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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 5. April 2020 Mit Martin Grubinger - von Zuhause aus

Wegen Corona-Quarantäne begrüßt Martin Grubinger Sie von Zuhause aus. Via Handy ist er zugeschaltet und stellt den Tenor Michael Fabiano vor, der gerade bei der Premiere von "Carmen" im leeren Opernhaus an der Berliner Staatsoper sang. Außerdem ist die Pianistin Yuja Wang zu Gast, mit der Martin gemeinsam in Tel Aviv war. Diese Reise lassen wir noch einmal Revue passieren.

Martin Grubinger während der KlickKlack-Moderationsaufzeichnung in seinem Probenraum. | Bildquelle: BR

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Ganze Sendung zum Anschauen

Eigentlich hätte Martin diese Woche mit dem Israel Philharmonic Orchestra Konzerte in Tel Aviv spielen sollen. Wegen der Corona-Pandemie sind natürlich auch diese Veranstaltungen abgesagt und Martin moderiert KlickKlack von Zuhause aus, als Kamerafrau agiert dabei seine Frau. Als kleine Entschädigung für die ausgefallene Tournee schwelgen wir mit KlickKlack in Erinnerungen an Martins Tel Aviv-Konzerte mit der Pianistin Yuja Wang vor drei Jahren. Wir schlendern per Videoerinnerung noch einmal durch diese tolle Stadt am Mittelmeer, die mit ihrer lebendigen Kultur- und Subkulturszene Künstler, Musiker und Intellektuelle aus der ganzen Welt anzieht.

Yuja Wang und Martin Grubinger

Die chinesische Pianistin Yuja Wang. | Bildquelle: BR Yuja Wang | Bildquelle: BR

In ihrer Heimat China wird Yuja Wang als Superstar gefeiert. Studiert hat die Pianistin in den USA, ihr offizieller Wohnsitz ist New York. Den internationalen Durchbruch schaffte sie 2005 mit einem Auftritt als Solistin beim National Arts Center Orchestra unter der Leitung von Pinchas Zukerman. Im Jahr darauf gab sie ihr Debüt beim New York Philharmonic Orchestra. Seitdem ist sie bei zahlreichen weltweit bedeutenden Orchestern zu Gast.

Yuja Wang ist ein echter Vulkan auf der Bühne. Zusammen mit Martin Grubinger setzte Yuja vor drei Jahren auch die Bühne von Charles Bronfman Auditorium in Tel Aviv in Flammen. Und zwar mit Béla Bartóks Sonate für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester – ein effektvolles, rhythmisches Feuerwerk. Wenn es um Rhythmus geht, sind Schlagzeuger ja bekanntlich Präzisionsfetischisten - Yuja Wang teilt diese Leidenschaft. Schließlich ist ihr Vater auch Schlagzeuger. Das sah man – und hörte man: zwischen Klavier und Percussionsinstrumenten entstand ein flammender Dialog: dynamisch, wild, mitreißend.

Die Art, wie ich Klavier spiele, ist schon die Herangehensweise eines Schlagzeugers.
Yuja Wang

An der Buchmann-Mehta School of Music in Tel Aviv gab Martin Grubbinger eine Masterclass. Zwei Stunden lang arbeitete der Percussionist mit Studierenden an ihrer Technik und an ihrem Ausdruck. "No risk no fun", lautete dabei die Devise. Mit vollem Körpereinsatz wurden Melodiebögen herausgearbeitet, Klänge in den Raum geschickt oder auch im Pianissimo vorsichtig erkundet.

Der Tenor Michael Fabiano

Der amerikanische Tenor Michael Fabiano. | Bildquelle: BR Michael Fabiano | Bildquelle: BR

Sein Karrierestart verlief alles andere als glatt: Mit 25 Jahren hatte Michael Fabiano schon zig Vorsingen hinter sich – und noch immer keinen Job in der Tasche. Frustriert, enttäuscht, kurz davor aufzugeben machte sich der amerikanische Tenor zu einer weiteren Audition in Paris auf. An diesem Tag war er krank – die Chancen standen also alles andere als gut. Dann wurde er aufgerufen - er ging auf die Bühne und sang. "Meine Stimme war völlig daneben. Ich lachte nur noch über mich und war hysterisch," erzählt Michael Fabiano. "Es war mein absolut schlechtestes Vorsingen!" Doch ausgerechnet dieses "schlechte" Vorsingen bescherte ihm gleich zwei wichtige Engagements. "Was ist daraus gelernt habe", sagt Michael Fabiano heute, "ist, dass Scheitern nicht das Ende bedeutet. Nein, es bedeutet weitere notwendige Schritte zum Erfolg."

Gefühl, Gefühl, Gefühl! Wenn ich das verliere, wird die Aufnahme kalt - nur Noten und Rhythmus.
Michael Fabiano

Und der Erfolg kam. Als erster Sänger überhaupt gewann Michael Fabiano 2014 sowohl den Beverly Sills Artist Award als auch den Richard Tucker Award. Er wird international als einer der größten Tenöre gefeiert. 2009 debütierte er an der Metropolitan Opera in Giuseppe Verdis "Stiffelio" und an der English National Opera als Herzog in "Rigoletto", eine Partie, die er seitdem immer wieder gesungen hat. 2017 erregte er beim Festival d’Aix-en-Provence Aufsehen mit seiner Interpretation des Don José in Bizets "Carmen", in dieser Rolle zeigen wir ihn auch bei KlickKlack. Allerdings sang er an der Berliner Staatsoper diesmal nicht vor vollen Publikumsrängen, sondern stand wegen Corona-Krise im leeren Opernhaus auf der Bühne. Die Vorstellung wurde im Internet gestreamt. Viele Zuschauer saßen dabei zuhause vor den Bildschirmen und lauschten seiner Stimme, die immer durchs Herz direkt in die Seele geht.

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