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Mittagsmusik - Thema der Woche Eine klingende Bildergalerie

Wie klingt Spannung, oder Angst, Freude oder Liebe? Diese Klänge sind uns allen nur allzu vertraut, den Filmkomponisten sei Dank! In der Mittagsmusik geht es in dieser Woche auch um vertonte Bilder, genauer: um Gemälde!

Pablo Picassos Guernica im Reina Sofia Museum in Madrid | Bildquelle: Picture alliance/AP Images

Bildquelle: Picture alliance/AP Images

Der Klavierzyklus von Modest Mussorgskij "Bilder einer Ausstellung" ist absolut kein Einzelfall. Viele Komponisten haben sich von der bildenden Kunst, insbesondere von der Malerei, zu großartigen Werken inspirieren lassen - und tun es immer noch!

Gedichtete Musik – vertonte Gemälde

Raffael: Lo Sposalizio | Bildquelle: picture-alliance / akg-images Raffael: Die Vermählung Mariens | Bildquelle: picture-alliance / akg-images Franz Liszt war dabei der Vorreiter: Die Gemälde der italienischen Renaissance, die er auf einer Italienreise bewunderte, brachten ihn zu dem Schluss, dass alle Künste einen gemeinsamen Ursprung haben, der sich auf verschiedene Art und Weise ausdrücken lässt.
Und da sich Liszt selbst als "Tondichter" bezeichnete, sah er es als sein Ziel, die Instrumentalmusik aufzuwerten, indem er andere Künste mit einbezog. Das ist ihm 1839 zum ersten Mal gelungen, mit seinem Klavierstück "Sposalizio" aus dem Zyklus "Années de Pèlerinage". Raffaels Gemälde "Die Vermählung Mariens" war dafür Inspirationsquelle.

Am Institut für Musikwissenschaft der Universität Innsbruck beschäftigt sich Professorin Monika Fink seit Jahren mit dem Überschreiten von Kunstgrenzen und hat die weltweit erste Datenbank zur Sammlung von Kunstwerken und deren musikalischen Interpretationen entwickelt, die auch laufend mit gegenwärtigen Werken erweitert wird.
Durch ihre ausgiebige Forschung stellte sie außerdem fest, dass gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Vertonungen von Bildern ihren Höhepunkt erreicht hatten.
Je mehr Gestaltungsmöglichkeiten die Musik gerade im 20. Jahrhundert bekam, desto orientierungsloser wurden die Komponisten, meint Monika Fink. Darin sieht sie den Grund, warum sich immer wieder zeitgenössische Komponisten ein außermusikalisches Thema als eine Art "Anker" hernehmen.

Die Woche im Überblick

Montag: Francis Poulencs Vertonung "L’embarquement pour Cythère" nach Antoine Watteaus Gemälde "Pèlerinages à l'île de Cythère"
Dienstag: Enrique Granados' "El pelele" nach dem gleichnamigen Bild von Francisco de Goya
Mittwoch: Jean Francaix Klavierzyklus anhand der Kinderporträts von Pierre-Auguste Renoir
Donnerstag: Ottorino Respighis Vertonung "Botticellianisches Tryptichon" nach drei Gemälden von Sandro Botticelli
Freitag: Percy Whitlocks "Dignity and Impudence" nach Sir Edwin Henry Landseers gleichnamigen Hundegemälden

In der Online-Datenbank reichen die bildlichen Vorlagen für Kompositionen von prähistorischen Höhlenmalereien bis zur zeitgenössischen Kunst. Auffallend ist, dass bestimmte Bilder verschiedenste Komponisten inspiriert haben und mehrfach vertont wurden.
Pablo Picassos "Guernica" steht dabei ganz oben auf der Liste der am häufigsten vertonten Gemälde. Auch Francisco de Goyas spätere Radierungszyklen waren Inspirationsquelle für mehrere Komponisten.

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