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Mittagsmusik - Thema der Woche Heiteres Musiktheater – Die Operette in der DDR

"In Frisco ist der Teufel los", "Mein Freund Bunbury" oder "Bolero"S – drei Operetten der Nachkriegszeit, die zumindest in den alten Bundesländern weitgehend unbekannt sind. In der DDR sorgten sie für ausverkaufte Theater und die Lieder daraus wurden zu Hits, die jeder mitsingen konnte. Was das heitere Musiktheater der DDR auszeichnete und wer die wichtigsten Vertreter dieser Gattung waren, damit beschäftigen wir uns in der Mittagsmusik, anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls am 9. November 2019.

"Mein Freund Bunbury" am Brandenburger Theater ab Dezember.2019 | Bildquelle: Juliane Menzel / Brandenburger Theater

Bildquelle: Juliane Menzel / Brandenburger Theater

Man kann wirklich von zwei Parallelwelten sprechen, wenn man sich die Geschichte der Operette nach dem zweiten Weltkrieg ansieht: Der Westen recycelte die altbekannten Stücke und ergötzte sich an der heilen Welt des "Schwarzwaldmädels" oder verlebte ein paar sorgenfreie Stunden "Im weißen Rössl".
Ganz anders im Osten: Dort erlebte die Operette noch einmal Jahrzehnte einer Scheinblüte und wurde als lebendige Kunstform mit vielen erfolgreichen Uraufführungen neu belebt: "Bolero" (1952), "In Frisco ist der Teufel los" (1962) oder "Mein Freund Bunbury" (1964). 

Unterhaltungsmusik und Komponisten wurden staatlich gefördert, waren jedoch auch der staatlichen Kontrolle unterworfen. Es gab also Richtlinien, an die man sich halten musste und die DDR-Machthaber hatten die Libretti der Operetten ganz genau im Blick. Thematisch sollten sich die Stücke am "Sozialistischen Realismus" orientieren, sollten mit der sogenannten bürgerlichen Operettenromantik aufräumen und den veränderten Alltag des Ost-Bürgers reflektieren und durchleuchten. Aus heutiger Sicht gibt die Beschäftigung mit diesem Repertoire natürlich spannende Einblicke in das Selbstverständnis und ideologische Wunschdenken der DDR. Denn wie schon zu Offenbachs Zeiten, war auch in der DDR die Operette ein Spiegel ihrer Zeit. 

"Mein Freund Bunbury" am Brandenburger Theater ab Dezember.2019 | Bildquelle: Juliane Menzel / Brandenburger Theater "Mein Freund Bunbury" am Brandenburger Theater. Eine Operette von Gerd Natschinski. | Bildquelle: Juliane Menzel / Brandenburger Theater Außerhalb der DDR schenkte man dem neuen heiteren Musiktheater kaum Beachtung. Die Libretti waren zu lebensfremd und überfrachtet mit ideologischen Wunschvorstellungen, als dass man sich im Westen dafür interessiert hätte. Hinzu kam, dass in West-Berlin das Musical "My Fair Lady" einen sensationellen Erfolg feierte, und damit im Jahr 1961, nur wenige Wochen vor dem Mauerbau, das US-Musical die traditionelle Operette überrollte.

Im Osten hingegen war der Broadway-Sound natürlich verpönt, und damit hinkte die Musiksprache der Ost-Musicals und Operetten um Jahre hinterher. Trotzdem waren Theater-Vorstellungen in der DDR häufig ausverkauft. Die Autoren und Interpreten wurden vom Publikum gefeiert, und so manche Musiknummer wurde zum DDR-Radio-Hit.

Anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls am 9. November dieses Jahres, soll in der Mittagsmusik an das heitere Musiktheater der DDR und dessen Komponisten erinnert werden. Gerade weil sie zu Zeiten des Kalten Krieges in den alten Bundesländern meist unbekannt geblieben ist, möchten wir Ihnen vier Vertreter des Ost-Genres vorstellen:

  • Herbert Kawan, der seine Karriere als Kapellmeister am Berliner Metropoltheater begann und ab den 60er Jahren auch im Westen der Stadt an Bühnen tätig war.
  • Guido Masanetz, der 1962 mit "In Frisco ist der Teufel los" eine der erfolgreichsten Operetten der DDR Geschichte komponierte.
  • Hans Hendrik Wehding, der es verstand, seine Werke mit gesellschaftlichen Parallelen zu spicken und damit sehr hintersinnig Kritik übte.
  • Gerd Natschinski, der als "Musical-König" der DDR gefeiert wurde und mit "Mein Freund Bunbury" sogar im Westen bekannt wurde und zuletzt
  • Conny Odd, der eigentlich Carlernst Ortwein hieß, sich aber mit seinem Pseudonym als E-Musiker auch der leichten Muse näherte.

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