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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 28. Januar 2020 Mit Martin Grubinger unterwegs in Hongkong

Martin Grubinger begrüßt die Zuschauer zur ersten KlickKlack-Sendung im neuen Jahr mit einer Spezial-Ausgabe aus Hongkong. Hier treffen wir auf Musikerinnen wie die Dirigentin Elim Chan, die aus Hongkong stammt, oder die Cantopop-Sängerin Denise Ho, die zur Ikone der Hongkonger Widerstandsbewegung geworden ist.

Martin Grubinger vor der nächtlichen Kulisse Hongkongs. | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

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Imposante Wolkenkratzer-Skyline, buntes Lichtermeer, internationale Bevölkerung – Hongkong genießt den Ruf einer fortschrittlichen, dynamischen, weltoffenen Stadt. Doch in jüngster Zeit zieht ein Schatten über die Weltmetropole:

Martin Grubinger im Gespräch mit Aktivisten in Hongkong. | Bildquelle: BR Martin Grubinger trifft sich mit Hongkonger Demonstranten, die unerkannt bleiben wollten. | Bildquelle: BR

Seit einem halben Jahr wird Hongkong immer wieder durch Massenproteste der Demokratiebewegung lahmgelegt. Hunderttausende Hongkonger gehen auf die Straße, um für ihre Freiheit zu demonstrieren. Martin Grubinger reist nach Hongkong, um hier zusammen mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra Kalevi Ahos Schlagzeugkonzert aufzuführen. Natürlich lassen uns die jüngsten Entwicklungen in Hongkong nicht kalt: KlickKlack schaut sich in der Stadt um, unterhält sich mit Musikern - und trifft sich mit Demonstranten, um mehr über die Situation in Hongkong zu erfahren.

Wenn sie uns schnappen, dann bringen sie uns über die Grenze und dann haben wir keine Chance mehr.
Hongkonger Demonstrant

Hintergrund zur Protestbewegung in Hongkong

Begonnen haben die Proteste in Hongkong ursprünglich aus Ärger über ein geplantes Gesetz für Auslieferungen an China. Danach entwickelte sich der Protest zu einer Demokratiebewegung, die sich gegen die Hongkonger Regierung und den zunehmenden Einfluss Pekings richtet. Im Laufe der monatelangen Proteste kam es immer wieder zu heftigen Ausschreitungen und auch schweren Fällen von Polizeigewalt.

Nach der 100-jährigen Verwaltung durch Großbritannien wurde Hongkong 1997 offiziell an China zurückgegeben. Seither ist Hongkong eine chinesische Sonderverwaltungszone mit weitgehenden Autonomierechten. Die ehemalige britische Kolonie Hongkong wird nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert; die sieben Millionen Einwohner genießen mehr Bürgerrechte als die Bewohner Festlandchinas, um die sie jetzt zunehmend fürchten.

Denise Ho - Ikone der Widerstandsbewegung

Cantopop-Sängerin Denise Ho. | Bildquelle: BR Cantopop-Sängerin Denise Ho | Bildquelle: BR

Sie ist ein Superstar in Hongkong: Denise Hos Alben verkauften sich millionenfach und ihr Cantopop, benannt nach dem kantonesischen Dialekt, der in Hongkong gesprochen wird, setzte Trends für ganz Asien. Diese glanzvolle Karriere setzt Denise Ho mutig aufs Spiel, als sie sich 2014 der Regenschirm-Bewegung anschließt – und schließlich bei einer friedlichen Demonstration verhaftet wird. Und das hat Folgen: In China wird ihre Musik auf eine schwarze Liste gesetzt, ihre Lieder verschwinden von sämtlichen Streamingdiensten, ihre Videos werden zensiert. Sie habe gewusst, dass das das Ende ihrer Karriere auf dem chinesischen Festland bedeutete, sagt Denise Ho. "Aber wenn das Volk eine solche Krise durchmacht, dann muss man sich entscheiden."

Die Musikerin wird quasi gezwungen, andere Wege einzuschlagen, um im Entertainment-Business überleben zu können. „Denn jeder hatte gedacht, dass meine Karriere zu Ende sei,“ erzählt Denise Ho uns. Heute arbeitet sie als unabhängige Künstlerin weiter. Für die Hongkonger Demonstranten ist sie ein Superstar und eine Identifikationsfigur. Im Sommer 2019 sprach Ho vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen und forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Menschen in Hongkong vor Verletzungen ihrer Freiheiten zu schützen.

Ich denke, wenn wir jetzt aufhören würden, oder nachgeben würden, dann würde alles sehr schnell bergab gehen.
Denise Ho

Die Dirigentin Elim Chan

Dreh des Gesprächs von Martin Grubinger mit der Dirigentin Elim Chan in Hongkong. | Bildquelle: BR Martin Grubinger und Elim Chan | Bildquelle: BR

Bei seinem Konzert mit dem Hong Kong Philharmonic Orchestra trifft Martin Grubinger auf die Dirigentin Elim Chan, Jahrgang 1986, eine der vielversprechendsten Dirigentinnen der jüngeren Generation. Elim wurde in Hongkong geboren, schon früh, im Kinderchor, fiel sie durch ihre außergewöhnliche Musikalität und ihr enormes Talent auf. „Jedes Kind in Hongkong muss ein Instrument - oder auch zwei lernen. Und Klavierspielen gehört einfach dazu“, erzählt Elim. Doch nach der Schule geht Elim zuerst in die USA und beginnt ein Psychologie-Studium. Ihre ungebrochene Liebe zur Musik bannt sich dann doch ihren Weg – und Elim wechselt das Studienfach. Sie wird zur Dirigentin am Smith College in Massachusetts und an der University of Michigan ausgebildet. 2013 erhält sie das Bruno-Walter-Stipendium. Als erste Frau überhaupt gewinnt Elim Chan 2014 den Donatella-Flick-Dirigierwettbewerb – ein Wendepunkt in ihrer Karriere. Daraufhin wird sie als Assistenzdirigentin zum London Symphony Orchestra berufen und in das Dudamel-Stipendiaten-Programm des Los Angeles Philharmonic aufgenommen.

Es bedeutet mir sehr viel, zu Hause in Hongkong zu spielen.
Elim Chan

Inzwischen dirigiert Elim Chan namhafte Orchester wie das Concertgebouw Orchestra, das Orchester des Mariinsky-Theaters oder die Deutsche Kammerphilharmonie. Beim Royal Scottish National Orchestra hat sie die Erste-Gastdirigenten-Position inne, seit der aktuellen Saison hat sie die künstlerische Verantwortung für das Symphonieorchester Antwerpen übernommen. Und trotzdem: Vor dem Auftritt in ihrer Heimatstadt ist Elim ganz schön aufgeregt. „Meine Eltern haben mich schon lang nicht mehr in einem Konzert gesehen - und dann erleben sie mich richtig in Aktion, das macht mich schon nervös.“

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