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Mittagsmusik - Thema der Woche Der g'schupfte Ferdl - Thema in fünf Variationen

Sie war der größte Erfolg des Wiener Kabarettisten Gerhard Bronner: Die Boogie-Ballade vom g'schupften Ferdl . 1952 von Bronner geschrieben, hat die geniale Interpretation durch Helmut Qualtinger Ende der 50er Jahre unerreichte Maßstäbe gesetzt. Kaum bekannt ist, daß das Lied in gleich fünf - gewissermaßen: authentischen - Text-Varianten existiert.

Tanzlokal | Bildquelle: picture-alliance / akg-images / Paul Almasy

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Der Grundeinfall zu dem Lied war eigenes Erleben. Bronner war bei Thumser in eine Schlägerei der Tanzschüler geraten, das Lied dazu schrieb er beim Nachhausefahren in der Wiener Stadtbahn. Allerdings ließ sich der weitere Verlauf etwas zäh an.
Zwar war Helmut Qualtingers Live-Vortrag im Kabarettprogramm "Brettl vor'm Kopf" ein grandioser Erfolg, doch Bronner fand für das Lied erst keinen Verlag ("viel zu lang!") und dann auch keine Plattenfirma ("das versteht doch außerhalb Wiens kein Mensch!").
Als Bronner dann die Platte in kleiner Auflage selbst finanzierte, wurde er von der Tanzschule Thumser verklagt. Schlägereien wie die im Lied geschilderte, hieß es, seien im Hause Thumser völlig unüblich. Bronner mußte sämtliche übriggebliebenen Platten vernichten.
Doch als die Presse über den Prozeß berichtete, wollten mit einem Mal alle Leute dieses Lied hören. Bronner nahm es neu auf und ersetzte den verbotenen Namen "Thumser" durch eine frei erfundene "Tanzschule Wimmer". Ein paar Jahre später dann durfte Helmut Qualtinger den "g'schupften Ferdl" wieder beim Thumser tanzen lassen. Diesmal offenbar völlig unbehelligt.

Der g‘schupfte Ferdl zieht nach Norden

Weil auch die Nordlichter in Deutschland etwas vom berühmt gewordenen Ferdl haben sollten, verfaßte Gerhard Bronner für das NDR Fernsehen eine hochdeutsche Version, in der der Ferdinand als "blasser Gustav" auf einem Ball des Sportvereins "Eintracht" zur Musik von Emil Papenhudes Band eine heiße Sohle aufs Parkett legt.

Altspatzenschwung in Kaisermühlen

Der Wiener Automechaniker Werner Lahner schrieb in den 90er Jahren eine Textparodie, die Bronner aufgriff und auf Platte sang. Der g'schupfte Ferdl und seine Mitzi sind alt geworden, aber immer noch rüstig. Sie vergnügen sich jeden Donnerstag in Kaisermühlen beim Rock'n'Roll-Nachmittag des Senioren-Clubs ("für die Damen gibt's umsonst ein Glaserl Wein") und gedenken der alten Zeiten.

Dirty Ferdy at the Dead Man's Bar

Die Woche in der Mittagsmusik endet mit einer absoluten Rarität: Georg Kreislers Version des "gschupf­ten Ferdl“ in englischer Sprache, erschienen 1958 auf einer heutzutage sehr seltenen Vinyl-Single. Farmer Joe feiert Hochzeit, und in der "Dead Man's Bar" werden Dirty Ferdy und seine Freundin Dirty Marilyn in eine großartige Rauferei verwickelt.

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