdam" hören. Zunächst Ratlosigkeit im Studio, doch dann kam dem Redakteur die richtige Idee. Der Hörer wünschte sich nicht die "Zwischenlandung in Rotterdam", sondern das Zwischenspiel aus "Notre Dame" - also das Intermezzo aus der gleichnamigen Oper von Franz Schmidt, seines Zeichens Komponist, Solo-Cellist der Wiener Philharmoniker in der Ära von Gustav Mahler, dazu auch ein professioneller Pianist und Dirigent sowie später Professor an der (heutigen) Wiener Universität für Musik, wo Herbert von Karajan zu seinen Studenten zählte. Franz Schmidt - er war für viele ein schier unerklärliches musikalisches Universalgenie. Er selbst sah es ganz entspannt. Als er einmal von einer Verehrerin im Blick auf seine enormen Fähigkeiten als Cellist und Pianist gefragt wurde, woher er denn die Zeit zum Üben nehme, fragte er zurück: "Haben Sie je gehört, dass ein Fisch das Schwimmen üben muss?"

Die Oper eines Wiener Philharmonikers

Schmidts Oper "Notre Dame" entstand zwischen 1903 und 1906, während seiner Zeit als Cellist der Wiener Philharmoniker. Eine Produktion des Werks lehnte indes sein Chef, der damalige Wiener Operndirektor Gustav Mahler, mit der Begründung ab: "Ich vermisse darin die großen Gedanken." Ablehnung, geboren aus Missgunst, Künstlerneid und Konkurrenzdenken. So fand die Premiere an der Wiener Staatsoper (damals noch Wiener Hofoper) erst nach Mahlers Tod im April 1914 statt.

Sonorer Streicher-Sound im Angesicht des Todes

Die Handlung der Oper basiert (natürlich) auf Victor Hugos Roman "Der Glöckner von Notre Dame" - einem massenhaften Publikum in der ganzen Welt später geläufig durch zwei prominente Verfilmungen: die eine von 1939, mit Maureen O'Hara und Charles Laughton in den Hauptrollen, die andere von 1956, mit Gina Lollobrigida und Anthony Quinn. Die Namen stehen für die Protagonisten der Oper: für Quasimodo, den verkrüppelten, entstellten, buckligen Glöckner der Kathedrale, und für Esmeralda, die attraktive, schöne, heißblutige Frau aus der Nachbarschaft, umschwärmt von vielen Männern. Das Intermezzo beschwört mit seinen rauschhaften, sehnsuchtstrunkenen, sonoren Streicherklängen gleichermaßen Esmeraldas exotische Schönheit wie die überwältigende Größe und Weiträumigkeit der Kathedrale. Es erklingt zwischen der zweiten und dritten Szene im Ersten Akt der insgesamt zweiaktigen Oper, kurz vor dem schicksalhaften Eifersuchtsmord von einem Liebhaber Esmeraldas an dem anderen. Man wird das Verbrechen der unschuldigen Frau anhängen und sie schließlich dafür hinrichten. Das Zwischenspiel aus "Notre Dame" - es ist einmal mehr Musik am Rande der Katastrophe, im Angesicht des Todes.

Musiktitel

Liste der gespielten Musiktitel mit Komponist oder Interpret
Uhrzeit Werk/Titel Komponist/Interpret
12:05 Marsch Nr. 1 D-Dur, KV 335/KV320a Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) / Orpheus Chamber Orchestra
12:09 Lied der Marie, aus: Frau Luna. Operette Paul Lincke (1866-1946) / Erika Köth (Sopran); Symphonie-Orchester Graunke München; Mattes, Willy
12:13 Oboenkonzert C-Dur, RV 452 Antonio Vivaldi (1678-1741) / Lencses; Streicher des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart
12:20 Glückliche Tage Walter Popper (1905-1962) / Edgar Nürnberger Symphoniker; Bredow
12:26 Die Wut über den verlorenen Groschen. Rondo a capriccio G-Dur, op. 129 Ludwig van Beethoven (1770-1827) / Anatol Ugorskij
12:32 Wir schenken uns nix David Lugert (1980-) / VivaVoce
12:37 aus: Notre Dame. Oper in 2 Akten Franz Schmidt (1874-1939) / Herbert von Berliner Philharmoniker; Karajan
12:42 Sing me not a ballad Kurt Weill (1900-1950) / Lotte Lenya
12:47 Nordische Ballade für Violoncello und Klavier, op. 105 Christian Sinding (1856-1941) / Edgar Gredler (Klavier)
12:54 2. Satz: Allegro aus: Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-Dur, BWV 1048 Johann Sebastian Bach / Enrique German Brass; Crespo
13:04 Säbeltanz, aus: Gayaneh. Ballet in 3 Akten Aram Chatschaturjan / Aram Bamberger Symphoniker; Chatschaturjan
13:07 Arie der Hildegard, aus: Emma und Eginhard oder Die Last-tragende Liebe. Oper Georg Philipp Telemann (1681-1767) / Nuria Rial (Sopran); Kammerorchester Basel
13:11 Galavant Frederic Curzon (1899-1973) / Adrian Tschechoslowakisches Radio-Sinfonieorchester Bratislava; Leaper
13:16 Lied des Fremden, aus: Gasparone. Operette in 3 Akten Carl Millöcker (1842-1899) / Bernd Weikl (Bariton); ORF-Symphonie-Orchester; Eichhorn, Kurt
13:19 Red roses for a blue lady Sid Tepper (1918-); Brodsky, Roy / Bert Kaempfert And His Orchestra
13:22 Moses, aus: Singin' in the rain Roger Edens (1905-1970) / Donald; MGM Studio Orchestra Kelly
13:25 Skaker-Melody-Variationen aus: Appalachian Spring Aaron Copland (1900-1990) / Erich Cincinnati Pops; Kunzel
13:29 Donauweibchen. Walzer, op. 427 Johann Strauß / Alfred Staatliche Philharmonie Kosice; Walter
13:38 Sinfonie für Streicher Nr. 1 C-Dur Felix (1809-1847 Mendelssohn Bartholdy / Jörg Württembergisches Kammerorchester; Faerber
13:47 Duett für Klavier und Harfe Nr. 2 F-Dur Jan Ladislaw Dussek (1760-1812) / Leonore Klinckerfuß (Harfe)
13:51 2. Satz, aus: Konzert für Klarinette, Horn und Orchester Agostino Belloli / Claus Sinfonietta Riga; Efland
13:52 Ave Maria N. N. / Placido; Wiener Symphoniker Domingo

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