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Mittagsmusik - Thema der Woche Die Kunst der Natürlichkeit: Lucia Popp

Für den Opernintendanten Sir Peter Jonas war sie "ein Naturereignis", für die Kollegin Elisabeth Schwarzkopf "ein Wundertier": die slowakische Sopranistin Lucia Popp. Vor 25 Jahren ist die gefeierte Sängerin gestorben – die Mittagsmusik erinnert an sie im Thema der Woche.

Lucia Popp | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

Auf der Bühne wollte sie stehen, aber an die Oper hatte sie dabei zunächst nicht gedacht: Auf der Kunsthochschule in Bratislava begann Lucia Popp zunächst mit einer Schauspiel-Ausbildung. Nach ersten Film- und Bühnenrollen sang sie in einer Schulaufführung so erfolgreich, dass sie sich entschloss, die Weichen noch mal neu zu stellen und Sängerin zu werden – der erste Meilenstein in der faszinierenden Gesangskarriere der Lucia Popp: Molière!

Mit Sicherheit wäre es auch spannend geworden, die Schauspielkarriere der vielseitigen Lucia zu beobachten – das Publikum hat durch ihren Kurswechsel in jedem Fall gewonnen: Zu der faszinierenden Bühnenpräsenz und Ausstrahlung der slowakischen Künstlerin kam nun ihre faszinierende Stimme, mit der sie in der Rolle der Königin der Nacht in Mozarts "Zauberflöte" 1963 in Bratislava debütierte. – "Sie ist ein Wundertier!" soll die Kollegin Elisabeth Schwarzkopf damals ausgerufen haben.

Der nächste Meilenstein ergab sich dann in Folge eines Besuchs bei Verwandten: Lucia Popp war zu Gast in Wien und traf neben ihren Verwandten keinen Geringeren als Herbert von Karajan, der sie vom Fleck weg engagierte. Ihre "Königin der Nacht" brachte sie an die Wiener Staatsoper und eröffnete ihr den Weg in eine glanzvolle internationale Karriere.

Die Partien wurden größer und das Repertoire breiter: vom ersten Knaben in Mozarts "Zauberflöte" bei den Salzburger Festspielen, zu Zerbinetta in Strauss‘ "Ariadne auf Naxos" oder Ännchen in Webers "Freischütz", bis hin zur Eva in Wagners "Meistersingern" bei den Bayreuther Festspielen.

Aber noch einmal war es die "sternflammende Königin", die zum Meilenstein wurde für die Sopranistin: Sie sang die Partie der Königin der Nacht in der legendären Gesamtaufnahme unter Otto Klemperer – eine Schallplatte, die zum Ticket wurde an die New Yorker Metropolitan Opera, wo Lucia Popp 1967 ihr Debüt gab.

Lucia Popp | Bildquelle: Reg Wilson Bildquelle: Reg Wilson Ende der 60er wagte sie den Fachwechsel: Aus der Koloratursopranistin Lucia Popp wurde eine lyrische Sopranistin. Statt der Sophie sang sie nun die Marschallin in Strauss‘ "Rosenkavalier", statt der Zdenka die Titelrolle in Strauss‘ "Arabella", statt der "Königin der Nacht" andere große Mozart-Partien, die sie vor allem am Opernhaus in Köln erarbeitete, wo sie seit 1967 Ensemblemitglied war.

Dabei hat sie nie den künstlerischen Grenzgang gescheut: "Die Grenzen sind dort, wohin ich mich traue" – unter diesem Credo hat Lucia Popp die beeindruckende natürliche Schönheit ihrer Stimme und ihre expressive Ausdruckskraft in den Dienst von Schubert- und Mahler-Liedern gestellt – aber auch in den Dienst des Volksliedes.

Und sie liebte die Operette: Für Lucia Popp gab es keine Trennung zwischen E- und U-Musik, denn jede ernste Musik sollte auch unterhaltend sein, hat sie einmal in einem Interview gesagt – sie war eben: ein Wundertier.

Eine Rosalinde ist mindestens so schwer wie eine Traviata – vielleicht sogar noch schwerer, denn man muss noch tanzen.
Lucia Popp

Im Alter von nur 54 Jahren ist Lucia Popp viel zu früh an einem Krebsleiden gestorben: am 16. November 1993. Anlässlich ihres 25. Todestags erinnert die Mittagsmusik an die Sopranistin mit legendären Mozart-Aufnahmen, Liedern und Operetten-Kostproben und Ausflügen ins italienische Fach.

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