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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 23. März 2022 Mit Martin Grubinger in München

Martin Grubinger begrüßt seine Zuschauer*innen aus München. Hier spielte er mit dem Kammerorchester des BRSO das Schlagzeugkonzert "Conjurer". Seine Gäste in der Sendung sind: der Dirigent und Konzertmeister Radoslaw Szulc, der Pianist Matteo Myderwyk, und der südafrikanische Jazzmusiker Abdullah Ibrahim, dessen Komposition "Mannenberg" zu einer inoffiziellen Hymne der Anti-Apartheid-Bewegung wurde.

KlickKlack-Moderator und Multi-Perkussionist Martin Grubinger.  | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

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Der Pianist Matteo Myderwyk

Seine Musik eignet sich perfekt zum Tagträumen oder sich in süßen Erinnerungen und Sehnsüchten Verlieren. Und auch die Stücke selbst haben etwas von einem Tagtraum: Matteo Myderwyk schreibt die Noten nicht nieder, alles entsteht spontan, im Moment. "Ich kann mich stundenlang in meinem Studio nur mit einer kleinen Melodie beschäftigen", erzählt uns der niederländische Pianist. "Und danach kann ich guten Gewissens sagen: Es war ein schöner Tag!"

Ich mache zeitgenössische Klassik/Pop-Musik
. Matteo Myderwyk

Matteo Myderwyk während des KlickKlack-Interviews. | Bildquelle: BR Matteo Myderwyk | Bildquelle: BR Begonnen hat Matteo Myderwyk als klassischer Pianist, dann improvisierte er ein paar Jahre lang Live-Musik zu Stummfilmen. Und irgendwann wurde ihm klar: Es ist Zeit für sein eigenes Ding. Den klassischen Vorbildern Bach, Liszt, Ravel oder Messiaen ist Matteo dabei treu geblieben: In seinen Stücken zitiert er immer wieder die alten Meister und setzt sie in einen neuen Kontext. Das melodiöse und eingängige Solo-Klavierspiel versetzt Matteo Myderwyk mit elektronischen Synth-Klängen. Gerade hat er sein Debüt im Concertgebouw in Amsterdam gegeben, KlickKlack hat den Musiker dabei begleitet.

Martin Grubinger zu Gast beim BRSO-Kammerorchester und Radoslaw Szulc

Mit "Conjurer", einem Konzert für Percussion und Orchester des amerikanischen Komponisten John Corigliano, gastiert Martin Grubinger beim Kammerorchester des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Das Kammerorchester, das der BRSO-Konzertmeister Radoslaw Szulc 1999 gegründet hat und seitdem auch leitet, spielt normalerweise ohne Dirigenten. Bei diesem Schlagzeugkonzert leitet Szulc ausnahmsweise das Ensemble vom Dirigentenpult aus – zu komplex sind die Übergänge und das Zusammenspiel zwischen dem Solisten und den Orchestermusikern. Bei den Proben im Studio 2 des BR bleibt noch etwas Zeit für ein Gespräch zwischen Martin Grubinger und Radoslaw Szulc, dabei sprechen die beiden über die Vorteile der kleinen Besetzung für große Werke und tauschen sich aus über die Feinheiten der Kommunikation zwischen Schlagzeugern und Streichern.

Als siebenjähriger Bub bin ich zum Wieniawski-Wettbewerb gefahren, um große Geiger zu hören.
Radoslaw Szulc

Radoslaw Szulc (links), Leiter des BR-Kammerorchesters, während der Probe mit Martin Grubinger. | Bildquelle: BR Martin Grubinger probt mit dem BRSO-Kammerorchester und Radoslaw Szulc. | Bildquelle: BR Radoslaw Szulc wurde in Polen in der dritten Generation einer Geigerfamilie geboren. Seine erste Musiklehrerin war seine Mutter, Halszka Süss. Mit acht Jahren ging Radoslaw auf eine Musikschule, mit zehn gab er bereits sein Solodebüt mit dem Violinkonzert von Mendelssohn. Seine weiteren Studien absolvierte er in Warschau, Hannover, an der Londoner Guildhall und in Amsterdam. Er gewann einige wichtige Preise, z.B. beim Wieniawski-Wettbewerb in Polen oder beim Sibelius-Wettbewerb in Helsinki.1998 wurde Radoslaw Szulc zum Ersten Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks berufen.

Der Jazzpianist Abdullah Ibrahim

Abdullah Ibrahim, 1934 in Kapstadt geboren, wuchs in Kensington auf, einem der damals schlimmsten Townships. Trotz der bitteren Armut standen in vielen Häusern dort Klaviere - etwas ramponiert und verstimmt zwar, aber gut genug, dass sich Abdullah Ibrahim das Spielen selbst beibringen konnte. Mit 15 Jahren entdeckte er den Bebop für sich. Durch einen Zufall landete er in der Schweiz, hier hörte ihn der große Duke Ellington - und wollte sofort eine Schallplatte mit ihm aufnehmen. So kam Ibrahim nach New York. Hier schrieb der Pianist, Arrangeur und Komponist viele seiner genialen Jazz-Hits.

Jazz ist die höchstentwickelte Musikform in der Geschichte des Planeten.
Abdullah Ibrahim

Der südafrikanische Jazzpianist Abdullah Ibrahim während des KlickKlack-Interviews. | Bildquelle: BR Abdullah Ibrahim | Bildquelle: BR Mit dem Titel "Mannenberg" schrieb er den Sound der Revolution. Denn für die nicht-weiße Bevölkerung Südafrikas, die gegen das Apartheid-Regime kämpfte, wurde die Melodie zur inoffiziellen Nationalhymne. Bei den brutalen Verhaftungen und in den Gefängniszellen sangen, summten und pfiffen die Kämpfer ihre Erkennungsmelodie. Nach dem Ende der Apartheid kehrte Ibrahim auf Einladung Nelson Mandelas in seine Heimat zurück. 1994 spielte er bei der Amtseinführung Mandelas. Heute ist Abdullah Ibrahim 87 Jahre alt, er lebt vorwiegend im Chiemgau – und gibt immer noch Konzerte.

Sendung: "KlickKlack" am 23. März 2022 um 00:00 Uhr im BR Fernsehen

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