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Mittagsmusik - Thema der Woche Kino der Träume und Obsessionen - Federico Fellini zum 100. Geburtstag

Mit Mut und Originalität wurde der Filmemacher Federico Fellini zum Visionär des italienischen Nachkriegsfilms. Fellini hat Filmgeschichte geschrieben und zahlreiche Regisseure nachhaltig beeinflusst. Nicht umsonst führte sein Gesamtwerk den Begriff "fellinesk" in die Sprache ein - für groteske Gestalten, fantastische Traumwelten und bunte Bilderbögen mit skurrilen Situationen. Am 20. Januar wäre der Regisseur 100 Jahre alt geworden. Ein Grund für die Mittagsmusik ihn und seine Arbeit zum Thema der Woche zu machen.

Federico Fellini | Bildquelle: picture-alliance / Mary Evans Picture Library

Bildquelle: picture-alliance / Mary Evans Picture Library

Ich habe mein Leben selbst erfunden. Ich habe es eigens für das Kino erfunden. Bevor ich den ersten Film gedreht habe, habe ich nichts anderes getan, als mich darauf vorzubereiten, groß und stark genug zu werden, um mich mit der notwendigen Energie aufzuladen, um eines Tages Aufnahme sagen zu können.
Federico Fellini

Diese große Vorbereitung auf ein Leben als Filmemacher begann in der Kleinstadt Rimini, wo Fellini 1920 als erstes von drei Kindern geboren wurde. Wann immer er konnte zeichnete er: seine Lehrer, seine Mitschüler und auch Politiker.
Noch während seiner Schulzeit machte sich Fellini mit ersten Karikaturen und Zeichnungen einen Namen, die er an Provinzzeitungen verkaufte.
Nach seinem Studium in Rom war Fellini zuerst als Journalist und Karikaturist tätig und begeisterte seine Leserschaft mit seinen bissig selbstironischen Schilderungen über seine Jugend in der Provinz und seine Anfänge in Rom. Viele dieser Themen tauchten auch später in seinen Filmen wieder auf.

Als der vielseitig interessierte junge Künstler neben seiner Tätigkeit als Journalist auch beim Variététheater und beim Radio arbeitete, lernte er die Sprecherin und Schauspielerin Giulietta Masina kennen. Im Jahr 1943 heirateten sie. Seine Bekanntschaft mit dem Regisseur Roberto Rosselini ebnete ihm den Weg zum Film. Schon davor hatte Fellini mit dem Drehbuchschreiben erste Film-Luft geschnuppert, aber jetzt konnte er als Assistent Rosselinis aktiv Filme machen.

Sein Debüt als Regisseur feierte er 1950 mit dem Film "Lichter des Variété" und nur vier Jahre später erhielt er seinen ersten Oscar für die Regiearbeit zu "La strada - Lied der Straße", nicht zuletzt wegen der beiden großartigen Hauptdarsteller Anthony Quinn und Giulietta Masina, Fellinis Ehefrau.
Für seine Filme (u.a. "La dolce vita", "8 1/2", "Amarcord", "Casanova") erhielt er zahlreiche Preise, allein der Film "La strada" brachte ihm über fünfzig ein, darunter den ersten von fünf Oscars. Den letzten erhielt er kurz vor seinem Tod für sein Gesamtwerk.

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Amarcord Trailer (Federico Fellini, 1973) | Bildquelle: janusfilms (via YouTube)

Amarcord Trailer (Federico Fellini, 1973)

Viele seiner Filme tragen autobiographische Züge, wie zum Beispiel "I Vitelloni - Die Müßiggänger", wo es um gelangweilte Heranwachsende in einer Kleinstadt geht, oder "Roma", das Fellinis Ankunft als junger Mann in Italiens Hauptstadt zur Zeit des Faschismus beschreibt.
Während seine ersten Regiearbeiten noch dem italienischen Neorealismus verpflichtet waren, der die ungeschminkte Realität des vom Faschismus gebeutelten Landes zeigte, vermischten sich in seinen späteren Filmen häufig Traum- und Realitätsebene, eine Folge von Fellinis Interesse für die Traumdeutung und die Psychoanalyse.

Der Schauspieler Marcello Mastroianni war ein langjähriger Weggefährte Fellinis und spielte in vielen seiner Filme die Hauptrolle. Mit Figuren wie dem skrupellosen Fotoreporter in "La dolce vita", oder dem Regisseur Guido Anselmi in "8 1/2" ging er in die Filmgeschichte ein.
Aber auch Filmkomponist Nino Rota ist untrennbar mit Fellinis Werken verbunden. Ab dem Jahr 1952 arbeiteten die beiden zusammen und bis zum Tode Rotas im Jahr 1979 verwendete Fellini für seine Filme ausschließlich dessen Musik. Rotas Nachfolger war Nicola Piovani, er war in den letzten drei Filmen Fellinis für die Musik zuständig.

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