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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 12. Februar 2019 Mit Sol Gabetta in Paris

Sol Gabetta begrüßt die Zuschauer zur neuen KlickKlack-Ausgabe aus Paris. Hier spielte die Moderatorin und Cellistin das selten aufgeführte Weinberg-Cellokonzert. Mit dabei in der Sendung sind: die Cellistin Astrig Siranossian, der Jazzpianist Michael Wollny, die Akkordeonistin Ksenija Sidorova und der Mandolinenvirtuose Avi Avital.

Moderatorin Sol Gabetta. | Bildquelle: BR

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KlickKlack mit Sol Gabetta vom 12.02.2019 ansehen

Die Cellistin Astrig Siranossian

Ihr Vater leitete das Lyoner Konservatorium, ihre ältere Schwester spielte Geige – für Astrig Siranossian war es also selbstverständlich, im Alter von nur drei Jahren schon mit einem Instrument anzufangen. Und weil die kleine Astrig beim Üben lieber sitzen wollte, ist es eben das Cello geworden. „Niemand hat mich damals gezwungen, Cellospielen war nie eine Pflicht für mich“, erzählt die 30-Jährige. „Das Ganze war ein Spiel, so wie Kinder eben mit Legosteinen spielen.“ Aus Spiel wurde ziemlich schnell Ernst: Mit fünf spielt Astrig schon Concerti von Antonio Vivaldi, mit sechs tritt sie in Paris zusammen mit dem Orchester von der Insel Île Saint-Louis auf. Mit 18 besitzt Astrig Siranossian bereits ein Hochschuldiplom, das Studium setzt sie dann in Basel fort und schließt es mit höchster Auszeichnung ab.

In der Musik liegt Magie, für die es keine Worte gibt.
Astrig Siranossian

KlickKlack am 12.02.2019 | Bildquelle: BR Astrig Siranossian | Bildquelle: BR

Heute befindet sich Astrig Siranossian ohne Zweifel auf dem Weg zur großen Weltkarriere. Als Gast von Daniel Barenboim im neuen Konzertsaal Pierre Boulez in Berlin ist sie in der aktuellen Saison als Solistin unter der Leitung von Zubin Mehta, Simon Rattle und Antonio Pappano zu hören. Ihre musikalischen Partner sind Yo-Yo Ma, Sol Gabetta oder Daniel Ottensamer. Neben klassischem Cellorepertoire spielt die junge Musikerin auch Musik aus ihrem Heimatland Armenien – und singt gerne dazu. Diese Musik ist für sie mit schönen Erinnerungen an ihre Großeltern verbunden. Innig und verträumt stimmt sie ein armenisches Volkslied an und sagt dann: „Ich hoffe, ich konnte euch gerade mitnehmen. Dieses Lied ist sehr wertvoll für mich, denn mit dieser Melodie zeige ich etwas von mir.“

Der Jazzpianist Michael Wollny

„Es gibt diesen einen Moment, in dem ein Motiv entsteht. Und dann spricht er zu mir: Jetzt mach was aus mir! Ich möchte irgendwohin wandern“, so beschreibt Michael Wollny die Geburtsstunden seiner Kompositionen. Geboren 1978 in Schweinfurt, ist Wollny heute ein international erfolgreicher Jazzpianist. Und so wie er spielt niemand Klavier. Versponnene Klanggebilde, mysteriöse Atmosphären, die Brüche, das Unberechenbare – dafür ist Wollny bekannt. Und auch dafür, dass er wie kein anderer Inspirationen aus der Klassikwelt in die Sprache des Jazz übertragen kann.

Bei Musik kommen Intellekt und Emotion zusammen
. Michael Wollny

KlickKlack am 12.02.2019 | Bildquelle: BR Michael Wollny | Bildquelle: BR

Mit fünf Jahren erhielt Michael Wollny seinen ersten Klavier- und Geigenunterricht. Erst ganz klassisch. Als ein Familienmitglied ihm Keith Jarretts Köln Concert auf Schallplatte schenkt, entdeckt Michael Wollny den Jazz für sich. Und so pendelt er bereits als Sechzehnjähriger nach Würzburg, um dort als Gasthörer an Jazzkursen teilzunehmen. Nach und nach entwickelt er sich zu einer der größten Hoffnungen des deutschen Jazz, bekommt unzählige Preise und Auszeichnungen, die Kritiker überschlagen sich mit Lob. Doch Michael Wollny bleibt immer beschieden, der sympathische Musiker wirkt fast schüchtern. Fühlen und Verstehen – darum geht es ihm in der Musik. Und ob sie einen berührt. Alles andere ist unwichtig.

Das Duo Avi Avital & Ksenija Sidorova

„Diese zwei Instrumente ergänzen sich perfekt“, sagt die Akkordeonistin Ksenija Sidorova und zwinkert dabei verschwörerisch ihrem Duopartner, dem Mandolinenspieler Avi Avital zu. „Manchmal weiß man gar nicht genau, welches Instrument gerade zu hören ist.“ Und im Interview merkt man sofort: Auch die beiden Musiker harmonieren wunderbar zusammen: Sie lachen vergnügt, nicken zustimmend, wenn der andere gerade spricht – und erzählen gerne die Biografie des jeweils anderen.

KlickKlack am 12.02.2019 | Bildquelle: BR Avi Avital und Ksenija Sidorova | Bildquelle: BR

Mit Avi Avital kam die Zeitenwende für die Mandoline: Im Barock Lieblingsinstrument adliger Damen, fristete das Instrument lange eher ein bescheidenes Dasein in südländischer Volksmusik, Schlagern und Folk-Rock. Avi Avital war derjenige, der auszog, die Mandoline neu zu erfinden und in den Konzertsaal zurück zu bringen. Er war auch der erste klassische Mandolinist, der für den Grammy nominiert wurde. Und weil die großen Komponisten nicht viel für die Mandoline geschrieben haben, überträgt Avi Avital gerne das Geigenrepertoire auf sein Instrument. Und auch Originalwerke für Oboe, Cembalo oder Flöte klingen unter den flinken Fingern von Avi Avital, als wären sie für die Mandoline geschrieben worden.

Mandoline ist wie ein Chameleon.
Avi Avital

Avi Avitals Kammermusikpartnerin ist die lettische Akkordeonistin Ksenija Sidorova. Auf einem kleinen alten Akkordeon bringt ihre Großmutter Ksenija die ersten Melodien bei. Und obwohl dem Instrument einige Tasten fehlen, ist sie begeistert. Ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter und dem Verkäufer im Musikladen. Ein Kind will Akkordeon spielen? Das geht nicht gut. Aber Ksenija bleibt dran. Mit 16 geht sie allein nach London, um an der Royal Academy of Music zu studieren. Ksenijas Familie in Lettland hat viel geopfert für ihren Traum – dafür ist die Akkordeonistin unendlich dankbar. Doch der steinige Weg hat sich gelohnt: Die Leidenschaft und Begeisterung für ihr Instrument sieht man ihr einfach an und man hört es auch. Die Klänge, die Ksenija diesem großen, wuchtigen Kasten entlocken kann, grenzen fast an Zauberei. Nicht umsonst wird sie inoffiziell als Prinzessin des Akkordeons betitelt.

Sol Gabetta spielt Weinberg

Zum Schluss zeigt unsere Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta einen Ausschnitt aus ihrem Konzert zusammen mit dem finnischen Dirigenten Mikko Franck. Hier kam das unbekannte c-Moll-Cellokonzert von Mieczysław Weinberg zur Aufführung: ein wunderschönes Werk im düsterem Tonfall russischer Tragik.

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