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Mittagsmusik - Thema der Woche Eric Ericson: "Wir haben so gut wir konnten gesungen"

Eric Ericson ist der Inbegriff für herausragenden a cappella Chorgesang. Wer etwas werden wollte in der Chorwelt, der ging in den 70/80er Jahren zu Ericson oder lud ihn als Gastdirigenten ein. Zum 100. Geburtstag ehrt ihn die Mittagsmusik im Thema der Woche.

Eric Ericson | Bildquelle: Polar Music Prize

Bildquelle: Polar Music Prize

Eric Ericson wird im Oktober 2018 als Sohn eines Pfarrers im Südwesten Schwedens geboren und wächst dann auf Gotland auf. In der Familie und in der Kirche kommt der junge Ericson früh mit Musik in Verbindung. Bereits im Alter von 13 Jahren gründet er sein erstes Chorensemble, eine Jugendgruppe, mit dem er in der Kirche die musikalische Gestaltung übernimmt:

„Das Singen hatte im Gottesdienst eine Funktion. Und wir haben so gut wir konnten gesungen. Darum war es für mich so natürlich mit Chor. Es wurde in Schweden nicht nur in der Freikirche gesungen, auch in der Arbeitsgemeinschaft, in der Heimatbewegung gab es viel Chorgesang. Man kann sagen in den nordischen Ländern allgemein, aber besonders viel in Schweden.“

Chorwunder aus dem Norden

Unterstützt von guten Musiklehrern studiert Ericson Kirchenmusik und Schulmusik an der königlichen Musikhochschule in Stockholm und an der Schola Cantorum in Basel. Er wird Kantor an der St. Jakobskirche in Stockholm und gründet 1945 den Stockholmer Kammerchor, der sich 1988 ihm zu Ehren in „Eric Ericson Kammerchor“ umbenennt. Der Grundstein dieses Chores ist eine Art Studienzirkel. Morgens um halb 8 trifft man sich in der Wohnung von Ericson und singt Alte Musik.

„Unser Hauptinteresse war Renaissancemusik. Wir haben Monteverdi, Schütz, Gesualdo, Morley…  gesungen (). Wir haben über diese Komponisten gelesen, aber wir haben auch verstanden, das ist sehr wesentliche und wichtige Musik. … unsere Motivation war eigentlich wie eine Forschungsgruppe, wie ein Studienzirkel…, dass lag wohl in der Zeit, es war ein Hunger, ein Interesse und eine Neugierigkeit besonders an der Alten Musik.“

Es ist ein Verdienst von Eric Ericson, dass Musik von Schütz, Monteverdi u.a. Komponisten heute ganz selbstverständlich zum Chorrepertoire der renommierten Chöre gehört. Aber Ericson hat nicht nur die Alte Musik in den Focus gerückt, auch die zeitgenössische:

 „glücklicherweise kam ziemlich früh auch die moderne Musik. In dieser Studiengruppe gab es auch Komponisten. Die haben uns neue Stücke gegeben mit einer völlig neuen Tonsprache.“

Eric Ericson | Bildquelle: © Deutscher Chorverband e.V.

Bildquelle: © Deutscher Chorverband e.V.

26. Oktober 1918 - Eric Ericson wird geboren

Nie ohne Chor

Als Chef des schwedischen Rundfunkchores zum Beispiel widmet er sich verstärkt der modernen, zeitgenössischen Chormusik. Zudem leitet er den renommierten Männerchor Orphei Drängar und über vier Jahrzehnte unterrichtet er als Professor für Chorleitung an der Stockholmer Musikhochschule.

Bescheidene Legende

Schon zu Lebzeiten eilt Eric Ericson sein Ruf als Chorleiter voraus. Seit den 1970er Jahren ist sein Name in aller Munde, Amateur- wie Profichöre in ganz Europa singen skandinavische Chormusik. Auch der Chor des Bayerischen Rundfunks arbeitet mit Ericson.

Eric Ericson Autogrammkarte | Bildquelle: Archiv des BR Autogrammkarte von Eric Ericson aus dem Archiv des BR. | Bildquelle: Archiv des BR „Ericson war eigentlich eine Legende als er gekommen ist. Es war eher sehr angenehm, wie bescheiden er aufgetreten ist. Er hat keinen Hype um seine Person gemacht. Er kam und hat gearbeitet.“

Chormitglieder Gabriele Weinfurter und Theodor Weimer erlebten Ericson in der Probenarbeit zielorientiert, mit genauer Klangvorstellung und präzisem Dirigat. Dabei habe es anfangs durchaus Verständnisschwierigkeiten gegeben:

„Er hatte eine ganz eigene Dirigiersprache. Das war für uns damals schwierig, weil er sie uns vorher nicht übersetzt hat. Das war so wie wenn einer kommt und spricht Chinesisch und erwartet, dass wir das auch verstehen. … Er hat uns Zeichen gegeben und wir haben sie natürlich nicht befolgt, weil wir keine Ahnung hatten, was er wollte.“

Basis für jeden Chor sollte nach Ericson das A cappella singen sein.

„Chorqualität wird immer in a cappella aufgebaut. … Intonation muss im Chor liegen, keine Instrumente stützen. Es muss eine eigene Qualität sein. Und auch die Balance, dass man einander gut hört, dass man in den richtigen Proportionen singt, das versteht man nur im A cappella richtig.“

In der Arbeit mit den Profis ist dem schwedischen Chordirigenten der intonationssichere A cappella Klang, die Musik am wichtigsten. Davon halten ihn auch ungünstige Umstände, wie ein auf der Reise verloren gegangener Koffer, nicht ab.

„Der alte große Mann saß hier ohne sein Gepäck, ohne seine persönlichen Dinge. Aber was ganz besonders schwer gewogen hat: ohne seine eigenen Noten und ohne sein Aufnahmegerät, dass er in jeder Probe hat mitlaufen lassen. … Das Management forschte nach, wo ist denn der Koffer. Da hat er gesagt: Ach, es ist ärgerlich. Ein Handschlag. Machen wir Musik. Ist aufgestanden und in die Probe gegangen.“

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