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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 10. Februar 2021 Mit Martin Grubinger in Salzburg

In dieser KlickKlack-Ausgabe zeigen wir eine Reportage über die Hornistin Sarah Willis, darin erfahren wir über die aktuelle Situation in Havanna. Außerdem bringt uns die norwegische Geigerin Ragnhild Hemsing die Musik ihrer Heimat nahe.

Martin Grubinger bei der KlickKlack-Moderation im Mozarteum in Salzburg. | Bildquelle: BR

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Sarah Willis berichtet für KlickKlack aus Kuba

Vor genau einem Jahr war die Hornistin der Berliner Philharmoniker, Sarah Willis, auf Kuba und hat dort zusammen mit dem Havana Lyceum Orchestra Mozart-Werke und traditionelle kubanische Musik eingespielt. Im Zentrum dieses außergewöhnlichen Projekts, das "Mozart Y Mambo" heißt, stand Mozarts Hornkonzert Nr. 3, dazu kamen kubanische Klassiker und zwei extra für "Mozart Y Mambo" kreierten, von Mozart inspirierten Mambo-Stücke. Eine CD und ein Film sind dabei entstanden, weitere musikalische Zusammenkünfte und sogar eine Europa-Tournee waren schon in Planung. Doch dann kam Corona – und machte den Musikern einen Strich durch die Rechnung. Die Tournee musste abgesagt werden, alles Weitere lag ebenfalls auf Eis. "Wir hören uns immer wieder die CD an, die wir mit Sarah gemacht haben. So schön ist sie geworden. Sie gehört zu den Dingen, die uns Kraft geben, weiterzumachen und diese lange Zeit zu ertragen, in der wir keine Musik machen dürfen", erzählt eine Orchestermusikerin heute.

Ich liebe dieses Orchester, sie sind wie meine Familie cubana.
Sarah Willis über Havana Lyceum Orchestra

Sarah Willis moderiert auf einem Dach in Havanna. | Bildquelle: BR Sarah Willis in Havanna | Bildquelle: BR

Jetzt, nach zwölf Monaten, ist es Sarah Willis endlich gelungen, nach Kuba zurückzukehren – selbstverständlich unter strengen Corona-Auflagen. Gerade probt sie zusammen mit dem Havana Lyceum Orchestra für ein Mozart-Konzert. Ob es wirklich stattfinden darf, wissen die Musikerinnen und Musiker nicht. Sarah Willis zeigt uns ihre Eindrücke der aktuellen Situation auf Kuba. Das ganze Land leidet sehr unter der Pandemie, auf den Straßen von Havanna sieht man immer wieder lange Schlangen: Hier stehen die Leute stundenlang an, um etwas Lebensmittel zu bekommen. Die laute, bunte Straßenmusik, die ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehört, ist überall verstummt.

Havanna ist eine Stadt, die klingt und immer in Bewegung ist. Auch der ganze Krach gehört mit zur Straßenmusik und es ist erschreckend zu erleben, wie still die Stadt geworden ist.
José Antonio Mendéz Padrón, Leiter des Havana Lyceum Orchestra

Sarah Willis spielt mit Musikerfreunden auf einem Dach in Havanna. | Bildquelle: BR Sarah Willis spielt mit Musikerfreunden auf einem Dach in Havanna. | Bildquelle: BR

Da die finanzielle Situation auf Kuba deutlich schlechter ist als in Europa, hat Sarah Willis eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um den Leuten dort den Zugang zu Musik zu erleichtern. Es ist nicht einfach, in Kuba überhaupt an Musikinstrumente zu kommen, deswegen wird der ganze Erlös von "Instruments for Cuba" für Beschaffung neuer und Reparatur alter Instrumente verwendet. Spenden in beliebiger Höhe kann man auf dieses Konto überweisen:
Horn Hangouts e.V.
IBAN: DE05100900002633121012
Verwendungszweck: Instruments for Cuba

Für uns Kubaner ist Musik ein Lebensstil. Sie ist, was wir atmen.
Yuniet Lombida Prieto, Saxophonist im Projekt Mozart Y Mambo

Martin Grubinger und Sarah Willis beim ESC 2015 in Wien

Martin Grubinger und Sarah Willis beim ESC in Wien. | Bildquelle: BR Martin Grubinger traf Sarah Willis beim ESC in Wien. | Bildquelle: BR

Und dann schwelgen wir noch in Erinnerungen und zeigen Aufnahmen vom Eurovision Song Contest aus dem Jahr 2015, als die große musikalische Sause in Martin Grubingers Heimat Österreich stattfand. Beim ESC durfte Martin damals den Interval Act gestalten, dafür hatte er ein einzigartiges Stück komponiert, das Big Band, klassische Musik, Chorgesang und Schlagwerk vereinte. Bei diesem Großevent traf Martin auch zum ersten Mal auf die Hornistin der Berliner Philharmoniker Sarah Willis. Die beiden haben sich auf Anhieb sehr gut verstanden. Hier ist auch unser erstes KlickKlack-Interview mit Sarah entstanden.

Die norwegische Geigerin Ragnhild Hemsing

"Wurzeln" – so heißt das neue Album der Geigerin Ragnhild Hemsing "Røta" übersetzt. Und darauf ist alles zu hören, was der Norwegerin am Herzen liegt: Volksmelodien, die Komponisten ihrer Heimat und die Hardangerfiedel. Doch was ist es eigentlich, diese Hardangerfiedel?  Das Instrument wurde nach der Region Hardanger bei Bergen, in Westnorwegen, benannt. Von hier stammt auch das älteste erhaltene Instrument dieser Art, das im Jahr 1651 gebaut wurde. Die norwegische Variante der Violine ist etwas flacher als das Original und am Griffbrett reich verziert. Außerdem besitzt sie nicht nur vier Saiten, sondern zusätzlich noch vier bis fünf darunter liegende Resonanzsaiten, die während des Spielens mitschwingen. Sie sind es, die diesen unverwechselbaren, etwas rauen Klang der Hardangerfiedel erzeugen.

Ich würde gerne die Hardangerfiedel und die norwegische Volksmusik der ganzen Welt zeigen.
Ragnhild Hemsing

Die norwegische Geigerin Ragnhild Hemsing spielt auf der Hardanger Fiedel. | Bildquelle: BR Ragnhild Hemsing und ihre Hardangerfiedel | Bildquelle: BR

Für Ragnhild Hemsing war es ganz selbstverständlich, sowohl die Violine als auch die Hardangerfiedel von Kindesbeinen an zu erlernen. Ihre Mutter ist Volksmusikerin und hat ihrer Tochter zum Einschlafen Melodien auf der Hardangerfiedel vorgespielt. Und so dauerte es nicht lang, bis Ragnhild das Instrument selbst in der Hand hielt. Nach vielen Jahren Fiedel-Unterricht und einem Geigenstudium in Oslo und Wien findet sie nun ihre eigene Sprache, die die Tradition ihrer Heimat ins Heute übersetzt. Für ihr Album "Røta" hat sie sich den Pianisten Mario Häring und den Cellisten Benedict Kloeckner als Kammermusikpartner ausgesucht. Sie hat ihnen die Natur Norwegens gezeigt und die speziellen Rhythmen der Volksmusik nähergebracht, sodass sie sich während der Aufnahme besser in die Komponisten hineinfühlen konnten. So entführen uns die drei mit Musik von Edvard Grieg, Johan Halvorsen oder Ole Bull in dieses märchenhafte Norwegen.

Sendung: "KlickKlack" in der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 2021 um 00:05 Uhr im BR Fernsehen

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