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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 20. Juli 2021 Mit Martin Grubinger aus der Berliner Waldbühne

Martin Grubinger begrüßt die Zuschauerinnen und Zuschauer aus der Berliner Waldbühne. Hier spielte er mit den Berliner Philharmonikern die Welturaufführung der "John Williams Special Edition". Seine Gäste in der Sendung sind: der Dirigent Wayne Marshall, die Rockgitarristin Yasi Hofer und die Hornisten Stefan Dohr und Sarah Willis.

Sarah Willis, Hornistin der Berliner Philharmoniker im Gespräch mit KlickKlack-Moderator Martin Grubinger.
| Bildquelle: BR

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"Unser Waldbühnen-Konzert ist immer ein richtiges Highlight", sagt Sarah Willis, Hornistin bei den Berliner Philharmonikern – und strahlt. "Wir treffen hier unser Publikum, unsere Berliner." Und auf die mussten die Musikerinnen und Musiker coronabedingt lange verzichten. 2020 wurde das Waldbühnen-Konzert wie viele andere wegen der Pandemie abgesagt. Nun ging es als Pilot-Projekt und erste kulturelle Berliner Großveranstaltung mit gut 5.000 Zuschauern nach der Corona-Zwangspause über die Bühne. 

Das Waldbühnen-Konzert, das normalerweise vor etwa 20.000 Zuschauern stattfindet, bildet traditionell für das Orchester den Ausklang der Saison. Unter der Leitung von Wayne Marshall und mit Martin Grubinger als Solist standen heuer Werke von George Gershwin, Leonard Bernstein und John Williams auf dem Programm. Die Freude der Musiker und der Zuschauer, wieder Konzerte hautnah zu erleben, war in der Waldbühne richtig spürbar. Und auch besonderes Lampenfieber: "Vor meinen Soli bin ich immer noch aufgeregt", sagt Stefan Dohr, Solohornist der Berliner Philharmoniker. Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung. Doch gerade in der Corona-Zeit sei es wie ein richtiger Neustart – "und da muss man sich erst einmal darauf einstellen."

Der Dirigent Wayne Marshall

Von links: Multiperkussionist  und KlickKlack-Moderator Martin Grubinger mit Wayne Marshall, der die Berliner Philharmoniker bei dem Saisonabschlusskonzert in der Waldbühne dirigiert. | Bildquelle: BR Martin Grubinger und Wayne Marshall | Bildquelle: BR

Am Pult der Berliner Philharmoniker beim Waldbühnen-Konzert stand – voller glühende Energie – der Dirigent Wayne Marshall. Marshalls Eltern stammen von der Karibik-Insel Barbados. Wayne wurde in Oldham, in der Nähe von Manchester geboren. Musik umgab ihn seit seiner Geburt: Seine Mutter spielte Klavier und Wayne spielte daneben auf dem Boden mit seinen Autos. Mit acht Jahren hörte er dann ein Stück, das sein Leben für immer verändern sollte: Im Radio erklang das Klavierkonzert in F-Dur von George Gershwin. Wayne war fasziniert von dieser rhythmisch und harmonisch so reichen Musik. Sofort mussten Partitur und eine Aufnahme besorgt werden und der Junge sog die Klänge in sich auf. 

Rhythmus ist das wichtigste für mich.
Wayne Marshall

Gershwins Musik änderte noch ein weiteres Mal die Lebensplanung von Wayne Marshall: Im englischen Glyndebourne war er an einer Produktion der Oper "Porgy and Bess“ beteiligt. Bis zu diesem Zeitpunkt plante Marshall eigentlich eine Karriere als Konzert- oder Kirchenorganist. Doch Sir Simon Rattle, der die Oper dirigierte, ermutigte Wayne Marshall, den Weg eines Dirigenten einzuschlagen. "Er meinte, du musst unbedingt dirigieren – und so kam eins zum anderen", erzählt Wayne Marshall.

Als Dirigent leitete Marshall inzwischen zahlreiche Spitzenorchester: das Gewandhausorchester Leipzig, die Wiener Philharmoniker oder die Rotterdamer Philharmonie. Von 2014 bis 2020 war er Chefdirigent des WDR Funkhausorchesters. Die Tasteninstrumente begleiten Wayne Marshall aber auch als Dirigent noch. Er ist ein fabelhafter Pianist und Organist. Beim Konzert aus der Berliner Waldbühne übernahm er den Klaviersolopart in Gershwins "Rhapsodie in blue" – und dirigierte die Berliner Philharmoniker vom Flügel aus.

Martin Grubinger spielt John Williams

Martin Grubinger mit Mitgliedern des "Percussive Planet Ensembles" und der Berliner Philharmoniker.
| Bildquelle: BR Matin Grubinger spielt "John Williams Special Edition" in der Waldbühne. | Bildquelle: BR

Ein weiteres Programm-Highlight in der Waldbühne war die 30-minütige "John Williams Special Edition" mit Martin Grubinger als Solist – eine Welturaufführung. Zu dem weltberühmten Filmmusik-Komponisten hat Martin eine besondere Verbindung: Als die Aufnahme der Musik zu Steven Spielbergs "Catch Me if You Can" anstand, wollte John Williams "den besten Vibraphon-Spieler der Welt" dafür gewinnen – und rief Martin Grubinger an. Als Martins Telefon klingelte, war er gerade mit seiner Familie im Urlaub. Aber natürlich sagt man einem John Williams nicht ab, und so flog der Percussionist kurzentschlossen nach L.A..

Es ist toll, Martin Grubinger beim Spielen zuzuschauen. Er ist wie ein Magier.
John Williams

Auch Musik aus "Catch me if you can" hat in das John Williams-Spezial für die Waldbühne geschafft – außerdem noch andere Lieblingstitel von Martin aus dem John Williams-Portfolio: "Star Wars", "Superman", "Schindlers Liste" oder "Harry Potter". Arrangiert hat die Scores Martins Vater, Martin Grubinger Senior. Und so erklang in der Waldbühne ein Feuerwerk aus berühmten Filmmusik-Melodien – auch als Samba-, Tango-, Funk-, Rock- oder Jazz-Versionen. Und sogar John Williams himself lauschte diesem denkwürdigen Konzertabend – per Online-Schalte.

Musiker des Percussive Planet in der Waldbühne

Gitarristin Yasi Hofer. | Bildquelle: BR Die Rockgitarristin Yasi Hofer | Bildquelle: BR

Für das spektakuläre und bombastische Arrangement der John Williams-Werke hat sich Martin Grubinger Unterstützung aus seinem Ensemble Percussive Planet in die Waldbühne geholt. So übernimmt der Saxophonist Alexander von Hagke zum Beispiel das wunderschöne und einfühlsame Solo aus "Schindlers Liste" auf dem Sopransaxophon. Der Percussionist mit marokkanischen Wurzeln Rhani Krija, der schon mit Musikern wie Sting oder Chick Corea zusammengearbeitet hat, sorgt für groovige Übergänge. Und: zum ersten Mal dabei ist die junge Gitarristin aus Ulm Yasi Hofer. Martin Grubinger entdeckte sie auf Youtube und war sofort von ihrem virtuosen und gefühlvollen Gitarrenspiel begeistert. Die 29-Jährige hat bereits drei Alben aufgenommen, ihre Musik lässt sich am ehesten als Fusion Rock bezeichnen. Dabei immer im Zentrum: ihre Jugenliebe, die E-Gitarre.

Das ist so ein farbenreicher Sound! Dicht, dickflüssig und elastisch.
Rhani Krija  über den Klang der Berliner Philharmoniker

Sendung: "KlickKlack" am 20. Juli 2021 um 23:55 Uhr im BR Fernsehen

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