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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 3. November 2020 Mit Sol Gabetta in Venedig

KlickKlack ist mit Sol Gabetta in Venedig unterwegs. Hier spielte sie ein Konzert im legendären Teatro La Fenice, zusammen mit Bertrand Chamayou. Mit dabei in der Sendung: der "reisende Klavierspieler" Paolo Zanarella und der Tänzer und Choreograf Noé Soulier.

KlickKlack-Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta in Venedig. | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

Ganze Sendung anschauen

Verdis "Rigoletto" und "La Traviata" erklangen auf dieser Bühne zum allerersten Mal, Enrico Caruso und Maria Callas verzauberten hier mit ihren Stimmen die Zuschauer: im Teatro La Fenice. Mitten im Herzen von Venedig liegt dieses Theater, es gilt als eines der schönsten Opernhäuser der Welt. Prachtvoll dekoriert und von Logen mit Gold und Samt umgeben, atmet das Haus bewegte Geschichte voller Höhenfluge und Niederlagen.

Wie der Phoenix aus der Asche

Innenraum des "Teatro La Fenice". | Bildquelle: BR Teatro La Fenice, Zuschauerraum | Bildquelle: BR

1774 wurde das größte Opernhaus Venedigs durch einen Brand vollkommen zerstört. Die Eigentümer und die Betreiber waren sich danach nicht einig, wie es mit dem Theater weitergehen sollte, es kam sogar zu einem Rechtsstreit. An dessen Ende stand der Entschluss, auf einem neuen Grundstück ein ganz neues Theater zu errichten. Größer, schöner und prachtvoller sollte es werden – und den klangvollen Namen "La Fenice", italienisch für Phoenix, tragen. 1792 wurde La Fenice eröffnet, schon nach kurzer Zeit galt es als eine der wichtigsten Bühnen Europas.

La Fenice ist das schönste Theater der Welt. Es gab in Venedig im Barock kein anderes Opernhaus, das 1.000 Plätze hatte.
Fortunato Ortombina, Intendant der La Fenice

Gut 200 Jahre später endete die Erfolgsgeschichte des Theaters vorläufig – schon wieder mit einem Brand, diesmal allerdings beabsichtigt gelegt: Der Elektriker Enrico Carella versuchte so zusammen mit einem Verwandten die Arbeitsmängel bei Renovierungsarbeiten zu vertuschen. Das Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder, Enrico Carella wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Rückseite mit Bootsanlegestelle des "Teatro La Fenice". | Bildquelle: BR Teatro La Fenice, hinterer Eingang vom Wasser aus | Bildquelle: BR

Das Theater machte jedoch seinem Namen wieder alle Ehre, wurde wiederaufgebaut und erstrahlte bald in altem Glanz. Dem Architekten Aldo Rossi war es gelungen, originalgetreue Rekonstruktionen aus dem Jahr 1790 mit technischer Modernisierung zu verbinden und dabei auch die legendäre Akustik des alten Opernhauses wiederherzustellen. So wurde selbst das Holz einer speziellen Behandlung unterzogen, um einen besonders langen Nachklang und eine gute Akustik zu gewährleisten. Seit 2003 ist das Theater wieder geöffnet und lädt seither jährlich tausende von Musikliebhabern aus aller Welt ein, in den Genuss einer der modernsten Bühnentechniken der Welt und der grandiosen Akustik des Saals zu kommen.

Dieser Ort erzählt so viele Geschichten, das spürt man sofort – und das berührt.
Bertrand Chamayou

Auf dieser geschichtsträchtigen Bühne spielen Sol Gabetta und ihr Klavierpartner Bertrand Chamayou ein Konzert mit Werken von Schumann, Britten und Chopin. KlickKlack begleitet die beiden bei den Proben und beim Auftritt. Außerdem treffen wir die Mezzosopranistin Josè Maria Lo Monaco, die in der aktuellen Inszenierung von Rossinis "Il barbiere di Siviglia" am Teatro La Fenice die Rosina singt. Und, ein besonderes Highlight: Fortunato Ortombina, der Intendant der La Fenice höchstpersönlich, gibt uns eine Führung durch das Haus und plaudert aus dem Theater-Nähkästchen.

"Der reisende Klavierspieler" Paolo Zanarella

Pianist Paolo Zanarella spielt auf dem Canale Grande. | Bildquelle: BR Durch die Kanäle von Venedig: Paolo Zanarella | Bildquelle: BR

In Fußgängerzonen, auf Uferpromenaden – aber auch mitten auf dem Wasser in den Kanälen von Venedig, hoch auf dem Berg oder einfach in der Luft baumelnd: Paolo Zanarella spielt überall dort, wo man normalerweise keine Konzerte vermuten würde. Dort, wo die Musik frei klingen kann und nicht durch Räume eingeengt wird. Seit über zehn Jahren reist der unkonventionelle Pianist, ausgerüstet mit einem speziell umgebauten Transporter, durch Italien, um den Menschen besondere Momente mit seinem Flügel zu schenken. Paolo spielt immer umsonst, zuletzt hat er während des Lockdowns für die Leute in Venedig ein Konzert gegeben. "Meine Idee war: ein Klavier mitten in Venedig, in einer Stadt, die nach Jahrhunderten vielleicht zum ersten Mal komplett still war", erzählt Paolo. "Ich wollte ein Zeichen der Hoffnung geben, in einer verlassenen, stillen Stadt."

Musik soll überall erklingen, nicht nur in Opernhäusern und Konzertsälen.
Paolo Zanarella

Paolo Zanarella, Jahrgang 1968, hat sich das Klavierspiel als Autodidakt selbst beigebracht. Mit neun Jahren beginnt er, am Klavier zu experimentieren: "Schon als Kind habe ich es geliebt zu improvisieren, denn für mich ist die Improvisation das Größte in der Musik". Einen Abschluss machte er an seinem Instrument nie, und auch das Komponieren lernte er autodidaktisch. Mittlerweile gehören zahlreiche Kompositionen für Klavier und Orgel, Lieder, polyphone Werke und Musicals zu seinem Repertoire. Er selbst bezeichnet sich als "Il pianista fuori posto". Wörtlich übersetzt bedeutet das "der Pianist, der fehl am Platz ist". Was für ein tolles Konzept! Ebenso wie sein Motto "musica che migliora la vita", "Musik, die das Leben verschönert".

Der Tänzer und Choreograf Noé Soulier

Der französische Choreograf und Tänzer Noé Soulier. | Bildquelle: BR Studierte Tanz und Philosophie: Noé Soulier | Bildquelle: BR

Bei der Tanz-Biennale von Venedig treffen wir auf den jungen Tänzer und Choreografen Noé Soulier. Geboren 1987 in Paris, studierte er Tanz am Pariser Konservatorium, der National Ballet School of Canada, und bei PARTS - Brüssel. Und nebenbei machte das Multitalent seinen Master-Abschluss in Philosophie an der Sorbonne. Noé Souliers Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Spannungsfeld zwischen Gespräch, Mimik und Gesten – und das merkt man auch seinen Choreografien an. Welche Bedeutung tragen Gesten in sich? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Welche körperlichen Erfahrungen bringen Gesten hervor? In seinen Inszenierungen sucht Noé Soulier die Antworten auf diese Fragen.

Ich möchte Choreografien und Bewegungsabläufe neu schaffen – das motiviert mich am meisten.
Noé Soulier

In seiner neusten Arbeit "Portrait of Frédéric Tavernini" setzt sich Soulier mit der Lebens- und Schaffensgeschichte des Tänzers Frédéric Tavernini auseinander. Tavernini selbst tanzt auch die Hauptrolle darin – und kreiert so einen choreografierten Rückblick über seine eigenen Projekte. "Ich habe Frédéric gebeten, diese Stücke nicht nachzutanzen, sondern mir die Choreographien mit Gesten zu zeigen", erklärt Noé Soulier. Diese Gesten hat Soulier zu einer Art "Sätzen" zusammengebaut, die die originalen Bewegungen zeigen, ohne sie zu reproduzieren. Und so eröffnet sich dem Zuschauer eine völlig neue Perspektive auf den Tanz.

Sendung: "KlickKlack" am 3. November 2020 um 23:55 Uhr im BR Fernsehen

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