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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 3. November 2021 Mit Martin Grubinger in Wien

Martin Grubinger begrüßt seine Zuschauerinnen und Zuschauer aus dem Wiener Konzerthaus. Seine Gäste in der Sendung sind: der Pianist Riopy, der mit seiner repetitiven Musik die Charts der Musikplattformen stürmt, die Solofagottistin Sophie Dervaux, die das Fagott unvergleichlich zum Singen bringt, und der Pianist Lucas Debargue, der mit einem Album mit Werken von Milosz Magin überrascht.

Richard Putz (links) und Martin Grubinger. | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

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Der Pianist Riopy

Das Klavierspielen brachte er sich als Kind selbst bei: Taste für Taste, Ton für Ton ergründete der Junge das Instrument und setzte die Klänge nach und nach zusammen – "wie Lego-Steine" erzählt Riopy heute. Sein Stil könnte man mit Ludovico Einaudi, Max Richter oder Yann Tiersen vergleichen – und doch hat er eine ganz eigene, stetig um sich selbst kreisende, perlende und dabei immer weiter strebende Soundästhetik kreiert, die ganz unverwechselbar nach Riopy, diesem Tastenträumer aus Frankreich klingt.

Musik ist meine Muttersprache.
Pianist und Komponist Riopy

Der französiche Pianist Riopy während des KlickKlack-Interviews. | Bildquelle: BR Riopy | Bildquelle: BR

In Paris und London, seiner Heimat und Wahlheimat, spielte Riopy erst in kleinen Clubs. Schon bald performte er im Royal Opera House und der Steinway Hall in London und setzte erste große Grundsteine seiner Karriere. Inzwischen ist der Tastenkünstler nicht nur auf der Bühne zu bewundern – seine Musik ist auch in Filmproduktionen, Dokumentationen und Werbeclips zu hören. Auf Youtube erreicht er Hunderttausende, die seine Musik berührt. Sein Erfolgsrezept: er spiele einfach „Music From The Heart“, sagt Riopy. Er übersetzt meisterhaft das Leben um sich herum in Töne und Akkorde: emotional, melodisch. Musik, die eben direkt ins Herz trifft und einen nicht mehr loslässt.

Die Fagottistin Sophie Dervaux

Das Fagott lernte Sophie Dervaux nur durch einen Zufall kennen. Als Kind spielte sie eigentlich Gitarre und Klarinette. Als ihr kleiner Bruder bei einem Workshop verschiedene Instrumente ausprobieren sollte, brauchte er eine Begleitung und die große Schwester musste ran. "Ich war ziemlich sauer, ich wollte da eigentlich nicht hingehen", erinnert sie sich. Doch als die damals Zwölfjährige bei diesem Kurs ein Fagott in den Händen hält und einen ersten Ton spielt, denkt sie sofort: Wow! Seit diesem Moment weiß sie: Das Fagott wird ihr Leben bestimmen.

Ich möchte viel dafür tun, dass dieses Instrument mehr an die Öffentlichkeit kommt.
Sophie Dervaux

Sophie Dervaux, Solofagottistin der Wiener Philharmoniker. | Bildquelle: BR Sophie Dervaux | Bildquelle: BR

Sophie Dervaux studiert ihr Instrument am Conservatoire National Supérieur de Musique in Lyon und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Danach wird sie an der Berliner Karajan-Akademie angenommen, gewinnt Preise, zum Beispiel beim ARD-Musikwettbewerb und wird Solo-Kontrafagottistin der Berliner Philharmoniker. Heute bespielt Sophie als Solofagottistin der Wiener Philharmoniker und des Wiener Staatsopernorchesters die großen Bühnen dieser Welt. Doch nicht nur das: sie steht auch als Solistin mit diesem etwas exotischen Instrument auf der Bühne. "Das Fagott geht direkt ins Herz", sagt Sophie Dervaux – und setzt sich dafür ein, dass ihr klangvolles Holzblasinstrument noch bekannter wird. Sie kämpft leidenschaftlich für die Erweiterung des Repertoires für Fagott, kramt in Vergessenheit geratene Werke wieder hervor und gibt ganz neue Werke in Auftrag. 

Der Pianist Lucas Debargue

2015 gab es heftige Auseinandersetzungen beim weltberühmten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Als Außenseiter war dort der 24-jährige Franzose Lucas Debargue angetreten - und spaltete Jury und Publikum. Eine Sensation sei dieser junge Mann, sagten die einen, völlig unreif, die anderen. Dass es für Debargue dann nur für einen 4. Platz reichte, ärgerte keinen Geringeren als Valery Gergiev. Als Jury-Vorsitzender setzte der sich über die Regeln hinweg und lud Lucas ein, bei der Gewinner-Gala mitspielen.

Das Leben hat seine eigene Kraft, die man nicht planen und vorhersehen kann.
 Lucas Debargue

Lucas Debargue | Bildquelle: © Felix Broede/Sony Classical Lucas Debargue | Bildquelle: © Felix Broede/Sony Classical

Heute gehört Lucas Debargue zur Elite der jungen Pianisten weltweit. Obwohl seine Karriere nicht gerade standardmäßig verlief. Ziemlich spät, erst mit 11 Jahren, begann Lucas mit dem Klavierspiel. Mit 17 ließ er dann die Klassik pausieren, spielte nur noch Jazz und Rock, jobbte im Supermarkt, studierte Literatur und Kunst. Mit Anfang 20 fand er wieder zurück. Und wurde schnell immer besser und besser. Rückblickend sagt Lucas Debargue: "Klavierwettbewerbe zu gewinnen, heißt nicht, dass man wirklich irgendetwas gewinnt – vor allem nicht die Herzen der Menschen." Und die fliegen dem jungen, schmalen Franzosen mit einer großen Brille mittlerweile haufenweise zu. Denn er verfügt über viel mehr als brillante Technik. Für ihn ist Musik eine unmittelbare Sprache der Gefühle, mit der er ganz eigene Dinge zu erzählen hat.

Gerade hat Lucas Debargue ein neues Album veröffentlicht - mit Werken des noch viel zu wenig bekannten Komponisten Milos Magin. Nach einem Autounfall in den 1960er-Jahren musste Magin als einer der größten Pianisten Polens seine Karriere beenden - und machte sich einen Namen als Komponist. Für Lucas gehörten Magins Stücke für Kinder zu den frühesten Werken, die er bei seiner ersten Klavierlehrerin lernte. Als Titel des Albums hat Debargues das polnische Wort "u017Bal" gewählt, das für ein komplexes Gefühl irgendwo zwischen Trauer, Wehmut und Leid steht - und nahezu unübersetzbar ist. Dieses Wort, das ganze Bedeutungswelten umfasst, bringt für Lucas Debargue die Tiefe und Emotionalität von Magins Musik auf den Punkt.

Martin Grubinger im Wiener Konzerthaus

Zum Schluss der Sendung schauen wir Martin Grubinger und seinem Ensemble Percussive Planet bei den Proben zum Konzert im Wiener Konzerthaus über die Schulter. Auf dem Programm stehen große Schlagzeug-Werke von Kalevi Aho, Peter Eötvös, Iannis Xenakis oder Maki Ishii – aber in einer ganz besonderen Version, nämlich für eine kleine Besetzung. Und ein ganz neues Stück lernen wir auch kennen: "The number of fate" von Martin Grubinger Senior, das erst zum zweiten Mal überhaupt zur Aufführung kommt. Es dreht sich um die persönliche Glückszahl des Komponisten: die Sieben.

Es ist wahnsinnig emotionale Musik. Ich wurde von dieser Rhythmik richtig erfasst.
Martin Grubinger Senior über das Stück 'The number of fate'

Sendung: "KlickKlack" am 3. November 2021 um 00:05 Uhr im BR Fernsehen

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