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Mittagsmusik - Thema der Woche Durch Einspringen zur Weltkarriere

Wie bitter muss es für einen arrivierten Künstler sein, eine Vorstellung abzusagen? Für den Einspringer dagegen kann es DIE Chance für seine Karriere bedeuten! In der Mittagsmusik geht es in dieser Woche um Karrieren, die von heute auf morgen einen enormen Schub erfahren haben. Künstler, wie Montserrat Caballe oder Lang Lang haben an einem frühen Punkt ihrer Karriere den Nervenkitzel nicht gescheut und damit international auf sich aufmerksam gemacht.

Leonard Bernstein | Bildquelle: Picture-Alliance / Photoshot

Bildquelle: Picture-Alliance / Photoshot

Eine große Portion Abgebrühtheit gehört schon dazu, wenn man sich auf das Abenteuer in letzter Minute einzuspringen einlässt. Da heißt es, schnell reagieren, schnell entscheiden. Schaff ich das? Hab ich die Rolle / das Konzert drauf? Machen meine Nerven mit?

Für Agenturen und Theater gehören derartige Szenarios zum ganz normalen Theateralltag. Routiniert wird nach Ersatz gesucht und die Anreise und Unterkunft organisiert. Aber für die Künstler bedeutet es Stress pur, sich auf ein fremdes Orchester, einen fremden Dirigenten einlassen, oft sogar ohne Anspielprobe auf die Bühne zu gehen. Oder an der Opernbühne in ein vollkommen fremdes Regiekonzept einzusteigen.
Das ist nicht jedermanns Sache. Man wird als Retter des Abends gefeiert, aber Fehler werden dennoch nicht verziehen. Wer nicht gut ist, wird nicht mehr eingeladen. So läuft es. Aber wer einen kühlen Kopf behält und sich auf sein Können verlassen kann, der hat einen entscheidenden Schritt in seiner Karriere gemacht.

Arturo Toscanini | Bildquelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library Der 22jährige Arturo Toscanini. Ein Foto aus dem Jahr 1889. | Bildquelle: picture alliance/Mary Evans Picture Library Solche Erfolgsgeschichten gibt es tatsächlich häufig in der Musik. Der große Dirigent Arturo Toscanini ergriff zum ersten Mal den Dirigierstab, da war er gerade 19 Jahre alt und Cellist in einer Opernkompagnie, als der Dirigent ausfiel. Viel Ahnung von Schlagtechnik hatte der junge Toscanini nicht, brachte aber die Vorstellung zu einem glücklichen Ende und sicherte sich damit seinen ersten Auftritt an der Mailänder Scala.
Oder ein weiteres Beispiel ist Leonard Bernstein. Er sprang 1943 mit nur 25 Jahren für den erkrankten Bruno Walter ein, und das gleich in der New Yorker Carnegie Hall mit einem Top-Orchester. Der Mythos Lennie war geboren!

Absagen der Sopranistin Marilyn Horne befeuerten gleich zwei Sängerkarrieren: 1965 übernahm die noch unbekannte Montserrat Caballé eine konzertante Vorstellung der "Lucrezia Borgia" in der Carnegie Hall und knapp 30 Jahre später, 1992, rettete Vesselina Kassarova bei den Salzburger Festpielen die Vorstellung des "Tancred".

Ebenso erging es 1959 Leonie Rysanek an der New Yorker Met. Durch den legendären Streitigkeiten über Gagen, Reisen und Rollen zwischen dem Intendanten Rudolf Bing und Maria Callas, erhielt Leonie Rysanek ihre große Chance. Sie war über 40 Jahre lang Publikumsliebling an der Met.

Eine Erfolgsgeschichte neueren Datums darf in dieser Woche natürlich auch nicht fehlen. Im Jahr 1999 sprang der noch unbekannte Lang Lang, gerade mal 17 Jahre alt, für André Watts ein und beeindruckte Publikum und Kritiker mit Tschaikowskys Klavierkonzert. Mit Sicherheit ein Tag, den Lang Lang nie vergessen wird!

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