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Mittagsmusik - Thema der Woche 50 Jahre Internationale Jazzwoche Burghausen

Zum 50. Mal kommen im März 2019 internationale Jazzgrößen ins bayerische Burghausen. In den letzten Jahrzehnten waren Stars wie Nina Simone, Count Basie, Ella Fitzgerald oder Chet Baker bei der Jazzwoche zu Gast und Burghausen entwickelte sich von einem Städtchen, das ein kleines improvisiertes Festival beherbergt zu einem Ort, der bei Jazzern international einen Namen hat. Mit exemplarischen Aufnahmen aus den letzten fünf Jahrzehnten ist die Mittagsmusik diese Woche im Jazzfieber.

Saxophonist und Festivalgründer Joe Viera auf der Bühne in Burghausen | Bildquelle: Joe Viera

Bildquelle: Joe Viera

Im Oktober 1969 entsteht die Idee im gemütlichen bis verschlafenen Burghausen mal ein Jazzfestival zu veranstalten. Die Initiatoren: Helmut Viertl, ein jazzbegeisterter Gerichtsvollzieher und Joe Viera, Diplom-Physiker, Saxophonist und Pädagoge. Wie man es dann von "mal ein Festival" zu einer 50jährigen Erfolgsgeschichte bringt, erklärt Joe Viera so trocken wie pragmatisch:

Es war klar, wir durften nur eins nicht machen: wieder aufhören.
Joe Viera

Burghausen, ein Grenzort, ganz im Südosten Bayerns und ziemlich weit ab vom Trubel der Kulturzentren bietet ein besonderes Potential für ein Jazzfestival. Die Wege sind kurz, Fans und Musiker treffen in den Kneipen immer wieder aufeinander und die Bewohner Burghausens sind nicht nur geographisch Grenzgänger, sondern auch tolerant eingestellt gegenüber Andersdenkenden.

Die 1970er Jahre

Anfangs hieß es noch "Jazzwoche Burghausen" ohne das Wörtchen "international", auch wenn der Jazz ja per se eine ziemlich internationale Musik ist. Die Musiker beim Abschlusskonzert der allerersten Jazzwoche kamen immerhin aus der Schweiz, Ungarn, Österreich und Deutschland.

Zwei Ausschnitte aus den Anfangsjahren des Jazzfestivals Burghausen hören wir in der Mittagsmusik, aus dem Konzert der Oscar Klein Combo von 1970 und aus dem der Klaus Weiss Big Band von 1972.

Die 1980er Jahre

Die Jazzwoche Burghausen hatte schon wirklich internationale Bedeutung, dank vieler ehrenamtlicher Helfer wurden Festivalabende von Weltformat auf die Beine gestellt. Stars wie Dexter Gordon oder Chet Baker kamen nach Burghausen. Letzterer wurde noch bevor er auftreten konnte wegen eines Drogendelikts verhaftet.  

Wir hören rein in das Konzert des Dexter Gordon Quartets von 1980 und in das Konzert des Bireli Lagrène Ensembles von 1982.

Die 1990er Jahre

Nina Simone in der Avery Fisher Hall in New York 1985. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo Nina Simone | Bildquelle: picture alliance/AP Photo Die großen Stars kamen nach Burghausen, vom Modern Jazz Quartet bis Manu Dibango aus Kamerun und die Jazz-Fans waren hingerissen. Nach einem Konzert der Sängerin Nina Simone stürmten enthusiastische Zuschauer die Bühne, um sie zu feiern.

Aus diesem Konzert von 1991 bringen wir in der Mittagsmusik einen Ausschnitt und außerdem von 1996 "Stompin at the savoy" mit der Band des großen Saxophonisten Illinois Jacquet.

Die 2000er Jahre

Ein Jahrzehnt der Bigbands, die führenden waren in Burghausen zu Gast, jedes Jahr eine andere, die Toshiko Akiyoshi Big Band, die Big Chris Barber Band, die von Joshua Redman oder die von Martial Solal. Sogar Free Jazz mit einer Big Band war in den 2000ern beim Jazzfestival zu erleben.

2006 gab Freddy Cole, der kleine Bruder von Nat King Cole, ein Konzert in der Wackerhalle, eine Sternstunde, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen, außerdem swingende Saxophonmusik in dem Konzert "Two Tenors" von 2007.

Die 2010er Jahre

Der Schlagzeuger Wolfgang Haffner | Bildquelle: © Antje Wiech / ACT Der Schlagzeuger Wolfgang Haffner | Bildquelle: © Antje Wiech / ACT In den Anfangsjahren wurden der Jazzwoche Burghausen die Stilkontraste und ungewöhnlichen Kombinationen in den Programmen als "Gemischtwarenladen" vorgeworfen. Mittlerweile ist genau das eine ihrer großen Stärken, sei es nun afrokubanischer Jazz als Tribut für Dizzy Gillespie oder der gemeinsame Auftritt von Jazzbassist Ron Carter mit dem klassischen Akkordeonisten Richard Galliano.  

Einen Ausschnitt aus dem Konzert von Galliano und Carter hören wir diese Woche. Letzterer veranstaltete 2016 einen Meisterkurs, auch das ist eine gute Tradition beim Burghauser Festival, die Weitergabe von Wissen und Können.

Stammgast an der Salzach ist der Schlagzeuger Wolfgang Haffner, mehr als 15 Mal war er schon dabei. Auch zum 50. Jubiläum lässt er sich wieder auf die ganz besondere Atmosphäre zum Anfassen ein, als Stargast der Hausband im Jazzkeller. Seine Fassung des "Concierto de Aranjuez" von Joaquin Rodrigo, die er letztes Jahr beim Festival spielte bringen wir in der Mittagsmusik.

"It has Lines in it's Face - Internationale Jazzwoche Burghausen."

Zum 50. Jubiläum der Jazzwoche Burghausen ist jetzt ein Buch der beiden Jazzredakteure von BR-Klassik Roland Spiegel und Ulrich Habersetzer erschienen, die seit Jahren in ihren Radiosendungen über das Festival berichten. "It has Lines in it's Face" lautet der Titel des liebevoll bebilderten Buches, in dem zwei Männer am Gleis über den Ursprung der Jazzwoche berichten, Geschichten hinter der Geschichte erzählt werden und über Geld gesprochen wird.
Roland Spiegel / Ulrich Habersetzer, Stadt Burghausen, 300 Seiten (ISBN: 978-3-9820505-1-5)

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