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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 18. Dezember 2018 Mit Sol Gabetta in Paris

KlickKlack ist mit Sol Gabetta in Paris unterwegs. Hier nahm die Cellistin eine Schumann-CD zusammen mit dem Pianisten Bertrand Chamayou auf. Außerdem in der Sendung: die Sopranistin Elsa Dreisig, der Bariton Matthias Goerne und der Pianist & Cembalist Kristian Bezuidenhout.

Sol Gabetta | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

KlickKlack - Das Musikmagazin | 18.12.2018

Mit Sol Gabetta in Paris

CD-Aufnahme mit Bertrand Chamayou

Hochkonzentriert und tiefversunken, mit riesigen Kopfhörern ausgerüstet, hört Sol Gabetta die letzten Takes der Aufnahme-Session ab. Welche Version schafft es in die Endauswahl? Welche Stellen müssen noch mal wiederholt werden? So eine CD-Produktion ist ein sehr zeitaufwändiges und ziemlich anstrengendes Projekt. Die KlickKlack-Zuschauer dürfen Sol Gabetta und ihrem Duo-Partner Bertrand Chamayou diesmal bei den Aufnahmen in den Studios des La Seine Musicale in Paris über die Schulter schauen. Hier nehmen die beiden Musiker alle Stücke von Robert Schumann auf, die der Komponist für die Besetzung Violoncello und Klavier geschrieben hat.

KlickKlack am 18.12.2018 | Bildquelle: BR Sol Gabetta und Bertrand Chamayou | Bildquelle: BR

Besonders bei dieser Produktion: Bertrand Chamayou spielt nicht auf einem modernen Flügel, sondern auf einem historischen Hammerklavier. Ein Instrument, das zu den Zeiten Schumanns aktuell war. Für Sol Gabetta und ihren Duopartner ist es eine Premiere, das Instrument haben die beiden aber sehr bewusst ausgewählt. "In der heutigen Zeit mit Zugang zu so vielen Informationen und nach dem aktuellen Forschungsstand kann man den Komponisten so nahe kommen wie noch nie", sagt Sol Gabetta. Und diese Möglichkeiten wollen die Musiker gerne nutzen. Für die Interpreten bedeutet es aber auch eine größere Umstellung: Das Hammerklavier unterscheidet sich nämlich von einem modernen Instrument in Rahmenkonstruktion und Besaitung, Mechanik und auch im Klang. Phrasierung, Dynamik, Artikulation - das alles funktioniert nach anderen Prinzipien als bei gewohnten modernen Instrumenten. Für Bertrand Chamayou ist das Hammerklavier ein großer Gewinn für seine Interpretation: "Mein Spiel gewinnt an Natürlichkeit", sagt der Pianist. Auch bestimmte Anmerkungen der Komponisten im Notentext würden sich Bertrand Chamayou plötzlich viel besser erschließen, wenn er die Stücke auf den historischen Tasten interpretiert. Und auch seine Duopartnerin Sol Gabetta profitiert vom Hammerklavier: "Es klingt fast wie ein zweites Streichinstrument. Ich muss im Zusammenspiel nicht mehr so viel gegen das Klavier ankämpfen."

Die Sopranistin Elsa Dreisig

KlickKlack am 18.12.2018 | Bildquelle: BR Elsa Dreisig | Bildquelle: BR

Ihren ersten Auftritt in der Oper hatte Elsa Dreisig schon mit sechs Jahren – in einem Kinderchor. Inzwischen ist die 27-Jährige Ensemblemitglied an der Berliner Staatsoper, singt dort Hauptrollen wie Pamina und Euridice, hat gerade ihre erste CD "Miroirs" aufgenommen - und ist auf einem guten Weg, auch international Karriere zu machen. Elsa Dreisig, die Sopranistin mit französisch-dänischen Wurzeln, wuchs in einer Musikerfamilie auf. Die beiden Eltern, ihre Tante und Cousine sind Opernsänger. Elsa blieb also der Familientradition treu – und setzte auf ihre Stimme, die beeindruckend klar, schillernd, leuchtend und unglaublich facettenreich klingt. Für die junge Musikerin ist ihr Beruf etwas sehr körperliches. Der Fluss der Gefühle, die Energien, die durch den Körper schießen – darauf kommt es Elsa beim Singen an, erzählt sie und strahlt dabei. "Das Gefühl wenn man lacht ist so gut. Ich versuche dieses Gefühl auf das Singen zu übertragen."

Der Dirigent Daniel Barenboim ist ein Fan und Unterstützer von Elsa Dreißg. Vor kurzem machten sie ein gemeinsames Projekt und führten zusammen mit dem West-Eastern Divan Orchestra erstmals David Robert Colemans "Looking for Palestine" für Sopran und Orchester auf. Ein Stück, das Texte aus den Memoiren der amerikanisch-palästinensischen Autorin und Schauspielerin Najla Said vertont. Doch egal, wie viel Lob und Anerkennung Elsa Dreisig vom Publikum und Kollegen bekommt – sie bezeichnet sich selbst als eine große Zweiflerin. "Ich bin nie glücklich damit, wie ich etwas gesungen habe. Ich möchte immer besser werden", sagt die sympathische Musikerin. Doch an ihrer Berufung zweifelt Elsa nie: "Ich bin eine Sängerin. Das steht für mich außer Frage."

Sol Gabetta, Matthias Goerne und Kristian Bezuidenhout

KlickKlack am 18.12.2018 | Bildquelle: BR Matthias Goerne | Bildquelle: BR

Dieses Jahr ist Sol Gabetta Aartist in Residenz beim Lucerne Festival. Für das erste Konzert hat sie sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: ein gemeinsames Projekt mit dem Cembalisten und Pianisten Kristian Bezuidenhout und dem Bariton Matthias Görne. Violoncello und Gesang – diese unorthodoxe Konstellation findet Sol Gabetta besonders spannend. Nicht zufällig hat sie bereits mit der Mezzosopranistin Cecilia Bartoli und dem Programm Dolce Duello ein ähnliches Projekt ins Leben gerufen. Zusammen mit Matthias Goerne und Kristian Bezuidenhout zeigt Sol Gabetta die großen Liedkomponisten Schumann, Mendelssohn, Beethoven, Schubert und Brahms in einer ganz neuen, spannenden Version.

Besuch einer Ausstellung in Paris

Zum Schluss macht KlickKlack noch einen kleinen Spaziergang durch eine Pariser Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton, die zwei Künstler ehrt, die beide zu früh verstarben: Jean-Michel Basquiat und Egon Schiele.

Wenn ich arbeite, denke ich nicht über Kunst nach, sondern über das Leben.
Jean-Michel Basquiat

Auf dem Bauch liegender weiblicher Akt, 1917 | Bildquelle: Albertina, Wien Egon Schiele: Auf dem Bauch liegender weiblicher Akt, 1917 | Bildquelle: Albertina, Wien

Egon Schieles Kunst war  verstörend schockierend und seiner Zeit weit voraus. Er schrieb kurz vor seinem Tod: "Es wird Jahre dauern, bis man meine Kunst anerkennen wird." Und er sollte Recht behalten. Im Gegensatz dazu war Basquiards Kunst schon zu Lebzeiten ein Run. Wild, frei und ungestüm, so warf er sich in die New Yorker Kunstszene.16 war Jean Michel, als er mit sarkastischen Kommentaren und Gedichtfragmenten die Wände der Stadt in Kunst verwandelte. Geprägt von Hiphop und Postpunk gelang ihm der Sprung in die Galerien. Heute erzielen seine krassen, farbenprächtigen Hymnen an das Leben Rekordsummen. 110 Millionen und mehr zahlen Sammler bei Versteigerungen, um diese Bilder zu besitzen.

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