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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 26. Januar 2021 Mit Sol Gabetta aus Basel

Zur ersten KlickKlack-Ausgabe in diesem Jahr begrüßt Sol Gabetta die Zuschauerinnen und Zuschauer aus ihrem Haus in Basel. Ihre Gäste in der Sendung sind: der Pianist Alexandre Tharaud und die Sopranistin Sabine Devieilhe. Außerdem erinnern wir an die französische Chansonsängerin Barbara.

KlickKlack-Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta.  | Bildquelle: BR

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Der Pianist Alexandre Tharaud

Wenn er am Flügel sitzt und spielt, dann bewegt sich Alexandre Tharaud kaum. Doch sein Spiel wirkt alles andere als statisch. Das, was er zu sagen hat, entsteht durch die Bewegung seiner Hände: Mit ihnen bringt er eine Melodie zum Singen oder einen Rhythmus zum Federn – ganz nah an den künstlerischen Idealen, die ihm seine Eltern mit auf den Weg gegeben haben: Seine Mutter war Tänzerin, der Vater ein Sänger. Tharaud liebt die Bühne. Doch es ist vor allem eine Bühne für die Komponisten, die er spielt: "Ich bin nichts als ein Kanal, ein Medium, das die Arbeit des Komponisten zu euch bringt," sagt Alexandre Tharaud.

Du musst immer du selbst bleiben. Egal ob du vor einem Mikrophon sitzt oder vor einem großen Publikum.
Alexandre Tharaud

Der französische Pianist Alexandre Tharaud im Interview. | Bildquelle: BR Alexandre Tharaud | Bildquelle: BR

Alexandre Tharaud ist als Musiker unglaublich experimentierfreudig. Seine Offenheit für kreative Kollaborationen mit Theatermachern, Tänzern, Schriftstellern, Filmemachern oder Singer-Songwritern und Musikern außerhalb der Klassikszene zeichnen ihn aus. In seinem Projekt mit dem Akrobaten und Choreographen Yoann Bourgeois tanzt Bourgeois zu Debussys "Clair de Lune". "Sein Körper sollte sich mit unendlicher Zartheit bewegen", erzählt Alexandre Tharaud. "Das ist auch, was ich an ihm am meisten schätze. Wenn er alle Bewegungen extrem verlangsamt und es scheint, als ob die Zeit stehen bleibt."

Die schönsten Projekte entstehen immer an einem großen Tisch bei einem Glas Wein.
Alexandre Tharaud.

Die Sopranistin Sabine Devieilhe

Die neuste künstlerische Verbindung ist Alexandre Tharaud mit der französischen Sopranistin Sabine Devieilhe eingegangen. Dabei ist das Album "Chanson d’amour" entstanden: Die beiden Musiker stellen mit Werken von Fauré, Debussy, Ravel und Poulenc Meilensteine der französischen Lieder vor.

Die französische Sopranistin Sabine Devieilhe im Interview. | Bildquelle: BR Sabine Devieilhe | Bildquelle: BR Französisches Liedrepertoire ist Sabine Devieilhes große Leidenschaft: "Wenn ich auf Französisch singen kann, ist es, als dürfte ich demonstrieren, wie man in der französischen Tradition die Stimme in den Körper legt und an den Text schmiegt", erklärt sie. Doch auch für die Oper schlägt das Herz der jungen Sängerin. Noch vor der Corona-Pandemie war Sabine Devieilhe bei KlickKlack zu Gast - damals beeindruckte sie uns mit ihrer famosen Interpretation der "Königin der Nacht". Und auch an das berühmte Blumenduett aus Léo Delibes‘ Oper "Lakmé" erinnern wir uns immer noch gerne. Hier singt Sabine Devieilhe gemeinsam mit der französischen Mezzosopranistin Marianne Crebassa. Die Stimmen der beiden Sängerinnen ranken wie zwei zarte Pflanzen umeinander und verschmelzen zu einer perfekten Einheit.

Wir Sänger müssen technisch sehr präzise sein – und dann aber einfach loslassen können auf der Bühne.
Sabine Devieilhe

Die französische Chanson-Sängerin Barbara

"Paris besingt man immer wieder, von Göttingen gibt’s keine Lieder" – so lautet der Text eines Liedes der französischen Chanson-Sängerin Barbara. Aber wer ist diese Barbara? In Deutschland kennen wir Juliette Gréco, Edith Piaf oder Jacques Brel, alles berühmte Vertreter des französischen Chansons. Barbara dagegen ist weitgehend aus unseren Erinnerungen verschwunden. Nicht so in Göttingen! Dabei stand diese enge Verbindung zwischen der Französin und der niedersächsischen Universitätsstadt zunächst unter keinem guten Stern. Im Juli 1964 war die Sängerin eingeladen worden, im Jungen Theater der Stadt ein Konzert zu geben. Der Auftritt drohte damals zu scheitern, weil der benötigte Konzertflügel nicht verfügbar war. Ein paar engagierten Studenten war es dann zu verdanken, dass Barbara trotzdem blieb und sang. Die junge Französin freundete sich mit den Studenten an, diskutierte mit ihnen über die Geschichte, über das Leben in Frankreich und Deutschland und schrieb schließlich ein Lied über ihre Zeit in Göttingen. Das Chanson wurde zu einem ihrer größten Erfolge.

Die Stadt, das Leben dort und die Menschen haben mir so sehr gefallen. Ich habe dieses Lied am letzten Tag geschrieben, ein Abschiedslied.
Barbara über Göttingen

Chanson-Sängerin Barbara | Bildquelle: picture-alliance / dpa Die französische Chanson-Sängerin Barbara | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Die Erfahrungen der 1930 als Monique Serf in Paris geborenen Sängerin mit Deutschland sind allerdings nicht gerade beste Voraussetzung, eine Hymne der Versöhnung und Völkerverständigung zu schreiben: Während des Krieges muss die jüdische Sängerin mit ihrer Familie immer wieder vor den Nazis fliehen und schließlich die letzten Jahre bis Kriegsende in Südfrankreich untertauchen. Nach dem Krieg studiert Barbara in Paris klassischen Gesang, bricht die Ausbildung jedoch ab, um Chanson-Sängerin zu werden. Im Quartier Latin verdient sie sich in den Cabarets ihren Lebensunterhalt mit Chansons von Edith Piaf, Yvette Guilbert und Georges Brassens – ohne großen Erfolg. Erst als sie beginnt, ihre eigenen Lieder zu schreiben, kommt für sie der große Durchbruch in den 60-er Jahren. Sie verlässt die kleine Bühne des Cabarets "L’Ecluse" und wechselt schließlich auf die großen Pariser Bühnen. Ihre Lieder erzählen ihr ganzes Leben: Von der Verfolgung im Krieg, vom Missbrauch durch ihren Vater, ihren Krankheiten, aber auch von Liebe, Leidenschaft und Freundschaft.

Alexandre Tharauds Hommage an Barbara

Auch Alexandre Tharaud haben die Geschichte und die Musik von Barbara tief beeindruckt und inspiriert. Eine seiner CDs ist eine Hommage an die 1997 verstorbene Sängerin. Dafür hat der Pianist eine Auswahl von Barbaras Chansons neu aufgenommen und dazu befreundete Künstlerinnen und Künstler eingeladen, darunter Jane Birkin, Juliette Binoche oder Vanessa Paradis. Durch diese neue, moderne Interpretation kommen die Liedtexte von Barbara in der Gegenwart an.

Sendung: "KlickKlack" in der Nacht vom 26. auf den 27. Januar 2021 um 00:05 Uhr im BR Fernsehen

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