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KlickKlack

Das Musikmagazin mit Sol Gabetta und Martin Grubinger

KlickKlack am 11. Februar 2020 Mit Sol Gabetta

Diesmal begrüßt Sol Gabetta ihre Zuschauer mit einem ganz neuen Cellokonzert - Wolfgang Rihm hat es für sie geschrieben. Wir treffen den italienischen Jazz-Pianisten Stefano Bollani und berichten über die Neuinszenierung der Wiener Staatsoper von Beethovens selten gespielter Urfassung der Oper "Fidelio".

Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta. | Bildquelle: BR

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Für unsere Moderatorin und Cellistin Sol Gabetta ist das Jahr 2020 ganz aufregend gestartet: Sol erweckte ein neues Cellokonzert zum Leben, das Wolfgang Rihm für sie geschrieben hat: das "Concerto en Sol". In diesem Werk lotet Wolfgang Rihm den Farbreichtum und die lyrische Seiten des Cellos aus und trifft damit Sols Geschmack auf den Punkt.

Das Konzert ist zum Spiegel meiner Person geworden – ohne, dass der Komponist und ich uns vorher persönlich kannten.
Sol Gabetta über das Concerto en Sol

Cellistin Sol Gabetta im Gespräch mit Wolfgang Rihm. | Bildquelle: BR Wolfgang Rihm im Gespräch mit Sol Gabetta | Bildquelle: BR KlickKlack ist bei der ersten Probe mit dem Balser Kammerorchester mit dabei – als der Komponist und die Solistin sich zusammen auf eine spannende Entdeckungsreise begeben.
"Ich bin jetzt richtig enthusiastisch!", sagt Wolfgang Rihm nach der Probe. Man wisse ja als Komponist nie, wie das Werk letztendlich klingt. "Ich kann es mir zwar vorstellen, aber hören kann ich es nicht." Und als das Concerto en Sol dann endlich unter Sol Gabettas Fingern erblüht, wird diese Vorstellung für den Komponisten zum ersten Mal lebendig. "Und jetzt sehen wir – es ist ein schönes Kind geworden!"

Beethovens "Leonore" an der Wiener Staatsoper – der "Ur-Fidelio"

Als Beethoven die erste Fassung seiner einzigen Oper "Fidelio" 1805 im Theater an der Wien uraufführte, fiel das Stück beim Publikum durch. "Mein Sorgenkind", pflegte Beethoven damals über seine Oper zu sagen. Die zweite Fassung – zunächst mit leichten Änderungen – kam unter dem Titel "Leonore" ein Jahr später auf die Bühne. Doch der Komponist war weiterhin unzufrieden und verpasste dem Werk eine Generalüberholung: Sowohl inhaltlich als auch musikalisch gestrafft, gekürzt und von drei Akten auf zwei umgearbeitet, wurde der heute bekannte "Fidelio" ganze neun Jahre nach der ersten Version uraufgeführt.

Als zentralen Beitrag zum Beethovenjahr 2020 hat die Regisseurin Amélie Niermeyer nun den Ur-"Fidelio" an der Wiener Staatsoper inszeniert. Die Premiere war am 1. Februar - und auch wenn die Kritiken an der Inszenierung wenig Gutes fanden, wollen wir in KlickKlack zeigen, warum diese Aufführung musikalisch so grandios und historisch wichtig ist. In der Sendung erklärt uns Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper, warum die erste Fassung so ein Misserfolg war, und wieso dieses Werk gerade aus heutiger Sicht so faszinierend ist.

Es ist ein sehr wichtiges Werk – und ein sehr unbekanntes Werk von Beethoven. Und es gibt ja nicht so viele wichtige Werke von Beethoven, die unbekannt geblieben sind.
Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper, über die Urfassung von 'Fidelio'

Beethovens "Leonore" an der Staatsoper Wien – Szenenfoto | Bildquelle: © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn Szene aus "Leonore" an der Wiener Staatsoper | Bildquelle: © Wiener Staatsoper GmbH / Michael Pöhn

Kann es von Beethoven noch unbekannte Stücke geben? Ja! Und so kann der Hörer in dieser Urfassung tolle Entdeckungen machen - z.B. das Duett zwischen Marzellina und Leonore, das fast kammermusikalisch, zerbrechlich und wunderschön klingt. Nichts destotrotz wurde die Regie bei der Premiere kräftig ausgebuht. Vielleicht sind einige Einfälle der Regisseurin Amelie Niermeyer nicht so gut umgesetzt, aber ihre Idee der doppelten Leonore, mit der sie den inneren Konflikt und die Ängste auf die Bühne bringen wollte, ist schlüssig, einige ihrer Einfälle durchaus gewitzt. Wirklich herausragend war aber das Orchester der Wiener Staatsoper und die Sänger, die zusammen mit dem tschechischen Dirigenten Tomas Netopil, bei der Premiere zurecht bejubelt wurden.

In Wien kann man übrigens demnächst alle drei Fassungen von "Fidelio" erleben, denn das Theater an der Wien wird die zweite Fassung im März auf die Bühne bringen und die so bekannte dritte Fassung hat die Wiener Staatsoper nach wie vor auf dem Programm.

Stefano Bollani – der Meister der Improvisation

Jazzpianist, Sänger, Moderator – und allen voran: begabter Entertainer. Der Italiener Stefano Bollani ist ein virtuoser und humorvoller Solist, ein Künstler, der mühelos mit Stilen und Genres jongliert. Und gerne mal in unorthodoxen Kombinationen, etwa mit dem Pianisten-Kollegen Chick Corea, mit dem Gewandhausorchester Leipzig oder dem brasilianischen Singer-Songwriter Caetano Veloso, anzutreffen ist. Auch mit Sol Gabetta ist Bollani schon zusammen aufgetreten – in seiner eigenen Fernsehsendung.

Die Improvisation entsteht im Moment, und dabei gibt es keine Fehler – die existieren nur in unseren Köpfen.
Stefano Bollani

Der italienische Musiker Stefano Bollani. | Bildquelle: BR Stefano Bollani | Bildquelle: BR

"Ich liebe Musik aller möglichen Richtungen: Klassik, Tango, Brasilianisches und Jazz in all seinen Schattierungen natürlich", sagt Stefano Bollani. Für sein neustes Projekt knüpft sich der Temperamentbündel Bollani die weltberühmte Rock-Oper "Jesus Christ Superstar" von Andrew Lloyd Webber vor, für die er schon immer ein Faible pflegte. Und macht daraus - wie immer - ein Improvisationsfeuerwerk. "Für mich ist es immer das gleiche: Egal, ob ich schreibe, spreche oder Klavier spiele - ich improvisiere", sagt Stefano Bollani. Und das, was dabei herauskommt, ist immer herrlich lässig, voller Leichtigkeit und Lebensfreude.

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