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Mittagsmusik - Thema der Woche Filmmusik à la francaise

Vielleicht gerade mal eine Handvoll Filmkomponisten sind dem Normalbürger vertraut: darunter John Williams, Ennio Morricone und Hans Zimmer. Viele Kollegen bleiben meist unerkannt. Aber gerade Frankreich hat einige Komponisten vorzuweisen, die auch über die Landesgrenze hinaus mit Filmproduktionen Erfolg hatten und den Weg in die großen amerikanischen Filmstudios geschafft haben. In der Mittagsmusik stellen wir in dieser Woche Gabriel Yared und seine Kollegen Bruno Coulais, Philippe Rombi, Alexandre Desplat und Yann Tierseen vor.

Matt Damon in "Der talentierte Mr. Ripley" | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Gabriel Yared ist sicherlich nicht der typische Filmmusikkomponist – "Er sei kein Filmexperte, kein Mann der Bilder und außerdem gehe er nicht ins Kino".

Er zieht es vor, als Komponist die Bilder in sich selbst zu finden. Daher auch seine eher unorthodoxe Arbeitsweise:  Am liebsten fängt er an zu komponieren noch bevor die ersten Szenen gedreht werden. Er abstrahiert lieber erst die Handlung, bevor das Visuelle dazu kommt. Das ist eine Herangehensweise, die ziemlich zeitaufwendig ist und auch sicher nicht jedem Regisseur entspricht.

Mit Anthony Minghella war das kein Problem. Zusammen mit ihm arbeitete Yared am Film "Der englische Patient", der ihm 1997 einen Oscar, einen Golden Globe und einen Grammy für die beste Filmmusik einbrachte. Und weil die Zusammenarbeit so erfolgreich geendet hatte, holte Minghella Yared gleich für weitere Filme mit in sein Team: "Der talentierte Mr Ripley" folgte 1999 und "Unterwegs nach Cold Mountain" dann 2003. Als Komponist ist Yared, dessen Wurzeln im Libanon liegen, weitgehend autodidakt. Seine erste Erfahrung für das Medium Film sammelte er 1979 in Paris für den Filmregisseur Jean-Luc Godard. Ohne eine einzige Szene des Films gesehen zu haben und nur nach kurzen Absprachen mit Godard, schrieb Yared die Filmmusik zu "Rette sich wer kann (das Leben)". Für Yared eine wertvolle Erfahrung, durch die er sich in seiner Arbeitsweise bestätigt sah.

Weltmusik und zeitgenössische Musik stehen im Fokus der Filmmusik von Bruno Coulais. Das ist sicherlich nicht sehr Blockbuster-tauglich, aber dafür passt es sehr gut zum europäischen und besonders zum französischen Kunstfilm. Von der französischen Filmmusiktradition eines Maurice Jaubert, Philippe Sarde oder Georges Delerue setzt er sich bewusst ab und so hat sich Bruno Coulais mit seiner Liebe zur menschlichen Stimme, mit Verwendung außereuropäischer Instrumente und verschiedener musikalischer Kulturen seinen ganz eigenen persönlichen Stil entwickelt. Dass man damit auch Erfolg haben kann, zeigt die Musik zu Christophe Barratiers Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu", die ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte.

Filmszene "Ludwig II." | Bildquelle: Bavaria Pictures, Dor Film, Warner Bros. Entertainment GmbH, Rolize, B.A. Production, ARRI Film & TV Services / Stefan Falke Szene aus dem Film "Ludwig II." | Bildquelle: Bavaria Pictures, Dor Film, Warner Bros. Entertainment GmbH, Rolize, B.A. Production, ARRI Film & TV Services / Stefan Falke Weltmusik und zeitgenössische Musik stehen im Fokus der Filmmusik von Bruno Coulais. Das ist sicherlich nicht sehr Blockbuster-tauglich, aber dafür passt es sehr gut zum europäischen und besonders zum französischen Kunstfilm. Von der französischen Filmmusiktradition eines Maurice Jauberts, Philippe Sardes oder Georges Delerues setzt er sich bewusst ab und so hat sich Bruno Coulais mit seiner Liebe zur menschlichen Stimme, mit Verwendung außereuropäischer Instrumente und verschiedener musikalischer Kulturen seinen ganz eigenen persönlichen Stil entwickelt. Dass man damit auch Erfolg haben kann, zeigt die Musik zu Christophe Barratiers Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu", die ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte. 2012 spielte das Münchner Rundfunkorchester seinen Soundtrack zu dem Film "Ludwig II" ein.

Gefühle und Gedanken des Regisseurs

In Hollywood ist es mittlerweile gängige Praxis, unter einen Film bereits existierende Musik zu legen, damit sich das Team die Endversion besser vorstellen kann, und auch um dem Komponisten eine Richtung vorzugeben. Mit dieser Praxis kann sich Philippe Rombi nicht so gut anfreunden. Er interessiert sich für die Gefühle und Gedanken des Regisseurs und sucht in der gemeinsamen Arbeit stets das Gespräch. . Er findet, letztendlich sind sie doch alle Künstler und sollten sich offen über ihr Projekt austauschen. Mit Regisseur François Ozon verbindet ihn schon seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit und er hat unter anderem die Musik zu den Filmen "Frantz", "5x2 – Fünf mal zwei" und "Swimming Pool" geschrieben.

Alexandre Desplats Liste an Filmmusiken ist sehr lang! Im Durchschnitt schreibt er vier bis fünf Filmmusiken pro Jahr, wobei er es trotz der vielen Aufträge und strengen Zeitpläne Hollywoods schafft, sich seinen eigenen Stil zu bewahren. Der internationale Durchbruch gelang ihm 2003 mit der Musik zum Film "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" mit Scarlett Johannson und Colin Firth in den Hauptrollen. Seitdem reiht sich ein Film an den anderen, von Stephen Frears "The Queen", über David Finchers "Der seltsame Fall des Benjamin Button" bis hin zu den letzten beiden "Harry Potter" Verfilmungen. Sein Geheimnis besteht darin, dass er nicht in Melodien denkt, wenn er eine Szene sieht, sondern in Farben. Er überlegt sich also zuerst, wie das Orchester klingen soll, bevor er in genaue Linien oder Motive eintaucht. Seine Musik soll natürlich dem Film dienen, aber sie soll auch allein für sich stehen können.

Philipp Glass, Eric Satie und Michael Nyman als Vorbild

Alex (Daniel Brühl) und seine Mutter (Katrin Saß) in "Good Bye, Lenin" | Bildquelle: picture-alliance/dpa Szene aus "Good bye, Lenin" | Bildquelle: picture-alliance/dpa Yann Tiersen zählt zu der jüngeren Generation französischer Komponisten. Einem großen Publikum wurde er 2001 mit der Musik zum Film "Die wunderbare Welt der Amélie" bekannt. Seine Musik verbindet Elemente aus französischer Folkmusik, Chanson und Musette mit Rock- und Popmusik und man hört deutlich seine musikalischen Vorbilder, Philipp Glass, Eric Satie und Michael Nyman. Studiert hat der gebürtige Bretone in Rennes, Nantes und Boulogne und er ist ein richtiger Multi-Instrumentalist. Egal ob Klavier, Geige, Akkordeon, Mandoline, Bass oder Banjo – Tiersen beherrscht sie alle und spielt auch seine Musik meist selbst, als Ein-Mann-Orchester ein. Nach seinem großen Erfolg mit "Amélie" folgten einige Kurzfilme und dann, 2003, die Musik zu "Goodbye Lenin".

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