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Mittagsmusik - Thema der Woche Französische Operette

Frech, subversiv, spielerisch, all das ist die Operette, die kleine Oper. Und da sich diese Woche der Todestag eines französischen Operettenkomponisten, der von Charles Lecocq zum 100. Mal jährt, nehmen wir das zum Anlass für einen kleinen Abriss der französischen Operette und einiger ihrer Vertreter.

André Messager | Bildquelle: picture-alliance / Leemage

Bildquelle: picture-alliance / Leemage

Wer hat eigentlich die Operette erfunden? Die Franzosen, die Österreicher, die Spanier, die Deutschen? Natürlich ist das eine blöde Frage, auf die es auch gar keine Antwort gibt. Die "Kleine Oper" hat sich seit Ende des 17. Jahrhunderts europaweit nach und nach als kürzere Gattung des Musiktheaters neben der Oper entwickelt. In Spanien heißen sie Zarzuela und in England nennt sich das verwandte Genre "Musical Comedy".

In Frankreich aber entsteht daraus nach und nach das, was dann später in Österreich und Deutschland riesige Erfolge feiert: eine neue Gattung des Musiktheaters, komödiantisch, bissig, mit vielen Spielszenen, die teils auch von singenden Schauspielern und nicht nur von Gesangsvirtuosen vorgetragen - die Operette.

Frankreich ist also durchaus Wiege der Operette, hier fand der entscheidende Entwicklungsschritt statt. Aus dem Vaudeville und der früheren Opérette Comique, also Vorstadtkomödien mit Musikeinlagen (ähnlich dem deutschen Singspiel) entwickelten sich die ersten Operetten.

Ein deutscher Cellist hatte Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris enormen Erfolg: Jaques Offenbach (1819-1880). Seine Operetten sind frivol, grotesk, bissig und gleichzeitig sentimental. Sein Erfolg ist zeitweise so groß, dass Karl Kraus später sogar der Begriff "Offenbachiaden" verwendet. Doch weil 2019 sein 200. Geburtstag groß gefeiert wird, schaut die Mittagsmusik mit dem Thema der Woche eher auf andere französische Operettenkomponisten.

Hervé, eigentlich Florimond Ronger (1825-1892), führte ein musikalisches Doppelleben als Kirchenmusiker sowie als Komponist, Darsteller und Dirigent frivoler, überdrehter, anarchischer Grotesken, die noch rabiater sind, als die von Offenbach.

Robert Planquette (1848-1903) ist ein Komponist, über den man nicht viel weiß. Seine zierlichen, anmutigen, heiteren Operetten bedienten ein anderes Publikum und wirken später harmlos und antiquiert.

Charles Lecocq (1832-1918) hat sich durchgebissen: von Kindesbeinen an waren seine Beine gelähmt. Als sehr erfolgreicher Komponist und kunstvollendeter Meister des Genres hat er mit über 50 Operetten zeitweise sogar Offenbach von den Bühnen verdrängt.

André Messager (1853-1929) gilt als einer der eigenwilligsten und subtilsten französischen Operettenkomponisten um die Jahrhundertwende, der auch heute noch in Frankreich geschätzt wird.

Claude Terrasse (1867-1923) Operetten gelten als Wiederbelebung der Offenbachiaden, welche von harmlos-gemütlichen Werken verdrängt worden waren. Terrasse komponiert dagegen anarchisch, satirisch, subtil und geistvoll.

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