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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 27. April 2022 Mit Sol Gabetta in Bamberg

Sol Gabetta begrüßt ihre Zuschauer*innen aus Bamberg. Hier spielt sie mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Krzysztof Urbanski das Cellokonzert von Witold Lutoslawski. Außerdem in der Sendung: Wenn Visionen in Erfüllung gehen. Die unglaubliche Geschichte des italienischen Klavierbauers Paolo Fazioli.

KlickKlack-Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta. | Bildquelle: BR

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Der Klavierbauer Paolo Fazioli

"Es war mein Kindheitstraum, einen Flügel zu bauen und ihn dann in einem Konzertsaal zu sehen", sagt Paolo Fazioli. Dieser Traum ist längst in Erfüllung gegangen – und nicht nur einmal. Bis zu 160 High-Class-Instrumente verlassen jährlich die Fazioli-Fabrik in Sacile, in der Provinz von Pordenone ca. 60 Kilometer nordöstlich von Venedig. "Wir nutzen das Holz aus dieser Region, das hat die beste Qualität, die man finden kann", erklärt Paolo. Die Resonanzböden werden aus Fichtenholz aus dem Fleimstal gebaut, aus dem schon der legendäre Geigenbauer Antonio Stradivari sein Material bezog. Und das hört man: Einzigartiger, unverwechselbarer Klang reich an Farben wird diesen Instrumenten nachgesagt. Als Alleinstellungsmerkmal verfügen die Fazioli-Flügel über eine stimmbare Duplex-Skala. Sie erzeugt Saitenresonanz und reichert den Klavierklang mit Obertönen an. Neben der gewöhnlichen Klavierstimmung, sind bei den Fazioli-Flügeln auch die mitschwingenden Aliquottöne stimmbar.

Ich hatte immer eine bestimmte Klangvorstellung, die ich bei anderen Flügeln nicht fand.
Paolo Fazioli

Paolo Fazioli, Gründer des nach ihm benannten italienischen Klavierbau-Unternehmens Fazioli. | Bildquelle: BR Der Klavierbauer Paolo Fazioli | Bildquelle: BR Die besondere Holz-Expertise kommt nicht von ungefähr: Paolo Fazioli entstammt einer Familie von Möbelunternehmern. 1944 in Rom geboren, zeigte er allerdings von Kindesbeinen an größeres Interesse für Musikinstrumente als für Möbelstücke. "Ich bekam Klavierunterricht und in der ersten Stunde sah ich diese große schwarze Kiste", erinnert er sich. "Es war ein einfaches Klavier, aber es hatte so einen schönen Klang, dass ich mich in ihn verliebte." Auch in die Bauweise der Instrumente verliebt sich Paolo ziemlich schnell. Er besucht Klavierbau- und Restaurierungswerkstätten, vertieft sich in Bücher über die Klavierbaukunst. Er studiert Maschinenbau an der Universität in Rom, erlangt ein Klavierdiplom am Konservatorium in Pesaro. Im gleichen Zeitraum absolviert er erfolgreich einen Master-Abschluss in Komposition an der römischen Musikakademie Santa Cecilia.

Nach dem Studium steigt Paolo Fazioli in die Möbelmanufaktur seiner Familie ein, parallel arbeitet er zusammen mit Akustikern, Musikern und Holzexperten an seinem ersten Flügelmodell. 1980 ist es dann soweit: Der erste Fazioli-Konzertflügel, das Model F183, ist fertig. 1981 folgt dann die Gründung des Unternehmens. Mittlerweile verfügen viele Musikschulen, Hochschulen, Konzertsäle und Radiosender über Flügel von Fazioli. Der Jazzmusiker Herbie Hancock spielt auf Fazioli-Instrumenten, genauso wie die kanadischen Pianistin Angela Hewitt und der russische Pianist Daniil Trifonow. Aber auch Benny Andersson von der schwedischen Gruppe ABBA. "Das sind unsere Botschafter*innen", sagt Paolo Fazioli. Und ist sichtlich stolz, seinen großen Traum erfüllt zu sehen.

Sol Gabetta spielt das Cellokonzert von Lutoslawski

KlickKlack-Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta als Solistin in Bamberg. | Bildquelle: BR Sol Gabetta probt das Cellokonzert von Witold Lutoslawski | Bildquelle: BR Zusammen mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Dirigent Krzysztof Urbanski spielte Sol Gabetta das Cellokonzert von Witold Lutoslawski. Für die KlickKlack-Moderatorin und Cellistin war es das erste Mal, dass sie dieses Werk auf die Bühne brachte. Das Konzert für Violoncello und Orchester ist neben dem "Konzert für Orchester" wohl das bekannteste Werk des polnischen Komponisten. Zu hören gibt es in den Konzertsälen allerdings eher selten - die enorm hohen Anforderungen des Soloparts mögen ein Grund dafür sein.

Dieses Konzert ist wie ein Krieg zwischen einem Individuum und dem Volk.
Sol Gabetta über das Cellokonzert von Witold Lutoslawski

Das Konzert wurde 1970 von Mstislav Rostropowitsch in London uraufgeführt. Alle vier Sätze gehen ohne Pause ineinander über. Es beginnt mit einem fast fünf-minütigen Cello-Solo – ein Monolog, der wirklich nicht einfach zu spielen ist, sagt Sol Gabetta. Die monotone Repetition eines einzelnen Tons im Tempo 60 imitiert am Anfang den langsamen Herzschlag -  bis es dann zum heftigen Ausbruch kommt: eine musikalische Auseinandersetzung zwischen dem Soloinstrument und den Blechbläsern.

Sendung: "KlickKlack" am 27. April 2022 um 00:00 Uhr im BR Fernsehen

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