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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 3. März 2020 Mit Martin Grubinger in Nürnberg

In Nürnberg spielt Martin Grubinger zusammen mit seinem Percussive Planet Ensemble ein ganz neues Programm. Außerdem in dieser KlickKlack-Ausgabe: der isländische Pianist Víkingur Ólafsson, der chinesische Komponist Tan Dun, die norwegische Geigerin Eldbjørg Hemsing und der Schweizer Tenor Mauro Peter.

Martin Grubinger in der Meistersingerhalle in Nürnberg während der Moderationsaufzeichnung. | Bildquelle: BR

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In der Meistersingerhalle in Nürnberg präsentieren Martin Grubinger und sein Percussive Planet Ensemble einen Querschnitt aus allem, was die Musiker an ihrem  vielfältigen Instrumentarium so lieben. In der "Percussion Suite" geben sich jazzige Drumgrooves und Avner Dormans Schlagzeug-Klassiker "Frozen in Time" die Hand, auf feurige lateinamerikanische Rhythmen von Michel Camilo folgt Schostakowitschs Streichersinfonie in einer wilden Version für Schlagensemble, Dubstep-Bässe und japanisches Taiko-Drumming krönen exzessiv den Abend. Spektakuläre Arrangements, ungeahnte Klänge, zarte und harte, laute und leise – dieses Programm, das von Per Rundberg und Martin Grubinger Senior komponiert und arrangiert wurde, lässt ein ganzes Jahrhundert Schlagzeugkunst lebendig werden. Und das Nürnberger Publikum feiert es – bis zur Ekstase.

Víkingur Ólafsson spielt Bach

Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson. | Bildquelle: BR Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson | Bildquelle: BR

"An Bach kommt niemand vorbei. Er ist ein unübertrefflicher Lehrer für jeden Musiker – ob Komponist oder Interpret", sagt der isländische Pianist Víkingur Ólafsson über den Altmeister Johann Sebastian Bach. Eine eigene, "richtige" Interpretation von Bach zu finden ist für jeden Pianisten eine Herausforderung: Die einen jonglieren mit den Tempi, nutzen Pedal und Klangeigenschaften des modernen Flügels, die anderen versuchen den historischen Klang zu reproduzieren. "Wenn jemand meint, die Lösung mit Bach gefunden zu haben, dann liegt er ziemlich sicher falsch", sagt Ólafsson. Für ihn liegt die Lösung immer irgendwo dazwischen. Es ist ein ewiges Suchen und Lernen, Finden, Reflektieren, erneutes Suchen.

Bach ist einer der größten Poeten schlechthin.
Víkingur Ólafsson

Ólafssons Bach spricht geradezu - gestochen artikuliert und dennoch voller Sinnlichkeit und Ausdruck. Man hat das Gefühl, Ólafsson legt einem die Seele Bachs so pur wie kein anderer zu Füßen.  "Wenn ich Bach spiele, spüre ich eine unglaubliche Menschlichkeit und ich fühle mich klein und gleichzeitig auch groß." Víkingur Ólafsson, 35, wurde in Reykjavík geboren und in New York ausgebildet. In seinem Heimatland Island gilt er als Motor der jungen klassischen Musikszene, die er mit leidenschaftlicher Musikalität und intellektueller Neugier voranbringt. Dafür wurde er mit sämtlichen bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Zwei Klassiksendungen für Islands Fernsehen hat er erfunden und das Midsummer-Night-Festival in Reykjavík gegründet. Schon viermal trug er den Titel "Musiker des Jahres". Und auch auf dem internationalem Parkett ist Víkingur Ólafsson längst kein unbekannter mehr – nicht zuletzt dank seiner famosen Bach-Interpretationen.

Tan Dun und Eldbjørg Hemsing

Die norwegische Violinistin Eldbjørg Hemsing. | Bildquelle: BR Eldbjørg Hemsing spielt Tan Duns "Fire Ritual" - mitten im Publikum. | Bildquelle: BR

Ein Bläserensemble ist im Publikum platziert, während sich der Rest des Orchesters auf der Bühne befindet. Auch die Solistin holt erst zaghaft ihre Geige heraus, spielt die ersten zarten Töne zwischen den Zuhörern – und bewegt sich dann langsam, spielend, auf die Bühne. Der chinesische Komponist und UNESCO-Sonderbotschafter Tan Dun hat dieses Konzert mit dem Titel "Fire Ritual – For Victims of War" für die Geigerin Eldbjørg Hemsing geschrieben. Das Werk ist von zeremonieller chinesischer Hofmusik inspiriert, bei der einige Musiker auf der Bühne und andere vom Publikum umringt spielen. "Wie Schamanen, die versuchen die Menschen durch einen besonderen Klang zu erreichen", sagt Tan Dun. "Fire Ritual" ist ein Memorial für die Opfer von Kriegen.

Ich möchte mit dieser Musik an die vielen unschuldigen Opfer so vieler Kriege erinnern.
Der Komponist Tan Dun

Tan Dun und die norwegische Geigerin Eldbjørg Hemsing lernten sich 2010 während der Shanghai World Expo kennen, hier führte Hemsing Tan Duns "Love Concerto" auf. "Wir beide haben eine Art volksmusikalischen Background", sagt Eldbjørg Hemsing. Diese starke Beziehung zu den Wurzeln der musikalischen Tradition ihrer Herkunftsländer ist etwas, das die beiden seitdem verbindet. "Fire Ritual" ist ein weiteres Ergebnis dieser fruchtbaren Zusammenarbeit.

Hier geht es darum, Gefühle zu entwickeln und versuchen, sie zu vermitteln - wie der Klang aus der Tiefe der Seele kommt.
Eldbjørg Hemsing

Der Tenor Mauro Peter

Der Schweizer Tenor Mauro Peter als Tamino in der Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 2018. | Bildquelle: BR Der Schweizer Tenor Mauro Peter als Tamino in der "Zauberflöte" bei den Salzburger Festspielen 2018 | Bildquelle: BR

Schon im Alter von 12 Jahren war Mauro Peter von klassischer Musik fasziniert. Seine musikalische Familie hat für diese Leidenschaft den ersten Grundstein gelegt: der Vater spielte Gitarre, beide Eltern sangen im Chor und haben ihre Liebe zur Musik an den Sohn weitergegeben. Schon früh wurde Mauro Mitglied bei den Luzerner Sängerknaben, seine Begeisterung für die Musik wuchs. Er studierte Gesang in München, 2012 trat er zum ersten Mal bei der Schubertiade Schwarzenberg auf -  als Einspringer für die kurzfristig erkrankte Anja Harteros. Das Debüt wurde zur Sensation und machte Mauro Peter in der Klassikszene bekannt. Im Jahr darauf wurde Mauro Peter Mitglied des Ensembles am Opernhaus Zürich, wo er sich seither vor allem auf Rollen im Mozart-Fach konzentriert.

Bei Mozart gibt es ziemlich viel zu lernen.
Mauro Peter

Die Karriere von Mauro Peter bei den Salzburger Festspielen begann mit der Teilnahme beim Young Singers Project. Vom Nachwuchssänger zum Dauergast: Mauro Peter ist inzwischen regelmäßig im Sommer an der Salzach dabei. Auch dieses Jahr – in einer seiner Lieblingsrollen als Tamino in Mozarts "Die Zauberflöte". "Es läuft schon ganz gut, wenn man in Salzburg Tamino singen darf", sagt Mauro Peter. KlickKlack hat den jungen Tenor bei dem Festival begleitet.

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