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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

Themen & Gäste KlickKlack am 20.03.2017

Sol Gabetta begrüßt Sie diesmal aus Rom. Hier spielte die Cellistin mit dem Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Leitung von Alan Gilbert Martinůs Cellokonzert Nr. 1. Zu Gast in KlickKlack sind drei Musiker, die in der Ewigen Stadt leben und arbeiten: der Pianist Stefano Bollani, der Cellist Giovanni Sollima und der Komponist Luis Enríquez Bacalov.

Sol Gabetta | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

KlickKlack vom 20.03.2017

Mit Sol Gabetta in Rom

Wie fast immer macht das Musikmagazin einen poetischen Spaziergang durch die Stadt und fängt das Lebensgefühl der Römer ein, die sich gerne Zeit nehmen für einen Cappuccino und mit einer großen Selbstverständlichkeit die barocken Plätze, das Forum Romanum und das Kolosseum in ihren Alltag integrieren. Einer, der sich bestens in Rom auskennt, ist Stefano Bollani.

Stefano Bollani

Stefano Bollani | Bildquelle: BR Bildquelle: BR Vielleicht erinnern Sie sich? Sol Gabetta war schon einmal Gast in der Fernsehsendung des Pianisten, "sostiene bollani". Stefano Bollani gilt als einer der vielseitigsten Pianisten Italiens. Klassische Konzerte spielt er immer weniger. Statt die Musik exakt so zu spielen wie sie geschrieben wurde, geht der Pianist lieber das volle Risiko ein und nimmt in Kauf, nicht immer perfekt zu spielen. Für ihn ist am wichtigsten, dass er seine Empfindungen in die Musik legen kann, und das geht bei den eigenen Kompositionen einfach am besten. Und dann wollten wir von Stefano Bollani noch wissen, was er jungen Musikern mit auf den Weg geben würde. Wir teilen das Erfolgsrezept gerne mit Ihnen.

Wie man ein guter Musiker wird

1. Man darf kein Snob sein.
2. Man muss seinen Leidenschaften folgen.
3. Man sollte sich allen Musikstilen öffnen.

Luis Enríquez Bacalov

Luis Bacalov | Bildquelle: BR Bildquelle: BR Der Name sagt Ihnen im ersten Moment vielleicht nichts. Aber nach wenigen Takten werden Sie seine wunderbaren Melodien wiedererkennen, die er für Filme wie "Il postino" von Michael Radford oder "La città delle donne" von Federico Fellini schrieb. Und was wären die legendären Italowestern der 60er und 70er Jahre ohne seine Filmmusik? KlickKlack trifft Luis Enríquez Bacalov in seiner Wohnung in Rom. Hier, an seinem Klavier, lässt er ein Stück Filmgeschichte lebendig werden.

Die ersten Ideen sind oft die besten.
(Luis Enríquez Bacalov)

Für den in Argentinien geborenen Komponisten, der auch klassische Stücke für Chöre und Orchester schreibt, ist Filmmusik Gebrauchsmusik. Das ist in keiner Weise abwertend gemeint, sondern erklärt, warum Bescheidenheit die wichtigste Eigenschaft von Filmmusik ist. Mit einer kleinen Idee, die plötzlich aus dem Nichts auftaucht, fängt alles an. Und der Rest ist harte Arbeit. Und für die hat der Komponist manchmal nur wenige Wochen Zeit. Bei "Il postino" zum Beispiel. Der Film war bereits fertig im Kasten und sollte wenig später bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig gezeigt werden. In weniger als vier Wochen schrieb Bacalov die Filmmusik, für die er später einen Oscar erhielt.

Alan Gilbert

Sol Gabetta, Alan Gilbert, Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia  | Bildquelle: BR Bildquelle: BR Das Orchestra dell'Accademia Nazionale di Santa Cecilia ist eines der ältesten der Welt. 1585 wurde es gegründet. Sol Gabetta hatte an drei Abenden die Ehre, mit dem Orchester das Cellokonzert Nr. 1 H 196 von Bohuslav Martinů zu spielen. Am Pult stand Alan Gilbert. Er ist einer der ganz großen Dirigenten unserer Zeit. Seit 2009 ist Alan Gilbert Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Als er in New York die Nachfolge von Lorin Maazel antrat, spielte Gilberts Mutter, die Geigerin Yoko Takebe, noch im Orchester. Auch sein Vater, Michael Gilbert, hatte bis zu seiner Pensionierung bei den New Yorker Philharmonikern gespielt.

Die Zusammenarbeit mit Sol Gabetta war von Anfang an sehr natürlich.
(Alan Gilbert)

Alan Gilbert | Bildquelle: BR Bildquelle: BR Alan Gilbert lernt ein Stück nicht über das Hören von Aufnahmen sondern durch die intensive Beschäftigung mit der Partitur. Wenn die Noten quasi von der Seite hüpfen und sich die Tempi so anfühlen als könnten sie nicht anders sein, dann weiß der Dirigent, dass er sich das Stück wirklich einverleibt hat. Beim Cellokonzert von Martinů wechselt der musikalische Charakter permanent. Im ersten Moment kommt die Musik sonderbar und unkonventionell daher. Doch dann merkt man, dass Martinůs eigenwilligen kompositorischen Entscheidungen auf einem tiefen Verständnis der Musik basieren. Kein Wunder also, dass Alan Gilbert und Sol Gabetta von dem Cellokonzert fasziniert sind.

Giovanni Sollima

Giovanni Sollima | Bildquelle: BR Bildquelle: BR Einer, der an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia unterrichtet, ist Giovanni Sollima. Der in Palermo geborene Cellist kommt aus einer Musikerfamilie. Sein Vater gab beim Musikunterricht zunächst präzise Anweisungen, wie ein Stück zu spielen sei. Und am nächsten Tag ermutigte er Giovanni und seine Geschwister, völlig frei zu spielen, was ihnen in den Sinn kam. So gewann Giovanni Sollima die Sicherheit, die man braucht, um sich nicht im Orchester zu verlieren. Und er lernte gleichzeitig, seiner Intuition zu vertrauen. Die Methode hat sich bewährt, und deswegen benutzt Giovanni Sollima sie auch für die Arbeit mit seinen Studenten.

Der Klang ist wie Wasser, wie Luft, und du musst darauf treiben.
(Giovanni Sollima)

Giovanni Sollima beherrscht alle Stile: von Barock bis Avantgarde. Mit seinen eigenen Kompositionen, die ihre Wurzeln in der Musik seiner Heimat haben und vom Minimalismus beeinflusst sind, locken ein sehr diverses Publikum in den Konzertsaal. Für seine Kompositionen benutzt Giovanni Sollima auch Relikte wie ein Schiffswrack. Mit Sollimas Musik betreten wir einen Raum, den es schon sehr lange gibt und erleben ihn ganz neu, wie ein Loft voller Erinnerungen.

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