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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack mit Sol Gabetta vom 21. November Eine Frischzellenkur für die Alte Musik

KlickKlack-Moderatorin Sol Gabetta stellt Ihnen den jungen französischen Cembalisten Jean Rondeau, die Blockflötistin Dorothee Oberlinger und den Countertenor Andreas Scholl vor. Außerdem in der Sendung: die frisch gekürte ECHO Klassik-Preisträgerin Joyce DiDonato, die sich politisch engagiert und kein Blatt vor den Mund nimmt.

Sol Gabetta | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Die ganze Sendung zum Anschauen

Sichtbar ergriffen steht Joyce DiDonato auf der Bühne der Hamburger Elbphilharmonie, den ECHO Klassik-Award hält sie fest in den Händen. Die Mezzosopranistin wurde gerade in der Kategorie Sängerin des Jahres für ihr Album “In War & Peace” ausgezeichnet. Ihre Augen funkeln, abseits der üblichen Dankesfloskeln möchte sie noch etwas Wichtiges loswerden: "Es gibt ein Zitat, das mich schon immer bewegt hat: 'Das Gegenteil von Krieg ist nicht Frieden - es ist das Schöpferische", - DiDonato schaut entschlossen ins Hochglanz-Publikum. Dann richtet sie ein Appell an die im Großen Saal der Elbphilharmonie versammelte Klassik-Elite: "Wir müssen noch mehr tun, wir müssen lauter singen, mit noch mehr Leidenschaft, noch provokativer - denn das macht Sinn."

Die Oper ist durch und durch politisch.
Joyce DiDonato

Joyce DiDonato | Bildquelle: Simon Pauly Joyce DiDonato | Bildquelle: Simon Pauly

Dabei tut Joyce DiDonato selbst ziemlich viel: Trotz ihrer zahlreichen Auftritte an der New Yorker MET, bei den Salzburger Festspielen oder in Paris findet die Sängerin noch genug Zeit für soziale Projekte. "Es gibt so viele monumentale Werke der Opernliteratur, die absolut politisch sind", - sagt DiDonato. "Fast alle beziehen Stellung zum historischen Moment, in dem sie entstanden sind. Manche sind geradezu ein Aufschrei gegen das System: Mozarts "Figaro", Händels "Giulio Cesare". Und ich komme nun mal nicht an der Tatsache vorbei, dass ich als Bürgerin im Jahr 2017 lebe, in einer sehr komplexen Welt."  Joyce DiDonato nimmt diese Aufgabe ernst: Gerade hat sie ein Flüchtlingscamp in Griechenland besucht, im Rahmen eines Musikvermittlungsprojekts arbeitet sie am US-amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis Sing Sing mit inhaftierten Straftätern.

"Der Raum, in dem Magie entsteht"

Als KlickKlack die Sängerin in der Londoner Wigmore Hall trifft, stimmt sie spontan "Somewere over the Rainbow" an - nur so, um kurz mal die Akustik zu checken. Diesen Song singt Joyce DiDonato oft und gerne als Zugabe. Mit dem Titel verbindet die US-Amerikanerin sehr viel: "Das ist die Musik, die ich mit elf in Kansas gesungen habe, mit dem Bürsten-Mikrofon vor dem Spiegel und dem Traum, auf der Bühne zu stehen."

Bis dieser Traum in Erfüllung ging, vergingen einige Jahre: Der Durchbruch als Opernsängerin gelang Joyce DiDonato erst spät, bis dahin hielt sie sich mit Jobs als Kellnerin über Wasser. Heute singt Joyce DiDonato auf den größten Bühnen der Welt, mit ihrer Stimme erreicht und betört sie Millionen. "Wenn ich im Groove bin und alle Zylinder abgehen, dann denke ich an gar nichts mehr. Ich bin 100-prozentig in dieser einen Note, in diesem Moment. Es gibt keine Angst mehr vor hohen Tönen oder ob der Atem für die Phrase reicht. Ich bin dann einfach da. Und das ist der Raum, in dem Magie entsteht."

Der Cembalist Jean Rondeau

Jean Rondeau | Bildquelle: Baghir Jean Rondeau | Bildquelle: Baghir

"Während der Französischen Revolution wurden viele Cembali verbrannt oder flogen aus dem Fenster - als Symbol des Ancien Régime“, erzählt Jean Rondeau und lehnt sich lässig an sein Cembalo. Der junge Franzose setzt sich - über 200 Jahre nach dem Sturm der Bastille - für das Image seines etwas aus der Zeit gefallenen und solistisch bis heute eher vernachlässigten Instruments ein. Mit seiner frischen Art bringt Rondeau das Cembalo wieder aufs gegenwärtige Parkett und haucht den alten Klängen ganz neues Leben ein. Noch dazu ist Jean Rondeau ein Virtuose am Klavier, er spielt Jazz und komponiert.

Was uns fehlt, ist ein Blockflötenkonzert von Bach.
Dorothee Oberlinger

Dorothee Oberlinger | Bildquelle: Dorothee Oberlinger Dorothee Oberlinger | Bildquelle: Dorothee Oberlinger Das Cembalokonzert BWV 1056 von Johann Sebastian Bach hat eine lange Geschichte: Ursprünglich war es ein fragmentarisch überliefertes Konzert für Traversflöte von Telemann. Dann überarbeitete Bach die musikalischen Themen und machte daraus ein Konzert für Cembalo. Das brachte die Blockflötistin Dorothee Oberlinger auf die Idee, doch wieder ein Flötenkonzert daraus zu machen. Gesagt - getan. Schließlich war es zu Bachs Zeiten nichts ungewöhnliches, Themen anderer Komponisten aufzugreifen und auch Werke für andere Instrumente umzuarrangieren. KlickKlack besucht Dorothee Oberlinger in Salzburg und schaut der Blockflötistin, dem Countertenor Andreas Scholl und dem Ensemble 1700 bei den Proben zu ihrem Programm "Small Gifts" über die Schulter.

Sol Gabetta & Cecilia Bartoli auf Tour

Sol Gabetta hat gerade eine neue CD aufgenommen: "Dolce Duello", zusammen mit Cecilia Bartoli und Cappella Gabetta unter der Leitung von Sols Bruder Andres Gabetta. In den nächsten Wochen gehen die Musiker auf eine große Tournee, die sie durch die Hauptstädte Europas führen wird. In KlickKlack zeigt Sol Gabetta einen kleinen Eindruck aus den Proben zu dem neuen Programm. "Mit Cecilia zu musizieren ist sehr inspirierend. Für mich ist es eine Herausforderung, Cecilias Klangfarben und Intensität mit meinem Cello nahezukommen."

"Dolce Duello" - Tour-Daten

Cecilia Bartoli, Sol Gabetta, Cappella Gabetta

23.11.2017 Baden-Baden
25.11.2017 Essen
28.11.2017 Amsterdam
29.11.2017 Brüssel
1.12.2017 London
4.12.2017 Paris
10.12.2017 München
12.12.2017 Wien
14.12.2017 Prag
17.12.2017 Berlin

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