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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 7. Mai 2019 mit Sol Gabetta Thema Historische Aufführungspraxis

Sol Gabetta begrüßt die Zuschauer zu einer neuen Ausgabe von KlickKlack - diesmal mit einem Schwerpunkt zum Thema "Historische Aufführungspraxis". Ihre Gäste sind: der Pianist Kristian Bezuidenhout, der Restaurator und Spezialist für Hammerklaviere Edwin Beunk, der Jazzpianist Yaron Herman und der Akkordeonist Nikola Djoric.

KlickKlack-Moderatorin Sol Gabetta. | Bildquelle: BR

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Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout – historisch unterwegs

"Mit historischen Instrumenten kann man den Komponisten so nahe kommen wie noch nie", sagt Sol Gabetta. "Nur so kann man erspüren, was der Komponist damals für Vorstellungen hatte". Vor kurzem hat die KlickKlack-Moderatorin und Cellistin eine neue CD mit ihrem Klavierpartner Bertrand Chamayou aufgenommen, das Besondere bei dieser Produktion: Bertrand Chamayou spielte nicht auf einem modernen Flügel, sondern auf einem historischen Hammerklavier. Und auch bei Sols gemeinsamer Tour mit dem Pianisten Kristian Bezuidenhout stand die historische Aufführungspraxis im Fokus. Der gebürtige Südafrikaner Kristian Bezuidenhout gilt als einer der gefragtesten Spezialisten für historische Tasteninstrumente. Bezuidenhout ist am modernen Steinway groß geworden und bereut das nicht, er empfiehlt die modernen Flügel sogar als Basis für sichere Technik. Doch sein Herz hat er an die historischen Instrumente verloren.

Die Message der Komponisten ist: Benutze das Instrument so, dass alle Farben, das ganze Drama und all die Leidenschaft zum Ausdruck kommen.
Kristian Bezuidenhout

Kristian Bezuidenhout, renommierter Spezialist für das Hammerklavier. | Bildquelle: BR Kristian Bezuidenhout | Bildquelle: BR

Mit zehn bekam Kristian seinen ersten Klavierunterricht, etwa zur selben Zeit hat er auch seine Vorliebe für das 18. Jahrhundert entdeckt. Spätanfänger Bezuidenhout war erst kein Überflieger: "Ich sah erst nach vier Jahren Zeichen von Fortschritt". Doch dann packte ihn die Musik endgültig. Da in Australien ein Mangel an Hammerklavieren und Experten herrschte, studierte Bezuidenhout an der Eastman School in Rochester, New York. Mit 21 Jahren gewann er den renommierten Hammerklavier-Wettbewerb in Brügge. Seither gilt er als der Vorreiter der jüngsten Generation von Pianofortespielern.

Restaurator und Spezialist für Hammerklaviere Edwin Beunk

In Holland besuchen wir die Werkstatt des Restaurators und Spezialisten für Hammerklaviere Edwin Beunk. Vor 40 Jahren war Beunk  Mitglied einer Popband - und kriegte sich immer wieder mit seinen Bandkollegen in die Haare – weil ihre Gitarren verstimmt klangen. Irgendwann riet einer der Gitarristen Beunk, vielleicht besser Klavierstimmer zu werden. "Eine fantastische Idee!", dachte Edwin Beunk und setzte diese auch um. Gleichzeitig interessierte er sich für alte Instrumente und fing an, sie selbst zu restaurieren. Edwin Beunk las viel darüber, suchte nach Sammlern, besuchte Museen, sammelte nach und nach Wissen und erlernte im Selbststudium das Handwerk – schließlich gibt es für Klavierrestaurateure keine offizielle Ausbildung. Heute gilt er als Experte auf diesem Gebiet.

Edwin Beunk, Restaurator und Spezialist für Hammerklaviere. | Bildquelle: BR Edwin Beunk | Bildquelle: BR

Am Hammerklavier fasziniert Edwin Beunk die Unmittelbarkeit des Klanges. Das Hammerklavier unterscheidet sich nämlich von einem modernen Instrument nicht nur in der Rahmenkonstruktion und Besaitung, der Mechanik – sondern vor allem im Klang. Phrasierung, Dynamik, Artikulation - das alles funktioniert nach anderen Prinzipien als bei gewohnten modernen Instrumenten. "Man hat den Hammer quasi direkt in den Fingern", erklärt Edwin Beunk. "Dadurch wird der Klang sehr direkt, aber auch sehr sensitiv. Nicht jeder kann darauf spielen."

Der Jazzpianist Yaron Herman

Yaron Herman wurde in Tel Aviv geboren. Vor ihm lag eine glänzende Karriere als Basketballspieler in der israelischen Junioren-Nationalmannschaft. Doch eine Verletzung beendete den Traum von einem Leben als Profisportler. Als Plan B – und erst mit 16 Jahren - begann Yaron mit dem Klavierspiel. Mit 19 ging er nach Boston, um am Berklee College of Music zu studieren, zog dann nach Paris weiter, um dort in die Jazzszene einzutauchen. Bei einem Wettbewerb im Rahmen des "La Défense Jazz Festivals" begeisterte Yaron Herman das Publikum mit einem Repertoire, das neben Jazzstandards Stücke von Björk, Gabriel Fauré und Britney Spears und auch ein paar israelische Lieder enthielt. Was darauf folgte, war ein kometenhafter Aufstieg zu einem der heute populärsten Jazzpianisten seiner Generation.

Die Musik ist mein persönlicher Weg aus der Dunkelheit.
Yaron Herman

Jazzpianist Yaron Herman. | Bildquelle: BR Yaron Herman | Bildquelle: BR

In Yaron Hermans Musik haben Genregrenzen keine Bedeutung. Mit großer Abenteuerlust verwischt er die Trennlinien zwischen Jazz, Pop und klassischem Kontrapunkt und lockt seine Hörer in ein Reich voller Innovation, Spielfreude und scheinbar unerschöpflicher Energie. In seinen Kompositionen verarbeitet der Pianist seine ganz persönlichen Erlebnisse, taucht in die Welten der Psychologie und der Philosophie ein - und öffnet damit ganz ungeahnte klangliche Dimensionen. Das KlickKlack-Team besuchte den Pianisten in Paris, hier, in seinem Studio, durften wir die ersten sein, denen Yaron die brandneuen Stücke von seiner neuen CD "Songs of the degrees" vorstellte.

Der Akkordeonist Nikola Djoric

Nikola Djoric stammt gebürtig aus Serbien und lebt heute in Wien. Man nennt ihn den "Poeten am Akkordeon". Als Solist und auch in verschiedenen kammermusikalischen Formationen – zusammen mit der Cellistin Ana Topalovic, mit dem Ensemble Wien, das aus Mitgliedern der Wiener Philharmoniker besteht, oder mit der Sängerin Angelika Kirchschlager - erobert Nikola Djoric die internationalen Bühnen dieser Welt.

Ich glaube fest an die Wahrheit in der Musik. Daran, was hinter den Noten steckt.
Nikola Djoric

Nikola Djoric spielt Akkordeon. | Bildquelle: BR Nikola Djoric | Bildquelle: BR

An seinem Instrument liebt Nikola am meisten die Vielseitigkeit und die Bandbreite an Möglichkeiten, die das Akkordeon bietet. "Es besitzt Knöpfe – ähnlich wie ein Tasteninstrument – und gleichzeitig atmet das Akkordeon wie ein Blasinstrumentenspieler", schwärmt Nikola Djoric. Und demonstriert strahlend das ungeheure "Lungenvolumen". Mit dem Akkordeon kann man nahezu alles spielen. Teilweise sogar, ohne die Stücke, die für andere Instrumente komponiert wurden, zu bearbeiten. Für KlickKlack öffnet Nikola sein Instrument und zeigt uns das faszinierende Innenleben – und zum Schluss führt uns der Musiker sogar noch zu seiner heiligen Stätte – dem Geburtsort des Akkordeons.

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