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Mittagsmusik - Thema der Woche Zum 20. Todestag der Chanson-Sängerin Barbara

"Paris besingt man immer wieder, von Göttingen gibt’s keine Lieder" – so lautet der Text eines Liedes der französischen Chanson-Sängerin Barbara. Aber wer ist diese Barbara? In Deutschland kennen wir Juliette Gréco, Edith Piaf oder Jacques Brel, alles berühmte Vertreter des französischen Chansons. Barbara dagegen ist weitgehend aus unseren Erinnerungen verschwunden. Nicht so, in Göttingen!

Dabei stand diese enge Verbindung zwischen der Französin und der niedersächsischen Universitätsstadt zunächst unter keinem guten Stern. Im Juli 1964 war die Sängerin eingeladen worden, im Jungen Theater der Stadt ein Konzert zu geben.
Der Auftritt drohte damals zu scheitern, weil der benötigte Konzertflügel nicht verfügbar war. Ein paar engagierten Studenten war es dann zu verdanken, dass Barbara trotzdem blieb und sang, sogar eine ganze Woche lang! Die junge Französin freundete sich mit den Studenten an, diskutierte mit ihnen über die jüngste Geschichte, über das Leben in Frankreich und Deutschland und schrieb schließlich ein Lied über ihre Zeit in Göttingen.
Das Chanson wurde zu einem ihrer größten Erfolge und findet auch heute noch, gerade in der deutsch-französischen Politik, immer wieder gerne Erwähnung: Den längsten Zwischenapplaus erhielt zum Beispiel der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder im Januar 2003 bei der Feier zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrages in Versailles, als er neben vielen anderen wichtigen Meilensteinen der deutsch-französischen Politik auch den Text des Chansons "Göttingen" zitierte.

Göttingen als Hymne der Versöhnung

Die Erfahrungen der 1930 als Monique Serf in Paris geborenen Sängerin mit Deutschland sind allerdings nicht gerade beste Voraussetzung, eine Hymne der Versöhnung und Völkerverständigung zu schreiben: Während des Krieges muss die jüdische Sängerin mit ihrer Familie immer wieder vor den Nazis fliehen und schließlich die letzten Jahre bis Kriegsende in Südfrankreich untertauchen.

Nach dem Krieg studiert Barbara in Paris klassischen Gesang, bricht die Ausbildung jedoch ab, um Chanson-Sängerin zu werden. Im Quartier Latin verdient sie sich in den Cabarets ihren Lebensunterhalt mit Chansons von Edith Piaf, Yvette Guilbert und Georges Brassens – ohne großen Erfolg.

Alexandre Tharaud | Bildquelle: Marco Borggreve - Warner Classics Der Pianist Alexandre Tharaud | Bildquelle: Marco Borggreve - Warner Classics Erst als sie beginnt, ihre eigenen Lieder zu schreiben, kommt für sie der große Durchbruch in den 60er Jahren. Sie verlässt die kleine Bühne des Cabarets "L’Ecluse" und wechselt schließlich auf die großen Pariser Bühnen. Ihre Lieder erzählen ihr ganzes Leben: Von der Verfolgung im Krieg, vom Missbrauch durch ihren Vater, ihren Krankheiten, aber auch von Liebe, Leidenschaft und Freundschaft.

Zum 20. Todestag der Chanson Sängerin, die am 24. November 1997 in Paris starb, hat der Pianist Alexandre Tharaud ihr zu Ehren ein Album aufgenommen. Berühmtheiten der französischen Kulturszene interpretieren darauf zusammen mit Tharaud die Lieder von Barbara. Wie das klingt und mehr über die Hintergründe der Aufnahme und der Sängerin, erfahren Sie diese Woche in der Mittagsmusik!

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