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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 1. Dezember 2020 Mit Martin Grubinger vom Mondsee in Österreich

Martin Grubinger begrüßt die Zuschauer aus dem kompletten Lockdown vom Mondsee in Österreich. Seine Gäste in der Sendung sind: die französische Mezzosopranistin Lea Desandre, die im Sommer bei den Salzburger Festspielen sang, und der französische Lautenspieler Thomas Dunford. Er ist Spezialist für Alte Musik, spielt aber auch Jazz, Pop und die Beatles. Außerdem erinnern wir an den wunderbaren Dirigenten Mariss Jansons, der am 1. Dezember vor einem Jahr verstarb.

KlickKlack-Moderator Martin Grubinger am Mondsee in Österreich. | Bildquelle: BR

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Die Sängerin Lea Desandre

Eine Karriere als Balletttänzerin oder eine Karriere als Sängerin? "Singen und Tanzen erfordern viel Disziplin, du kannst nicht beides gut machen", sagte ihre Lehrerin. Also musste Lea Desandre sich mit 13 Jahren zwischen diesen beiden Lebenswegen entscheiden. Und sie hat alles richtig gemacht. Sie studierte Gesang in Paris und Venedig, wurde anschließend mit einigen wichtigen Preisen ausgezeichnet, nach ihrem Gewinn des Jardin des Voix der Académie des Arts Florissants startete sie ihre internationale Karriere. Es folgten Auftritte im New Yorker Lincoln Center, der Sydney Opera, in der Philharmonie de Paris, im Théâtre des Champs-Élysées, im Theater an der Wien, in Luzern, Madrid, Hong Kong, Shanghai, Tokio.

Beim Singen fühle mich wie ein Tier. Das spüre ich auf der Bühne, ich bin dann wie ein Löwe.
Lea Desandre

Die französische Sängerin Lea Desandre im Interview. | Bildquelle: BR Lea Desandre | Bildquelle: BR

KlickKlack traf die junge Sängerin bei den Salzburger Festspielen im Sommer 2020, hier sang sie in der umjubelten Produktion von Mozarts "Le Nozze di Figaro" unter Joana Mallwitz die Rolle der Despina. "Mit ihrer kristallklaren Stimme hebt Lea Desandre die Despina weit über das übliche Soubretten-Geträllere hinaus", schrieb ein Kritiker damals über ihren fulminanten Auftritt. Die Rolle verlangt der Sängerin einiges ab: Neben verschiedenen Verkleidungen musste Lea Desandre ihre Stimme beträchtlich verstellen. "Es war das erste Mal, dass ich das gemacht habe," erzählt uns Lea Desandre. Und anfangs hatte sie schon etwas Angst – schließlich hat man als Sängerin eine ganz tiefe, persönliche Beziehung zu der eigenen Stimme und sie soll ja auch schön klingen. "Hier aber machte ich meine Stimme mit Absicht hässlich, das ist anfangs ganz schön irritierend. Aber dann macht es einfach nur noch Spaß."

Der Lautenist Thomas Dunford

Der französische Lautenspieler Thomas Dunford. | Bildquelle: BR Thomas Dunford | Bildquelle: BR

"Black Bird" von den Beatles und ein Lied von John Dowland aus der Renaissance – für Thomas Dunford liegen diese zwei Welten gar nicht so weit auseinander. Der französische Lautenist improvisiert gerne auf seinem Instrument und bewegt sich dabei musikalisch in möglichst viele Richtungen. Geboren wurde er 1988 in Paris, die Laute begleitet Thomas seitdem er sechs Jahre alt ist. Nach dem Studium in seiner Heimatstadt schaffte es Thomas Dunford schnell auf die ganz großen Bühnen wie die New Yorker Carnegie Hall, die Wigmore Hall in London, oder die Palau de la Musica in Barcelona.

Barockmusik hat viel mit Jazz gemeinsam. Denn auch in der Barockmusik wird viel improvisiert.
Thomas Dunford

"Leute mögen gerne Schubladen: Das ist Barockmusik, das ist Renaissancemusik und das ist Pop", sagt Thomas Dunford. "Aber es geht doch alles auf dieselbe Tradition zurück, nämlich auf Musiker, die sich Lieder ausgedacht haben." Der Franzose fühlt sich mit seinem Instrument in jedem Genre zu Hause: ob Bach, Bruckner, Beethoven oder die Beatles. Das wichtigste für ihn in der Musik: Einfach alles passieren lassen. Und dann öffnet sich aus den Lautensaiten eine faszinierende Welt voller Farben, Emotionen und spannenden Geschichten.

In Memoriam Mariss Jansons

Der ehemalige Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons, der im Dezember 2019 verstorben ist. | Bildquelle: BR Mariss Jansons | Bildquelle: BR

Mit dem Tod von Mariss Jansons hat die Musikwelt vor einem Jahr eine ihrer größten Künstlerpersönlichkeiten verloren. Jansons, 1943 in Riga als Sohn des Dirigenten Arvῑds Jansons geboren, studierte am Leningrader Konservatorium und bei Herbert von Karajan in Salzburg. 1971 wurde er Preisträger beim Karajan-Wettbewerb und begann seine enge Zusammenarbeit mit den heutigen Sankt Petersburger Philharmonikern. Als Gastdirigent arbeitete er mit den führenden Orchestern in Europa und den USA zusammen. Seine Diskographie umfasst viele preisgekrönte Aufnahmen, zu seinen Lebzeiten wurden ihm zahlreiche Auszeichnungen verliehen, darunter die Hans-von-Bülow-Medaille der Berliner Philharmoniker, der Bayerische Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft, der renommierte Ernst von Siemens Musikpreis oder das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern.

Wenn du aufstehst und mit Freude zu deiner Arbeit gehst, und nach der Arbeit mit Freude wieder nach Hause gehst – das ist Glück!
Mariss Jansons

Die letzten siebzehn Jahre seines Lebens – von 2003 bis 2019 – war Mariss Jansons Chefdirigent von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Die Orchestermitglieder und der Chefdirigent schätzten gegenseitig ihre enge künstlerische und menschliche Verbindung, die zu zahlreichen unvergesslichen Konzerten führte. Jansons unerbittlicher Anspruch an sich selbst und auch an seine Musiker, sein respektvoller Umgang mit seinen Kolleginnen und Kollegen und seine große Hingabe an die Musik standen immer im Vordergrund seiner Arbeit.

Sendung: "KlickKlack" am 1. Dezember 2020 um 23:45 Uhr im BR Fernsehen

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