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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 24. März 2021 Mit Sol Gabetta in Basel

Diese KlickKlack-Ausgabe ist starken Frauen der Musikwelt gewidmet. Zu Gast sind: die junge Dirigentin Elim Chan, die südafrikanische Sopranistin Golda Schulz und die Chansonsängerin Annett Louisan.

KlickKlack-Moderatorin Sol Gabetta im Innenhof der Musikakademie Basel. | Bildquelle: BR

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Die Dirigentin Elim Chan

Sie ist klein, quirlig, lebendig und unglaublich charmant: die junge Dirigentin Elim Chan. Als Sol Gabetta in Antwerpen das Cellokonzert von Dmitri Schostakowitsch mit Elim am Pult im Stream aufführt, nutzt sie die Gelegenheit, die Dirigentin etwas näher kennenzulernen. Elim wurde in Hongkong geboren. Schon früh, im Kinderchor, fiel sie durch ihre außergewöhnliche Musikalität und ihr enormes Talent auf. Doch Elim wollte erst Ärztin werden. Kein Wunder, denn in Hongkong herrschte schon in der Schule ein gewisser Druck, was "ordentliches" zu lernen, erzählt Elim Chan. "Für meine Klassenkameradinnen kamen eigentlich nur drei Berufe infrage: Arzt, Anwalt oder irgendwas im Finanzsektor", erinnert sie sich. Musik als Beruf? "Denk nicht mal daran. Musik kann nur ein Hobby sein", bekam sie dauernd zu hören.

Als Dirigentin versuche ich herauszufinden, was der Komponist eigentlich wollte - und dann stelle ich mich vors Orchester und experimentiere.
Elim Chan

Elim Chan, die Chefdirigentin des "Antwerp Symphony Orchestra", im Gespräch mit Cellistin und KlickKlack-Moderatorin Sol Gabetta. | Bildquelle: BR Elim Chan, die Chefdirigentin des Antwerp Symphony Orchestra, im Gespräch mit Cellistin und KlickKlack-Moderatorin Sol Gabetta | Bildquelle: BR

Elim geht in die USA, beginnt ein Psychologie-Studium, doch ihre ungebrochene Liebe zur Musik bannt sich ihren Weg – und Elim wechselt das Studienfach. Sie wird zur Dirigentin am Smith College in Massachusetts und an der University of Michigan ausgebildet. 2013 erhält sie das Bruno-Walter-Stipendium. Als erste Frau überhaupt gewinnt Elim Chan 2014 den Donatella-Flick-Dirigierwettbewerb – ein Wendepunkt in ihrer Karriere. Daraufhin wird sie als Assistenzdirigentin zum London Symphony Orchestra berufen und in das Dudamel-Stipendiaten-Programm des Los Angeles Philharmonic aufgenommen. Inzwischen dirigiert Elim Chan namhafte Orchester wie das Concertgebouw Orchestra, das Orchester des Mariinsky-Theaters oder die Deutsche Kammerphilharmonie. Seit 2019 hat sie die künstlerische Verantwortung für das Symphonieorchester Antwerpen übernommen. "Von Anfang an hatte ich ein gutes Gefühl bei diesem Orchester", sagt Elim. "Ich habe sofort gespürt, wie toll man mit den Musikern arbeiten kann, und ich merkte, wieviel Lust auf Experimente und neue Ideen sie haben."

Für eine junge Dirigentin gibt es kein größeres Geschenk, als mit einem festen Orchester Neues zu entdecken.
Elim Chan

Die Sängerin Annett Louisan

Mit "Das Spiel" oder der besser bekannten Songzeile "Ich will doch nur spielen" landete sie auf Platz 5 der deutschen Charts. Neun Wochen nach Veröffentlichung erreichte das dazu gehörige Album "Bohème" Platinstatus und war somit eines der schnellstverkauften Debütalben der deutschen Musikindustrie. Gekrönt wurde der rasante Aufstieg durch den Gewinn von zahlreichen Auszeichnungen, darunter der DVD-Champion, der Echo, NEO-Award und die Goldene Stimmgabel. Heute, 16 Jahre und 1,5 Millionen verkaufte CDs später, ist Annett Louisan aus der deutschen Musikszene nicht wegzudenken. Mit ihrem Mix aus französischen Chansons, klassischem Songwriting, Folkelementen, etwas Jazz und feinem Sprachwitz begeistert sie ihre Fans.

Am Anfang meiner Karriere war es mir sehr wichtig, nicht vom Erfolg abhängig zu sein.
Annett Louisan

Chansonsängerin Annett Louisan im KlickKlack-Interview vor ihrem Konzert in München im Oktober 2019. | Bildquelle: BR Chansonsängerin Annett Louisan im KlickKlack-Interview vor ihrem Konzert in München im Oktober 2019 | Bildquelle: BR

Ihr aktuelles Doppelalbum "Kleine große Liebe" erzählt vom Weg einer Künstlerin, erwachsen zu werden. Sie singt zum Beispiel davon, wie schwierig es ist, Ambivalenzen auszuhalten. Oder erzählt im Titel "Die schönsten Wege sind aus Holz" über den liebevollen Umgang mit Fehlern. Oder sie schlüpft musikalisch in die Rolle ihrer Mutter, die Annett als Alleinerzieherin großgezogen hat. "Kleine große Liebe" ist ein Album, das Annett Louisan näher kommt als jedes ihrer bisherigen Alben. Ein sehr persönliches Album, das verschiedene Seiten von Annett Louisan zeigt. "Der Titel 'Kleine große Liebe' bietet so viele Facetten: das Kleine, das Große, das Leise, das Laute, das Helle, das Dunkle", sagt Annett. "Das macht es für mich aus."

Die Sopranistin Golda Schultz

Sie ist ein richtiges Energiebündel. Und wenn sie lacht, ist es praktisch unmöglich, nicht mitzulachen – so ansteckend sind ihre Lebensfreude und ihr breites Grinsen. Auf der Bühne versprüht die südamerikanische Sopranistin Esprit und zieht das Publikum sofort in ihren Bann. Ihre Stimme ist warm, natürlich, sie leuchtet und besitzt eine enorme emotionale Kraft. "Golda ist ein echter Hingucker", sagt Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper. "Neben ihrer wunderbaren Stimme verfügt sie über eine große Bühnenpräsenz." Als Golda Schultz für das Opernstudio der Staatsoper vorsingt, erkennt Bachler sofort dieses Ausnahmetalent und nimmt sie in die Talentschmiede seines Hauses auf. Nach der Ausbildung wird Golda festes Mitglied des Ensembles der Bayerischen Staatsoper, wo sie von 2014 bis 2018 bleibt.

Singen ist ein bisschen wie Auto fahren: Du musst immer alles im Griff haben.
Golda Schultz

Die südafrikanische Sopranistin Golda Schulz im KlickKlack-Interview. | Bildquelle: BR Die südafrikanische Sopranistin Golda Schulz | Bildquelle: BR

Im Februar 2021 kehrte Golda Schultz an die Bayerische Staatsoper zurück und gab hier ihr Rollendebüt als Agathe in Webers "Freischütz". KlickKlack hat die Sängerin bei dieser Neuproduktion getroffen. Für Golda Schultz ist Agathe, die zentrale Frauengestalt in "Freischütz", eine sehr vielschichtige Frauenfigur: stark und hoffnungsvoll. Das zeige sich besonders in der großen Arie. "In 'Leise, leise' durchläuft Agathe einen großen dramatischen Bogen", erzählt die Sopranistin. "Sie startet sehr intim. Am Ende dringt ihr kraftvoller Glaube durch, dass alles gut werden wird." Agathe habe starkes Vertrauen, dass einem nichts Böses widerfahren könne, wenn man das Richtige tut, sagt Golda Schultz. "Das finde ich eine sehr liebenswerte Eigenschaft bei ihr."

Sendung: "KlickKlack" in der Nacht vom 23. auf den 24. März 2021 um 00:05 Uhr im BR Fernsehen

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