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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 17. November 2020 Mit Sol Gabetta in Bamberg

Sol Gabetta begrüßt die Zuschauer diesmal aus Bamberg, hier spiele sie vor dem Lockdown Elgar mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša . Ihre Gäste in der Sendung sind: der ukrainische Pianist Dimitri Naïditch, der italienische Komponist Claudio Ambrosini und Elena Almansi, die Meisterin im Voga alla veneta, der traditionellen venezianischen Art des Ruderns.

KlickKlack-Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta im Foyer der Konzerthalle Bamberg. | Bildquelle: BR

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Zwischen Klassik und Jazz: der Pianist Dimitri Naïditch

"Ich interpretiere die klassische Musik neu", sagt der ukrainische Pianist Dimitri Naïditch. Die perfekte Basis dafür wurde in seiner ausgezeichneten klassischen Ausbildung gelegt: Naïditchs Mutter war eine der besten Klavierlehrerinnen der Sowjetunion, das Klavierspielen hat Dimitri seit der frühsten Kindheit also ganz natürlich aufgesogen. Als Wunderkind trat er in seiner Heimatstadt Kiew auf. Schon mit 17 erwarb er das Diplom als Konzertpianist, um dann seine Ausbildung am Tschaikowsky-Konservatorium in Kiew fortzusetzen. Das Studium am Konservatorium, diese "russischen Schule" sei ganz schön hart gewesen, erinnert sich Dimitri Naïditch. "Schwer, streng – da gab es keinerlei Platz für spielerische Improvisation." Doch genau danach sehnte sich der junge Pianist: Zu eng war ihm das Korsett der klassischen russischen Ausbildung.

Improvisation kann nie so perfekt sein, wie geschriebene Musik. Aber was für eine Wahrheit steckt in ihr!
Dimitri Naïditch

Der ukrainische Pianist und Jazzmusiker Dimitri Naïditch beim Interview in seinem Haus. | Bildquelle: BR Dimitri Naïditch | Bildquelle: BR

Eines Tages begegnet Dimitri dem Jazz, als er einer Aufnahme bei einem Freund mitlauscht. "Es war wie purer Sauerstoff zum Atmen", erzählt Dimitri Naïditch. "Wie eine andere neue Tür, die sich plötzlich öffnet." Nach und nach taucht der junge Ukrainer in diese für ihn neue Welt ein, er improvisiert selbst am Klavier, auf der Suche nach neuen Klängen und Harmonien. Doch diese zwei Welten, Jazz und Klassik, zu verbinden fällt ihm nicht leicht: "Jahrelang wusste ich nicht, wie ich diesen Zwiespalt aushalten sollte. Die einen sagten, du spielst Jazz? Dann bist du kein guter klassischer Pianist mehr... Und die Jazzer? Das gleiche." Irgendwann beginnt Dimitri Naïditch, Klassik mit Jazz zu verbinden – mit einem großen Erfolg. Heute ist der Musiker für seine Crossover-Produktionen zwischen osteuropäischer Folklore, klassischer Musik und Jazz berühmt. Seit 1991 lebt Naïditch in Frankreich, hier gründete er "Les Mélomanies d’Annonay", ein Festival für klassische Musik und Jazz. In den letzten Jahren widmet er sich vor allem Jazz-Adaptionen von Bach und Mozart, seinen beiden "Seelenverwandten", wie Dimitri Naïditch die klassischen Komponisten liebevoll nennt.

Der venezianische Komponist Claudio Ambrosini

Claudio Ambrosini kam 1948 in Venedig zur Welt. Sein Vater, ein Kunstmaler, öffnete dem Jungen schon ganz früh die venezianische Welt der bildenden Künste – für den jungen Komponisten eine Quelle der Inspiration. Überhaupt ist Ambrosini in den kulturellen Traditionen und Lebensformen seiner Heimatstadt tief verwurzelt: "Die Beziehung mit der Geschichte ist für uns Venezianer lebendig", sagt er. "Hier ist Geschichte kein Kapitel in einem Buch - hier ist Geschichte ein Raum, in dem wir leben. Hier können dir an der nächsten Ecke Monteverdi oder Tizian oder Vivaldi begegnen."

Der italienische Komponist Claudio Ambrosini im Interview. | Bildquelle: BR Der Komponist Claudio Ambrosini | Bildquelle: BR

Jahrelang lebt Claudio Ambrosini als junger Komponist zurückgezogen, experimentiert in seinem Klang-Laboratorium, ohne großes Aufsehen zu erregen. 1979 gründet er dann das "Ex Novo Ensemble", das sich unter seiner Leitung auf Kompositionen mit ungewöhnlicher Besetzung spezialisiert und bald einen internationalen Ruf erwirbt. Beim Komponieren hilft Ambrosini diese Expertise ungemein: "Ich besitze fast alle Instrumente – und ich kann auf ihnen spielen, natürlich nicht besonders gut", erklärt er. "Doch so werden beim Spielen die Details immer deutlicher. Und so entsteht eine Komposition."

Die Inspiration kommt, wann sie will. Ich weiß nicht woher, sie hat es mir nie verraten.
Claudio Ambrosini

Inzwischen kommt Ambrosinis eigene Musik auf Festivals oder in Rundfunkanstalten oft zur Aufführung. Seine Werke, die sich durch eine perfekte Kombination aus raffinierter Komposition und seinem großen Wissen über alte Musik auszeichnen, wurden mit dem Prix de Rome und dem Goldenen Löwen der Musik-Biennale prämiert.

Voga alla veneta: Venezianisches Rudern mit Elena Almansi

"Voga alla veneta", das Rudern auf venezianische Art – wir alle haben sofort ein Bild vor den Augen, wie die venezianischen Gondolieri ihre schlanken Boote elegant durch die engen Kanäle der Lagunenstadt steuern. Diese traditionelle Art zu rudern bedarf eines gewissen Geschicks, sie unterscheidet sich auch erheblich von anderen Techniken, wie zum Beispiel dem Kanufahren: der Ruderer steht vorne, dem Bug zugewendet, der Kurs der Gondel wird durch bis zu 20 verschiedene Schläge bestimmt, je nachdem, wie das Ruder durch das Wasser gezogen wird.

Rudern hat auch mit Musik zu tun: Bei einer Regatta kann man am Geräusch der Welle, das dein Boot erzeugt, hören, ob du im richtigen Flow bist.
Elena Almansi

Elena Almansi auf einem Kanal in Venedig beim Voga alla veneta, der traditionellen venezianischen Art des Ruderns. | Bildquelle: BR Meisterin des Voga alla veneta: Elena Almansi | Bildquelle: BR

In Venedig lernen wir Elena Almansi kennen. Die typisch venezianische Voga alla veneta wurde Elena in die Wiege gelegt, denn ihre beiden Elternteile sind berühmte venezianischer Regattasieger. Schon mit drei oder vier Jahren begann sie zu rudern. Als junge Frau ist sie der No-Profit-Organisation "Row Venice" beigetreten, das Ziel dieser Organisation ist, den Leuten beizubringen, wie man "alla veneta" rudert, diese alte Tradition zu bewahren und die Wertschätzung der Frau bei dieser ansonsten hauptsächlich von Männern geprägten Sportart zu steigern.

Sol Gabetta zu Gast bei den Bamberger Symphonikern und Jakub Hrůša

Zum Schluss der Sendung schauen wir Sol Gabetta über die Schulter, als sie noch vor dem zweiten Lockdown das Cellokonzert von Edward Elgar mit den Bamberger Symphonikern probte und aufführte. Am Pult stand der Chefdirigent der Bamberger, Jakub Hrůša.

Ich habe gelernt, auf Distanz zu arbeiten.
Jakub Hrůša über die erschwerten Probenbedingungen während der Corona-Pandemie

Sendung: "KlickKlack" am 17. November 2020 um 23:45 Uhr im BR Fernsehen

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