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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 16. Juli 2019 Sonderausgabe von den Opernfestspielen in Verona

Es ist eine der spektakulärsten Open-Air-Spielstätten weltweit: die Arena di Verona. Maria Callas, Luciano Pavarotti, Placido Domingo – sie alle haben schon in Verona auf der Bühne gestanden. Dieses Jahr gab Anna Netrebko zusammen mit ihrem Ehemann Yusif Eyvazov ihr Debüt bei den Opernfestspielen in Verona – mit Verdis "Der Troubadour". KlickKlack war bei diesem rauschenden Opernfest vor und hinter der Bühne hautnah mit dabei.

Yusif Eyvazov und Anna Netrebko als Manrico und Leonora in Il Trovatore von Verdi in der Arena von Verona, 2019. | Bildquelle: BR

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Bei unserer Ankunft in der weltberühmten Arena von Verona hängen dichte schwarze Wolken über dem antiken Amphitheater. Und dann plötzlich treibt das Unwetter sein Unwesen: peitschender Wind, strömender Regen, Hagelkörner. Und die alles entscheidende Frage lautet: Kann die Vorstellung heute überhaupt stattfinden? "Jetzt können wir nur warten", sagt Marco Rossi. Er ist in der Arena für die Beleuchtung zuständig. "Und dann muss ich dringend einen Sicherheitscheck durchführen. Nicht dass wir hier noch einen Kurzschluss haben", fügt er hinzu.

Alles hat ganz andere Dimensionen.
Intendantin Cecilia Gasdia über die Arena di Verona

Cecilia Gasdia, Oberintendantin und künstlerische Leiterin des Opernfestivals 2019 in der Arena von Verona. | Bildquelle: BR Cecilia Gasdia, Intendantin und künstlerische Leiterin der Opernfestspiele in Verona | Bildquelle: BR

Irgendwann klärt sich der Himmel auf, erste Sonnenstrahlen streifen vorsichtig die altehrwürdige Mauern - und die Hagelkörner werden im Eiltempo beiseitegeschoben, die Bühne von Wasser freigefegt, die Notenpulte im Orchestergraben trockenpoliert. "Normalerweise sind wir 150 Angestellte, aber während der Festspiele sind es 1350 - fast eine kleine Stadt", sagt Cecilia Gasdia. Die gebürtige Veroneserin stand 20 Jahre lang als Solistin in der Arena auf der Bühne, seit 2018 ist sie nun Intendantin und künstlerische Leiterin der Opernfestspiele in Verona. "Hier ist eine Vorstellung fünfmal so groß wie in einem normalen Theater. Alles hat ganz andere Dimensionen - und das kann nur funktionieren mit jahrzehntelangen Erfahrung unseres Teams".

Die Arena hat eine so unglaubliche Atmosphäre! Es ist wirklich eine große Ehre, hier singen zu dürfen.
Anna Netrebko

Die Arena von Verona mit dem Bühnenbild zu Il Trovatore. | Bildquelle: BR Arena di Verona | Bildquelle: BR

Und die Größe ist tatsächlich beeindruckend. Die Arena, ein außerordentlich gut erhaltenes römisches Amphitheater mitten in Verona, misst eine Länge von 138 Metern, eine Breite von 110 Metern und eine Höhe von 24 Metern. Die 44 Stufenränge des Zuschauerraums bieten 22.000 Zuschauern Platz. Das Theater wurde 30 n. Chr. errichtet und in der römischen Zeit für Gladiatorenkämpfe und Wettkämpfe genutzt. Seit 1913 ist die Arena wieder regelmäßig als Theater in Betrieb. Damals wurde hier zum 100. Geburtstag von Giuseppe Verdi "Aida"  aufgeführt. Die hervorragende Akustik überzeugte - danach konnte sich die Arena di Verona schnell als Konzertstätte etablieren.

Und auch heute Abend steht Verdi im antiken Amphitheater auf dem Programm: "Il Trovatore", inszeniert von Franco Zeffirelli. Ihr Arena-Debüt gibt dabei keine geringere als Anna Netrebko. Die berühmte Sopranistin steht zusammen mit ihrem Ehemann auf der Bühne, dem Tenor Yusif Eyvazov, sie verkörpern das Liebespaar Leonora und Manrico. Die Familie ist komplett: auch Netrebkos Sohn Tiago feuert die beiden hinter der Bühne an. Und macht sich auch ein bisschen Sorgen: "Ein bisschen Angst habe ich schon vor den Tieren". Denn Anna Netrebko und Yusif Eyvazov reiten in "Il Trovatore" auf echten Pferden über die Bühne.

Chorszene aus Il Trovatore in der Arena von Verona. | Bildquelle: BR Chorszene aus "Il Trovatore" in der Arena von Verona | Bildquelle: BR

In seiner opulenten Inszenierung verwandelt der kürzlich verstorbene italienische Regisseur Franco Zeffirelli den Bühnenraum des römischen Amphitheaters in ein beeindruckendes Spektakel. Der Meister monumentaler Bilder macht sich mit seiner Szenengestaltung jede Dimension der Arena zunutze. Buntes Treiben füllt opulent diese gigantische und auch etwas kapriziöse Bühne aus. Die Akustik folgt hier nämlich ganz anderen Gesetzen, als in einem üblichen Opernhaus. In der Arena ändern sich die Rahmenbedingungen stündlich: mal ist es extrem warm, mal windig, mal feucht. Es gibt so viele Variablen und die Musiker müssen ständig darauf reagieren, damit es gut klingt.

"Es ist wirklich nicht einfach", sagt Anna Netrebko. "Es ist zu heiß, es ist zu offen, man tendiert dazu, zu forcieren. Und bis man verstanden hast, wie man hier singen muss, ist die Vorstellung schon vorbei." Doch Netrebkos dunkles Timbre, kraftvolle Mezzo-Passagen und mühelose Koloraturen begeistern das Publikum in der Arena. Und die Ovationen nach Leonoras berühmten Schlussarie „D’amor sull’ali rosee“ nehmen kein Ende.

Die Arena ist immer große Emotion. Das ist etwas ganz anderes als ein normales Opernhaus, das ist eine andere Welt - und das steckt an.
Yusif Eyvazov

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