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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 7. Juli 2020 Mit Sol Gabetta beim SOLsberg-Festival

Diesmal begrüßt Sol Gabetta die Zuschauer aus Olsberg in der Schweiz. Hier fand ihr SOLsberg-Festival - wegen Corona ganz anders als geplant, aber zumindest an einem Wochenende - statt. Sols Gäste in der Sendung sind: der Pianist Seong-Jin Cho, die Sopranistin Julia Lezhneva und der Allround-Musiker Frank Fernández.

Cellistin und KlickKlack-Moderatorin Sol Gabetta in Basel. | Bildquelle: BR

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Im Juni 2006 erfüllte sich die Cellistin Sol Gabetta einen Traum: seitdem gibt es in ihrer Schweizer Wahlheimat Olsberg ihr eigenes SOLsberg-Festival. Hier kann Sol mit Freunden und Gleichgesinnten zusammen musizieren und spannende musikalische Programme entwickeln. Und das alles in einer historisch bedeutenden Umgebung. Schnell hat sich dieses Festival herumgesprochen. Presse und Publikum waren begeistert, mittlerweile kommen Besucher aus ganz Europa nach Olsberg. Dieses Jahr musste Sol Gabetta die vom 7. bis 28. Juni geplante 15. SOLsberg-Ausgabe wegen der Corona-Pandemie schweren Herzens absagen. Am Ende ist dem Festival-Team aber doch noch gelungen, kurzfristig ein Ersatzprogramm auf die Beine zu stellen und zwei vollwertige Konzertprogramme mit hochkarätigen Interpreten im kleinen Rahmen – und auch digital für alle zugänglich zu präsentieren.

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Solsberg Concert June 26, 2020 | Bildquelle: Hochrhein Musikfestival (via YouTube)

Solsberg Concert June 26, 2020

Der Pianist Seong-Jin Cho

Für Nelson Goerner, der ursprünglich bei SOLSberg spielen sollte, aber krankheitsbedingt absagen musste, ist der junge koreanische Pianist Seong-Jin Cho spontan eingesprungen – und hat in kürzester Zeit das anspruchsvolle Programm mit Sol Gabetta erarbeitet.

Der koreanische Pianist Seong-Jin Cho probt in der Klosterkirche von Olsberg. | Bildquelle: BR Seong-Jin Cho | Bildquelle: BR

2015 sorgte Seong-Jin Cho für Furore, als er als erster Koreaner überhaupt den Warschauer Chopin-Wettbewerb gewann - einen der weltweit berühmtesten und schwierigsten Klavierwettbewerbe. "Einmal am Chopin-Wettbewerb teilzunehmen, davon habe ich seit meiner Kindheit geträumt", erzählt Seong-Jin Cho. In den Wettbewerbsrunden war er so aufgeregt, dass er direkt danach nicht mehr wusste, was und wie er gespielt hatte. Am nächsten Tag schaute er sich dann die Runden, die auf Youtube übertragen wurden, an, um sich seiner Auftritte zu vergewissern. Die Jury war hin und weg von dem jungen Koreaner, nach dem Sieg hagelte es Auftritte und CD-Aufnahmen, heute spielt Seong-Jin Cho Konzerte auf der ganzen Welt und verzaubert das Publikum mit seinem kristallklaren, transparenten Anschlag. "Für mich ist der Klang das wichtigste", sagt der Pianist. "Bei Beethoven zum Beispiel sollte der Klang etwas Erhabenes haben." Mit diesem hohen Anspruch geht Seong-Jin Cho an jedes Werk heran. "Ich möchte jedes Mal noch besser spielen", sagt er – und experimentiert jedes Mal aufs neue herum, um seinen perfekten Klang zu finden.

Ich versuche, die tiefere Bedeutung der Musik zu verstehen. Wenn ich sage, ich möchte immer besser spielen, dann geht es für mich um die Musik, nicht um Technik.
Seong-Jin Cho

Die Sopranistin Julia Lezhneva

Die russische Sopranistin Julia Lezhneva. | Bildquelle: BR Julia Lezhneva | Bildquelle: BR

Geboren wurde sie auf der Insel Sachalin im Ochotskischen Meer, in der hintersten Ecke Russlands. "Die Natur ist dort wirklich ganz besonders", schwärmt Julia Lezhneva von ihrer Heimatinsel. Schon in Alter von sieben Jahren ging sie zusammen mit ihren Eltern nach Moskau, doch nach dem märchenhaften, schneereichen Sachaliner Winter sehnt sie sich heute noch: "Ich liebe den Schnee und den Winter. Wenn man in Sachalin aufwächst, hat man großes Glück, denn dort gibt es sehr viel Schnee. Manchmal reicht er bis zum zweiten Stock der Häuser."
2011 singt die junge russische Sopranistin die Köchin in Stravinskys "Rossignol" bei den Salzburger Festspielen. Eigentlich nur eine Nebenrolle, doch der 22-Jährigen reichen ein paar Passagen, um die ganze Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Ihre Stimme ist so strahlend rein, so ausgewogen und rund, dass sie nachhaltig in Erinnerung bleibt. 2013 wird Julia Lezhneva mit dem ECHO Klassik in der Kategorie Nachwuchskünstlerin ausgezeichnet.

Die Barockmusik ist einfach das Beste für mein Herz.
Julia Lezhneva

Heute ist Julia Lezhneva 30 und gehört zu den gefeierten Barockmusik-Interpreten. "Meine Stimme ist der Klang meiner Seele", sagt Julia. Mit ihr kann die Sängerin ihre verschiedenen Erfahrungen ausdrücken: "Alles, was man im Leben mitgemacht hat, schlägt sich in der eigenen Stimme nieder." KlickKlack hat die Sopranistin beim Rheingau-Musikfestival vor dem Lockdown getroffen. Zusammen mit dem Ensemble La Voce Strumentale unter Dmitry Sinkovsky hat sie dort ein beeindruckendes Barock-Programm gesungen.

Frank Fernández - Komponist, Pianist und Improvisationstalent

Der kubanische Komponist und Jazzmusiker Frank Fernandez beim Interview in der Allerheiligen Hofkirche in München. | Bildquelle: BR Frank Fernández | Bildquelle: BR

In seiner Heimat Kuba und in Lateinamerika ist er ein Star. Eine lebende Legende: der Pianist Frank Fernández. Dort machte er schon früh von sich reden. Er erhielt zahlreiche nationale und internationale Preise, studierte unter anderem am renommierten Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium und war Mitbegründer des kubanischen Instituto Superior de Arte de Cuba. Auf das Improvisieren versteht sich Frank Fernández genauso gut wie auf die Interpretation notierter Musik. Sein Repertoire reicht von Bach über Mozart, Beethoven, Schubert, Tschaikowsky oder Rachmaninoff bis in die Moderne – einschließlich Folklore, Jazz und Popmusik. "Kuba ist ein bemerkenswertes Land, weil bei uns klassische Musik und Volksmusik nicht voneinander getrennt sind", erklärt Frank Fernández seine vielseitige Begabung. "Volksmusiker studieren bei uns am Konservatorium. Das gefällt mir, weil so alle Musiker zusammenhalten."

Es gab für mich keinen Unterschied zwischen klassischer Musik und Volksmusik, entweder gefiel sie mir - oder sie gefiel mir nicht.
Frank Fernández

Über 650 Werke hat Fernández selbst komponiert, darunter Sinfonien, Kammermusik, Chorwerke, Ballett- und auch Filmmusik. In vielen Ländern gilt er als "der Schöpfer der kubanischen Schule für zeitgenössisches Klavier". Wenn er spielt, spricht aus ihm die Urkraft des kubanischen Musikers, dem das rhythmische Temperament aus den Fingern nur so sprüht. Nicht umsonst bezeichnet ihn sein Landsmann Chucho Valdez, mit dem er viel und gerne zusammen auftritt, als den "vollkommensten kubanischen Pianisten".

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