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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 17. November 2021 Mit Sol Gabetta in Paris

Sol Gabetta begrüßt die Zuschauerinnen und Zuschauer aus Paris. Hier endet ihre gemeinsame Europa-Tournee mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja. Außerdem in der Sendung: der finnische Jazz-Pianist Iiro Rantala, der für die Komische Oper in Berlin eine Kinderoper komponiert hat, und der französische Countertenor Philippe Jaroussky, der KlickKlack seine neue Gesangsakademie zeigt.

Sol Gabetta während der Aufzeichnung der KlickKlack-Moderatorin. | Bildquelle: BR

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Sol Gabetta und Patricia Kopatchinskaja

Bern, München, London, Paris – durch diese Städte führte Sol Gabetta und Patricia Kopatchinskaja ihre gemeinsame Europa-Tournee. Die beiden verbindet nicht nur mittlerweile zwanzig Jahre währende musikalische Zusammenarbeit - sie sind auch echte Freundinnen abseits der Bühne: "Wir sind wie zwei Schwestern, auf der Bühne und im Leben." Mit Patricia Kopatchinskaja arbeitet Sol Gabetta unheimlich gerne zusammen. Die Geigerin ist ein Energiebündel, sie ist eigensinnig, und sie steht gern barfuß auf der Bühne. Sie spielt Volkmusik in der Tradition ihrer Eltern, Folklore-Musikern aus Moldawien. Sie spielt die großen Konzerte des Geigenrepertoires und sie setzt sich enthusiastisch für zeitgenössische Musik ein. "Wir Musiker sind die Stimme von heute, nicht von gestern. Und unsere Verantwortung ist, die Neue Musik an unsere Zuhörer so weiterzugeben, dass sie diese lieben und keine Angst mehr vor ihr haben", sagt Patricia.

Neue Musik ist nichts Kompliziertes. Es ist genauso schön wie Bach, Mozart oder Beethoven.
 Patricia Kopatchinskaja

Geigerin Patricia Kopatchinskaja (links) und Cellistin Sol Gabetta während des KlickKlack-Gesprächs. | Bildquelle: BR Patricia Kopatchinskaja und Sol Gabetta: machen zusammen Musik und sind auch hinter der Bühne Freundinnen. | Bildquelle: BR

Und auch für das gemeinsame Konzertprogramm haben die beiden Musikerinnen viele Stücke aus dem modernen Repertoire ausgesucht: Jörg Widmann, Francisco Coll und Julien-François Zbinden sind außerdem Komponisten, denen die beiden auch persönlich sehr nahestehen. Aber auch Maurice Ravel, Johann Sebastian Bach und folkloristische Stücke führen Sol und Patricia mit großer Lust in dieser ungewöhnlichen kammermusikalischen Besetzung Geige und Violoncello auf. "Es kam mir vor, als ob wir auf einen Basar gegangen sind, viel verschiedenes Gemüse eingekauft – und daraus einen Salat gemacht haben. Genauso und ist unser Programm entstanden", erklärt Patricia. Die bunte Mischung ist inzwischen auch als CD erschienen – unter dem Namen "Sol & Pat".

Iiro Rantalas neue Kinderoper "Die Zaubermelodika"

Begonnen hat Iiro Rantalas Musikkarriere früh. Es war seine Mutter, die ihn mit sechs Jahren in einem Knabenchor anmeldete. Bereits nach einem Jahr durfte Iiro mit dem Chor auf Konzertreisen gehen. Vor dem ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan hat er ebenso gesungen wie vor Papst Johannes Paul II. Mit 14 Jahren entdeckte Iiro Rantala den Jazz. Und dank seiner klassischen Ausbildung konnte der Pianist alles spielen. Mit seiner Band Trio Töykeät – was so viel heißt wie "Die Grobiane" – ließ er es ordentlich krachen. Heute ist sein Markenzeichen eher reduzierter, melancholischer Sound.

Für Pamina habe ich eine mozartartige Melodie - das soll an Wiener Klassik erinnern. Monostatos ist ein sehr trauriger Kerl und deswegen singt er den Blues.
Iiro Rantala über 'Die Zaubermelodika'

Ausschnitt aus der Kinderoper "Die Zaubermelodika" von Iiro Rantala in der Komischen Oper in Berlin. | Bildquelle: BR Szene aus "Die Zaubermelodika" an der Komischen Oper Berlin | Bildquelle: BR

In seiner Heimat Finnland ist Iiro Rantala eine wichtige Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und als Verfechter der Musik so gut wie allen bekannt. In seiner eigenen Fernsehsendung im finnischen Fernsehen führte der begnadete Jazzmusiker schon unzählige unkonventionelle Interviews, jammte mit seinen Gästen und zeigte den Zuschauern mit viel Humor unterschiedliche Musikstile. Da liegt es nahe, dass Iiro Rantala sich jetzt eine Kinderoper vorgenommen hat: Für die Komische Oper Berlin schrieb er zusammen mit der finnischen Bestsellerautorin Minna Lindgren eine Fortsetzung der "Zauberflöte" von Mozart, die vor Witz nur so strotzt. Die Königin der Nacht trägt in der neuen Oper einen Bart, als Zauberinstrument dient die allseits unbeliebte Melodika, und auch die finnische Sauna spielt eine durchaus tragende Rolle. Dazu kommen die Mozartsche Leichtigkeit und der für Iiro Rantala typischer, von eingängigen Melodielinien geprägter Jazz - und fertig ist die spritzige Mischung der "Zaubermelodika", die nicht nur bei den Kindern für Begeisterung sorgt.

Philippe Jarousskys Académie Musicale

Philippe Jaroussky ist ein vielseitiger Musiker: Als einer der weltweit besten Countertenöre pflegt er ein Repertoire vom Barock bis zur Moderne, hat sein eigenes Ensemble und tritt seit Kurzem auch als Dirigent in Erscheinung. "Die wichtigste Sache ist für mich nicht, das Publikum zu beeindrucken - es ist das Publikum zu berühren", sagt Philippe Jaroussky. Er selbst kam eher durch einen Zufall zum Countergesang: Jaroussky war zwar schon mit den Fächern Geige, Klavier und Komposition an den Konservatorien von Versailles und Boulogne-Billancourt eingeschrieben, besuchte dann aber ein Konzert mit einem französischen Countertenor. "Ich war 18 und völlig begeistert. Sofort war mir klar: Ich will unbedingt ein Countertenor werden." In der ersten Unterrichtsstunde sagte seine Lehrerin: "Ich bin nicht sicher, ob du das kannst." Doch Philippe war sich sicher: "Sie müssen mir vertrauen, ich weiß, dass ich ein Countertenor werde!"

Beim Singen muss man immer man selbst bleiben. Das versuche ich meinen Schülern zu vermitteln.
Philippe Jaroussky

Der französische Countertenor Philippe Jaroussky unterrichtet in seiner Gesangsakademie im Kulturzentrum  "La Seine Musicale". | Bildquelle: BR Philippe Jaroussky unterreichtet an der Académie Musicale in Paris. | Bildquelle: BR

Inzwischen hat Philippe Jaroussky seine eigene Musikakademie gegründet und sich damit einen langgehegten Traum erfüllt. Dabei setzt der Countertenor vor allem auf Nachhaltigkeit: "Jemanden nur für eine Stunde zu unterrichten, das ist eigentlich nicht mehr als Show", sagt er. "Helfen kannst du so niemandem." Seine Idee ist es, junge Talente ein Jahr lang zu begleiten, ihnen Anhaltspunkte zu vermitteln, damit sie allein weiterarbeiten können. Und auch nach Abschluss sie immer wieder zu treffen. "So wird das Ganze zu einem wirklichen Austausch."
Philippe Jarousskys Académie Musicale soll ein ergänzendes und zugleich alternatives Modell zu den gängigen Musikkonservatorien in Frankreich bieten. Anfänger im Alter von sieben bis zwölf sowie angehende professionelle Musikerinnen und Musiker aus den Bereichen Gesang, Klavier, Violine und Violoncello von 18 bis 25 Jahren werden im Pariser Kulturzentrum La Seine Musicale unterrichtet. Besonders Kinder aus sozialschwachen Familien der Region werden hier grfördert. So möchte Philippe Jaroussky auch nicht privilegierten Kindern und junge Erwachsenen einen Zugang zur Musik ermöglichen.

Sendung: "KlickKlack" am 17. November 2021 um 00:25 Uhr im BR Fernsehen

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