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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 1. Dezember 2021 Mit Martin Grubinger in Salzburg

Martin Grubinger begrüßt seine Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Mozarteum in Salzburg. Zu Gast in der Sendung sind: die 23-jährige französische Trompeterin Lucienne Renaudin Vary, die die Musikwelt zum Staunen bringt, der US-amerikanische „BariTenor“ Michael Spyres, der mit seiner Stimme höchste Töne erklimmt, und die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv, die es geschafft hat, als erste Frau in Bayreuth zu dirigieren.

Martin Grubinger bei der Aufzeichnung der KlickKlack-Moderation im Mozarteum in Salzburg. | Bildquelle: BR

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Mit Martin Grubinger in Salzburg

Die Trompeterin Lucienne Renaudin Vary

Wenn man sie spielen hört, klingt alles so mühelos, so frisch und angenehm beweglich. Lucienne Renaudin Varys Trompete schmettert nicht, sie singt – und das in vielen Farben. Und tatsächlich: Zur Musik kam Lucienne über das Singen. Schon mit vier Jahren hat sie die Oper "Carmen" für sich entdeckt und begeistert bei Aufnahmen mitgesungen. Ihre Begegnung mit der Trompete kam erst später, fühlte sich für Lucienne aber ganz natürlich an. "In das Instrument zu blasen war so selbstverständlich wie das Singen," erzählt die französische Musikerin.

Ich spiele sowohl Klassik als auch Jazz – und ich liebe beides.
Lucienne Renaudin Vary

Die französische Trompeterin Lucienne Renaudin Vary während des KlickKlack-Interviews. | Bildquelle: BR Die Trompeterin Lucienne Renaudin Vary | Bildquelle: BR Die Trompete als Stimme, eine Sängerin mit etwas Blech vor dem Mund – das scheint bis heute ihr Geheimrezept zu sein. Sie beherrscht spielerisch ganz breites Repertoire – von Barock bis Broadway-Hits. Bekannte Arien lässt sich Lucienne einfach für ihre Trompete und Orchester umarrangieren. Weich und elegant schmiegt sie sich in die Musik, und zeigt dabei,  dass eine gute Instrumentalistin beides meistern kann: Klassik und Jazz. Sie war übrigens die erste Studentin, die am Conservatoire National Supérieur de Paris beide Sparten gleichzeitig studiert hat. Heute, mit erst 23 Jahren, ist Lucienne Renaudin Vary eine Top-Solistin auf internationalem Parkett. Dieses Jahr wurde sie mit dem begehrten Preis "Opus Klassik" ausgezeichnet.

Der "BariTenor" Michael Spyres

Der Amerikaner Michael Spyres ist ein stimmliches Phänomen: Er meistert Tenorpartien genau so souverän wie Baritonrollen. In Missouri geboren, startete er seine Ausbildung in den USA und setzte sie am Wiener Konservatorium fort. "Ich habe als Bariton angefangen und zehn Jahre damit verbracht, mich in einen Tenor zu verwandeln," sagt der Sänger. Sein aktuelles Album hat er "BariTenor" genannt – ein Begriff, der seine vielseitige Stimme, die brillante hohe Töne mit einem robusten unteren Register ausbalanciert, am besten beschreibt.

Ich brauchte Jahre, um meine wirkliche Stimme zu finden.
Michael Spyres

Der US-amerikanische Tenor Michael Spyres beim KlickKlack-Interview in Salzburg 2021. | Bildquelle: BR Der "BariTenor" Michael Spyres | Bildquelle: BR Baritenor – dieses in Vergessenheit geratene Phänomen zu erforschen und ihm wieder Leben einzuhauchen, macht Michael Spyres sichtlich Freude. "Stimmen wie meine gibt es schon so lange, wie es Opern gibt", erzählt er uns. "Ich habe darüber viel recherchiert. Allein 40 Sänger habe ich gefunden, die als Bariton begannen und ins Tenorfach wechselten und umgekehrt." Mit seiner speziellen Stimme hat Michael Spyres heute großen  Erfolg: Er singt an der Metropolitan Opera, am Theater an der Wien, an der Bayerischen Staatsoper, Nationaloper in Paris und, und, und… KlickKlack traf den Sänger, als er die Rolle des Don Ottavio in Mozarts "Don Giovanni" bei den Salzburger Festspielen bravourös verkörperte.

Die Dirigentin Oksana Lyniv

Oksana Lyniv und der Dirigentenstock – es war keine Liebe auf den ersten Blick. Viel zu sehr interessierte sie sich auf dem Musik-College für alle möglichen anderen Fächer: Klavier, Instrumentieren, ukrainische Folklore-Instrumente. Auch Dirigieren war dabei, doch für Oksana eben nur ein Nebenfach. Dann, als der Orchesterleiter des Lemberger Musik-College sich irgendwann den Arm gebrochen hatte, mussten die Studenten die Orchesterproben selbst in die Hand nehmen. Schnell stellte sich heraus: Oksana Lyniv hat großes Talent fürs Dirigieren. Mühelos behauptete sie sich gegen ihre Kommilitonen und gab wie ganz selbstverständlich den Ton an.

Nach dem College bewarb sich Oksana Lyniv für Symphonisches Dirigieren an der Musikhochschule ihrer Heimatstadt. Und dann ging alles ziemlich rasant: Schon während des Studiums machte der Chefdirigent der Lemberger Oper Oksana zu seiner Assistentin, beim Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker holte sie den 3. Preis, 2013 wurde sie Assistentin von Kirill Petrenko an der Bayerischen Staatsoper, dann kam ihr erster Chefdirigentenposten – an der Oper Graz.

Als ob das Dirigieren die letzte Männer-Bastion wäre.
Oksana Lyniv

Die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv während des KlickKlack-Interviews. | Bildquelle: BR Die Dirigentin Oksana Lyniv | Bildquelle: BR Heute hat die Ukrainerin bereits eine steile Karriere vorzuweisen – in einer klar von Männern dominierten Welt. Frauen als Dirigentinnen sind besonders in Mitteleuropa weiterhin eine Rarität. Um an gute Positionen zu kommen, muss man erst einmal durch die Stereotypen-Wand durch, sagt Oksana. "Als ob das Dirigieren die letzte Männer-Bastion wäre, die Männer im 21. Jahrhundert noch immer versuchen zu verteidigen. Aber auch die ist jetzt langsam erobert." Und auch die "Bayreuth-Bastion" gelang es ihr zu bezwingen: Dieses Jahr im August stand Oksana Lyniv als erste Frau in der 145-jährigen Geschichte der Bayreuther Festspiele am Dirigentenpult auf dem grünen Hügel.

Martin Grubinger und Percussive Planet in Linz

Zum Schluss der Sendung schwelgen wir noch etwas in Erinnerungen und zeigen einen Ausschnitt aus dem Open Air-Konzert aus dem Jahr 2019 – also noch vor der Corona-Pandemie – als Martin Grubinger zusammen mit seinem Ensemble Percussive Planet den Linzer Domplatz ordentlich zum Beben brachten.

Sendung: "KlickKlack" am 1. Dezember 2021 um 00:00 Uhr im BR Fernsehen

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