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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 10. Dezember 2019 Mit Sol Gabetta in Paris

Sol Gabetta begrüßt die Zuschauer diesmal aus Paris. Einige Monate nach dem verheerenden Brand besucht KlickKlack die weltberühmte Kathedrale Notre Dame und versucht zu rekonstruieren, was genau am 15. April passiert ist - und wie es heute um die Kathedrale und die Orgel steht. Zu Gast in der Sendung ist Olivier Latry, der Organist von Notre Dame. Außerdem nimmt KlickKlack mit einer Hommage Abschied von Mariss Jansons, dem kürzlich verstorbenen Chefdirigenten von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Cellistin Sol Gabetta vor Notre Dame in Paris. | Bildquelle: BR

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Mit Entsetzen blickt die ganze Welt auf die brennende Kathedrale Notre-Dame, die am Abend des 15. April 2019 Feuer fing. Ganz Paris steht unter Schock. "Notre Dame - das ist Paris", sagt eine Augenzeugin mit Tränen in den Augen. "Bei jedem kirchlichen Fest war ich hier. Nicht weil ich katholisch bin, nein, weil ich Pariserin und Europäerin bin." Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron ist am selben Abend noch vor Ort. In einem lebensgefährlichen Einsatz gelingt es den Feuerwehrleuten innerhalb von vier Stunden den Brand zumindest auf den hölzernen Dachstuhl zu begrenzen.

Notre Dame ist ein Symbol für die ganze Welt.
Augenzeugin des Brandes

Olivier Latry ist einer der drei Titularorganisten an der großen Orgel von Notre-Dame. Seit über 30 Jahren ist die Kathedrale sein Arbeitsplatz. Die Nachricht vom Brand erreicht ihn in einem Wiener Hotel. Ein Freund, der gegenüber von Notre Dame wohnt, schreibt ihm eine knappe SMS: "Notre Dame brennt!“ "Es war so schrecklich, wir haben sofort den Fernseher eingeschaltet und dann saßen wir die halbe Nacht fassungslos davor", berichtet Olivier Latry. Am nächsten Tag reist er nach Paris, um das Ausmaß der Katastrophe mit eigenen Augen zu sehen.

Ich war so geschockt!
Olivier Latry über den Brand der Notre Dame

Olivier Latry, der Organist von Notre Dame. | Bildquelle: BR Olivier Latry an seiner Orgel in der Notre Dame | Bildquelle: BR

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Offensichtlich hat die Hauptorgel von Notre-Dame den Brand nahezu unbeschädigt überstanden. Feuer, Hitze und Löschwasser – das alles hat die Orgel überlebt. Ein Glück im Unglück: dadurch, dass der Vierungsturm in die Kathedrale gestürzt ist, entstand ein "Kamin" - und die extreme Hitze konnte nach oben entweichen. In der Orgel befindet sich ein Thermometer, dadurch konnte man feststellen, das während des gesamten Brandes die Temperatur im Instrument nicht über 17 Grad gestiegen ist. "Wäre das nicht der Fall gewesen - wären alle Orgelpfeifen geschmolzen", vermutet Olivier Latry.

Die Notre Dame und ihre Geschichte

"Es ist einer der schönsten Orte der Welt, es ist aber auch ein Platz, an dem so viele historische Ereignisse passiert sind", sagt Olivier Latry über seinen Arbeitsplatz. Und in der Tat: Die Notre Dame ist ein geschichtsträchtiger Ort. Die Pariser Kathedrale, 1345 fertiggestellt, war Zeugin vieler bedeutenden Ereignisse in der Geschichte Frankreichs. Hier wurde die Befreiung von Paris gefeiert, Könige wurden getauft, getraut oder beerdigt. Napoleon Bonaparte ließ sich in der Notre-Dame zum Kaiser krönen. Und auch die Große Orgel war Teil dieser Geschichte. Zehn Jahre nach der Fertigstellung der Kathedrale eingebaut, wurde immer wieder modifiziert und verbessert. Es gibt Manuale, die erst vor kurzem eingebaut wurden, manche Orgelpfeifen stammen aber noch aus dem Mittelalter.

In dieser KlickKlack-Ausgabe gehen wir den Frage nach, wie es heute – acht Monate nach der Brand-Katastrophe – um den Wiederaufbau der Kathedrale steht. Wir klären, wie realistisch das Versprechen von Staatspräsident Emmanuel Macron ist, Notre Dame innerhalb von nur fünf Jahren im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Und wir nehmen auch einige ausgefallene Ideen für den Wiederaufbau unter die Lupe.

Zum Tod von Mariss Jansons

Chefdirigent Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunk beim Konzert in Nishinomyia, Japan. | Bildquelle: BR/Peter Meisel Mariss Jansons | Bildquelle: BR/Peter Meisel

In der Nacht zum 1. Dezember 2019 ist Mariss Jansons in seiner Heimatstadt St. Petersburg im Alter von 76 Jahren für viele überraschend verstorben. Gesundheitlich angeschlagen war der Chef des Chors und Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks jedoch schon seit längerem und musste auch immer wieder Dirigate absagen. Die Musikwelt trauert nun um einen großen Dirigenten. Bei KlickKlack kommen Musiker und Musikerinnen des BR-Symphonieorchesters zu Wort und würdigen Mariss Jansons für seine Energie und Leidenschaft für die Musik, für seine Bescheidenheit und menschliche Wärme. Auch der britische Dirigent Sir Simon Rattle verabschiedet sich liebevoll von seinem Kollegen mit folgenden Worten: "Er hatte die Fähigkeit, sich selbst in der Musik zu verlieren. Das hatte nichts mit Schwäche zu tun, sondern ganz im Gegenteil, er erreichte, dass jedes Musikstück für dich zu einem komplett neuen Erlebnis wurde. Das war wahr und aufrichtig."

Man konnte seine Menschlichkeit spüren.
Sir Simon Rattle über Mariss Jansons

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