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Mittagsmusik - Thema der Woche Im Mikrokosmos gespielter Worte: Liedbegleiter

Am 23. Mai jährt sich der Geburtstag des Liedbegleiters Erik Werba zum 100. Mal – ein schöner Anlass, diese Woche in der Mittagsmusik auf den "Mann am Klavier" zu schauen!

Klavier | Bildquelle: colourbox.com

Bildquelle: colourbox.com

Es gibt wohl kaum eine intimere Kunstform als das Lied. Es ist ein musikalischer Mikrokosmos, der sich den tiefen Fragen und Emotionen unseres Lebens stellt, quasi das Gegenteil von Smalltalk. Wohl deshalb haben sich nahezu alle Komponisten mit dem Kunstlied auseinander gesetzt – allein das Werk von Claude Debussy besteht fast zur Hälfte aus Liedern.

Um hier einen künstlerischen Dialog zu führen, braucht es neben einer hohen Empathie, Liebe zur Literatur und exzellentem musikalischen Handwerk auch viel Vertrauen in den Partner.

Es ist wie eine Ehe
Irwin Gage.

Während Komponisten wie Franz Schubert, Gustav Mahler oder Richard Strauss ihre Lieder oft selbst begleiteten und sich dabei große gestalterische Freiheiten herausnahmen, hat das Lied zur Zeit der Salon- und Hausmusik weniger improvisatorisch gewagte, dafür meist hingebungsvolle dilettantische Darbietungen erlebt.
Mit dem Einzug des Liedes in die Konzertsäle kam aber nicht gleichzeitig auch die Wertschätzung für die Kunst der Liedbegleiter. Auf Plakaten wurden nicht selten nur die Sänger angekündigt und im Konzertsaal der Flügel hinter einer Säule versteckt – "sollte keine Säule vorhanden sein, dann setzen sie den Pianisten hinter ein großes Blumenmassiv", so Gerald Moore in seinen "Erinnerungen eines Begleiters".

Erik Werba | Bildquelle: © Deutsche Grammophon Der Liedbegleiter Erik Werba. | Bildquelle: © Deutsche Grammophon Der niederländische Pianist und Liedbegleiter Coenraad Valentyn Bos, schrieb noch 1949 in seinem Buch "The welltempered Accompanist" (" Der wohltemperierte Begleiter"), dass ein Liedbegleiter "sich in den Hintergrund stellen" und in "unaufdringlicher Unterstützung" üben soll, "Soli sollten weder zu bedeutend noch zu lang sein, Zugaben dürfen nur mit Zustimmung des Solisten gespielt werden."

Glücklicherweise versteht man unter einem "wohltemperierten Begleiter" inzwischen etwas anderes: Pianisten wie Gerald Moore, Erik Werba, Irwin Gage und andere haben es geschafft, die Kunst der Liedbegleitung auf ein neues Level zu heben.
Sänger und Pianist verschmelzen zu einer kongenialen künstlerischen Einheit, so dass sich einem die Frage aufdrängt: Ist "Lied-Begleiter" eigentlich das richtige Wort? Und müsste es nicht eher "Lied-Gestalter" heißen?

Dieser und anderen Fragen geht die Mittagsmusik auf den Grund und lenkt das Ohr auf die subtile Kunst des Manns oder der Frau am Klavier – mit bekannten Repertoire-Lieblingen von Schubert, Schumann und Brahms, aber auch mit selten zu hörenden Liedern.

Dienstag | Was zeichnet einen idealen Liedbegleiter aus?

Musik von Schubert, Schumann, Bredicéanù und
Dietrich Fischer-Dieskau, Gerald Moore, Brigitte Fassbaender, Erik Werba u.a.

Mittwoch | Wer ist der Boss im Lied-Duo?

Musik von Weill, Mendelssohn, Schubert und
Georgette Dee, Terry Truck, Mitsuko Shirai ,Hartmut Höll u.a.

Donnerstag | In welchem Verhältnis stehen Text und Musik?

Musik von Brahms, Schubert und
Juliane Banse, Brigitte Fassbaender, Cord Garben u.a.

Freitag | Wie kommt man zur Liedbegleitung?

Musik von Fauré, Schubert und
Christian Elsner, Gerold Huber, Jessye Norman, Irwin Gage u.a.

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