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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 09. April 2019 Mit Martin Grubinger in Dresden

Martin Grubinger präsentiert in dieser KlickKlack-Folge ein ganz neues Schlagzeugkonzert von Fazil Say, das der türkische Komponist extra für Martin geschrieben hat. Außerdem in der Sendung: die Komiker Igudesman & Joo, die Pianistin Yuja Wang und der Kontrabassist Ödön Racz.

Martin Grubinger mit der Dresdener Frauenkirche. | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

Die komplette Sendung zum Anschauen

Martin Grubinger spielt Fazil Say

Eine Uraufführung: Das ist immer etwas ganz besonderes für den Solisten, das Orchester und den Dirigenten. Denn es gibt keine Erfahrungswerte, die Musiker betreten ganz neue Pfade, fühlen sich wie Pioniere. Im Kulturpalast Dresden führte Martin Grubinger zusammen mit der Dresdner Philharmonie unter Andris Poga das Schlagzeugkonzert von Fazil Say zum allerersten Mal auf. Ein Werk, komponiert für exotische Instrumente und gespickt mit orientalischen Rhythmen. Man hört Fazil Says Herkunft und spürt seine Heimat - besonders im Finale des Konzertes "In Istanbul gypsy style" mit einem "Slow Belly Dance" - einem "langsamen Bauchtanz". Eine Hommage an die Türkei – und das klingt verspielt, phantasievoll und ironisch.

Martin Grubinger mit dem Waterphone während der Uraufführung des Schlagzeugkonzerts von Fazil Say mit der Dresdner Philharmonie. | Bildquelle: BR Martin Grubinger spielt Waterphone | Bildquelle: BR

Die Überschriften der vier Sätze des Schlagzeugkonzertes kündigen die jeweils prominent präsentierten Schlagwerke an, wie wechselnde Hauptdarsteller. Im ersten Satz "Waterphone" kommt dieses selten gespielte Instrument zum Einsatz. Es ist tatsächlich mit Wasser gefüllt und von stählernen Zinken umzäunt. Es wird angeschlagen, gekratzt, gezupft oder wie eine Violine mit einem Bogen gestrichen. Im zweiten Satz "Rototoms. Timpani" treten Rototoms - stimmbare Trommelfelle ohne Kessel - in den Vordergrund. Den dritten Satz dominiert das Vibraphon, auf dem der Solist volksliedartige Melodien anstimmt - die allerdings für den Percussionisten sehr schwer zu spielen sind. Fazil Say komponierte diese Musik nämlich auf dem Klavier. Und zehn Finger sind natürlich flinker als vier Schlägel. Schließlich erklingen dann im vierten Satz "Marimba. Boobams" die chromatisch abgestimmten Trommeln - ursprünglich Bambusrohre in abgestufter Länge. Mit diesem alles andere als alltäglichen Instrumentarium bringt Martin Grubinger die Bühne des Dresdner Kulturpalasts zum Beben - und erweckt Fazil Says Kreation zum Leben.

Man muss für dieses Werk die gewohnten klassischen Pfade verlassen, es folkloristisch angehen, nach neuen Farben suchen – dann fängt das Stück an zu sprechen.
Andris Poga, Dirigent

Igudesman & Joo zusammen mit Yuja Wang

Von links: Hyung-ki Joo und Aleksey Igudesman mit ihrem Gast Yuja Wang bei den Proben zu ihrem neuen Programm im Gebäude der Wiener Sängerknaben in der Castellezgasse. | Bildquelle: BR Igudesman & Joo, Yuja Wang | Bildquelle: BR "Ihr Mix aus klassischer Musik und Comedy, verknüpft mit Bezügen zur Popkultur und einer völlig neuen Deutung des Wortes Slapstick, wird befeuert durch echte, umwerfende Virtuosität", so schrieb die New York Times über das Klassik-Comedy-Duo Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo. Kennengelernt haben sich der Geiger und der Pianist im Alter von 12 Jahren an der berühmten Yehudi Menuhin School in England. Die beiden beherrschen ihre Instrumente auf sehr hohem Niveau, sie gaben Konzerte, traten solo und mit Orchestern auf – doch das war ihnen nicht genug.  Irgendwann ist dann die Idee entstanden, klassische Musik mit Humor  zu verbinden. "Wir haben uns nie vorgenommen,  mit unseren Shows viel Geld zu verdienen", sagt Aleksey Igudesman. "Wir fragten uns nur: Was können wir machen, das kreativ und artistisch ist, aber gleichzeitig humoristisch und theatralisch? Unser Zugang ist immer rein künstlerisch."

Der schwierigste Part der Show ist, selbst nicht in Gelächter auszubrechen.
Yuja Wang

Heute füllen Igudesman & Joo ganze Konzerthallen, ihre Shows sind meist ausverkauft. Für ihr aktuelles Programm haben die beiden keine Geringere als die Starpianistin Yuja Wang mit ins Boot geholt. Mit jeder Menge Situationskomik nehmen die drei in "The Clone" die Perfektionslust aufs Korn. Dabei schlüpft Yuja Wang in die Rolle eines Klons, der jedes Stück fehlerfrei spielen kann und das Publikum in Staunen versetzt: eine perfekte Musikmaschine sozusagen. KlickKlack durfte die Künstler bei den Proben zu ihrem Programm beobachten und kann schon so viel verraten: Die Zuschauer erwartet ein Hauch von Science Fiction - und es gibt jede Menge zu lachen.

Der Kontrabassist Ödön Racz

Der ungarische Kontrabassist Ödön Racz während des Interviews in der Wiener Staatsoper. | Bildquelle: BR Ödön Racz | Bildquelle: BR

In der Wiener Staatsoper trifft KlickKlack auf den Solo-Kontrabassisten der Wiener Philharmoniker Ödön Racz. Der gebürtige Ungar beherrscht das sperrige Instrument perfekt – und bringt den Streicher-Riesen mit beeindruckender Leichtigkeit und Virtuosität zum Singen. Kein Wunder, schließlich stammt Ödön Racz aus einer richtigen Kontrabassisten-Dynastie: der Vater, der Groß- und Urgroßvater und auch der Bruder spielen alle das gleiche Instrument. Als Ödön 16 Jahre alt ist, melden seine Eltern den Jungen zu einem internationalen Fernsehwettbewerb an. Er spielt - und setzt  sich gegen 1.500 Mitbewerber mit weit gefälligeren Instrumenten durch. "Spätestens da war es mir klar: Der Kontrabass und ich, wir werden sehr viel Zeit miteinander verbringen", erzählt der Musiker heute. Ödön Racz ist ein gutes Beispiel dafür, dass man mit dem Kontrabass alles schaffen kann. 2012 spielte er im Pausenfilm der weltweiten Übertragung des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker Rimski-Korsakows "Hummelflug". 40 Millionen Menschen sahen ihm dabei zu. Heute ist er der wahrscheinlich bekannteste Kontrabassist überhaupt – und begeistert die Menschen mit seinem sanglichen Kontrabass-Klang.

Mein Ziel ist es, auf dem Kontrabass zu singen - so fein, so elegant, wie auf einem Cello.
Ödön Racz

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