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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 23. Juni 2020 Mit Martin Grubinger in Salzburg

Nach der langen Corona-Pause begrüßt Martin Grubinger die Zuschauer aus Salzburg. Hier trifft er den Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser. Außerdem in der Sendung: der Akkordeonspieler Martynas Levickis und ein spannendes Musikprojekt mit Christiane Karg. Gustav Mahler begleitet die Sängerin höchstpersönlich am Klavier - das wird möglich durch älteste Technik.

Martin Grubinger beim Moderationsdreh in Salzburg. | Bildquelle: BR

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"Diese erste Probe war für mich die schönste seit zwanzig Jahren!" Auf seine zwei Konzerte bei den Salzburger Festspielen Ende August freut sich Martin Grubinger ganz besonders. Zusammen mit dem Percussive Planet Ensemble bringen die Schlagzeugvirtuosen dann Werke von Wolfgang Rihm, Iannis Xenakis und Steve Reich auf die Bühne. Und auch wenn das Ensemble dieses Programm schon einige Male gespielt hat, bricht bereits bei den Proben ein Feuerwerk aus Enthusiasmus, Leidenschaft und Begeisterung aus. Denn für die Musiker ist es der langersehnte Neustart nach der langen Corona-Durststrecke.

Niemand von uns hat geglaubt, dass irgendwas stattfinden würde diesen Sommer.
Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele

Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele, im Gespräch mit Martin Grubinger. | Bildquelle: BR Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele, im Gespräch mit Martin Grubinger | Bildquelle: BR

Und doch wird in Salzburg dieses Jahr einiges ganz anders laufen als gewohnt. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr finden die Festspiele aufgrund der Corona-Krise reduziert, mit weniger Spieltagen, Aufführungen und Zuschauern statt. Maximal 1.000 Personen sind in geschlossenen Räumen erlaubt, bei Open Airs sind es 1.250. Für das Publikum besteht bis zur Einnahme der Plätze Maskenpflicht, zusätzliches Personal koordiniert den Einlass zu den Spielorten in Gruppen. Trotz der strengen Auflagen und Hygienemaßnahmen ist es Intendant Markus Hinterhäuser gelungen, in kurzer Zeit ein beachtliches Festspielprogramm auf die Beine zu stellen. In jedem gewohnten Genre werden Aufführungen gezeigt: Solistenkonzerte, Kammermusik, Orchesterkonzerte, aber auch Schauspiel und sogar Oper. "Elektra" von Richard Strauss steht auf dem Programm, da die Anzahl des künstlerischen Personals überschaubar ist und das Werk keine Pause hat. Außerdem wird Mozarts "Così fan tutte" in der Regie von Christof Loy gezeigt. Über das bevorstehende Festival, die Sorgen und die riesige Vorfreude hat sich Martin Grubinger vor dem Salzburger Festspielhaus in einer Probenpause mit Markus Hinterhäuser unterhalten.

Die Freude bei allen Beteiligten, dass endlich wieder etwas stattfinden kann, ist übergroß.
Markus Hinterhäuser

Der Akkordeonist Martynas Levickis

Martynas Levickis spielt im Konzertsaal von Schloss Elmau. | Bildquelle: BR Akkordeon-Virtuose Martynas Levickis | Bildquelle: BR

"Das Akkordeon habe ich mitten im Wald kennengelernt. Ich liebte es, durch die Wälder zu rennen und mit meinem Instrument den Wind, das Laub und die Vögel nachzuahmen", erzählt Martynas Levickis. Der litauische Virtuose hat sich das Akkordeonspiel schon früh durchs Ausprobieren selbst beigebracht. Mit acht Jahren bekam er seinen ersten Unterricht - bald folgte ein Wettbewerb nach dem anderen und 2010 dann der Sieg bei der Akkordeon-Weltmeisterschaft und bei der populären TV-Talentshow "Lithuania's Got Talent". "Ich habe damals jede Chance genutzt", sagt Martynas. Das habe sehr geholfen, bekannt zu werden, auch ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man mit einem großen Publikum umgeht.

Das Akkordeon wurde zu einem Teil von mir.
Martynas Levickis

Wenn Martynas Levickis heute Konzerte spielt, hat der 30-Jährige das Publikum total im Griff. Wo immer er auftritt, feiern die Zuhörer seine leidenschaftliche Art zu Musizieren - auf einem Instrument, das eigentlich nicht im klassischen Konzertsaal zu Hause ist. Die Arrangements für sein Instrument macht Martynas größtenteils selbst. In Litauen leitet er ein Akkordeon-Festival, das Komponisten und Musiker dazu anregen soll, sich mit seinem Instrument zu befassen und dessen Repertoire zu erweitern. Und auch das Publikum kann so das in der Klassikwelt so selten gesehene Akkordeon besser kennen und lieben lernen.

Christiane Karg wird von Gustav Mahler am Klavier begleitet

Sopranistin Christiane Karg. | Bildquelle: BR Sopranistin Christiane Karg | Bildquelle: BR

Anfang des 20. Jahrhunderts steckte die Speicherung und Wiedergabe von Musik noch in den Kinderschuhen. Und dann gelang es der Freiburger Firma Welte & Söhne eine sensationelle Erfindung: Sie hatte ein Verfahren entwickelt, das persönliches Spiel von Pianisten auf Papierrollen aufnehmen und wiedergeben konnte. Die Wiedergabemaschine bekam den Namen "Welte-Mignon" und wurde in Klaviere und Flügel eingebaut. In der Version eines sogenannten Vorsetzers ließ diese Technik sich an ein beliebiges Instrument schieben, das sie mit filzbesetzten Holzfingern und zwei Metallfüßen bespielte. Nach den ersten öffentlichen Vorführungen 1905 wurde das Welte-Mignon von der Presse als neues Weltwunder gefeiert. Viele der namhaften Musiker dieser Zeit ließen sich mithilfe dieser neuen Technik in Papierform verewigen – unter ihnen war auch Gustav Mahler.

Es ist ein ganz komisches Gefühl: unglaublich ehrfürchtig, geheimnisvoll und spannend.
Christiane Karg über die Mignon-Aufnahmen von Gustav Mahler

Diese Mignon-Technik faszinierte die Sopranistin Christiane Karg – und brachte sie auf eine Idee für ein außergewöhnliches Projekt. Mit einem Nachbau des Welte-Klaviers und Papierrollen aus dem Jahr 1905 begibt sie sich ins Studio des Bayerischen Rundfunks und nimmt Mahler-Lieder auf – mit Klavierbegleitung, eingespielt von Gustav Mahler höchstpersönlich. KlickKlack hat der Sopranistin bei dieser ganz besonderen Aufnahmesession über die Schulter geschaut.

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