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Mittagsmusik - Thema der Woche "Unübersteigliche Schwierigkeiten" - Ludwig Ganghofer und die Musik

Für die einen war er ein begnadeter Heimatschriftsteller für die anderen ein unerträglicher Kitschautor. Ludwig Ganghofer, dessen Todestag sich diese Woche zum 100. Mal jährt brachte es mit Romanen wie "Das Schweigen im Walde" oder "Schloss Hubertus" zu einiger Berühmtheit. Seine Interessen waren darüberhinaus vielfältig, sie galten dem Film, der Förderung des literarischen Nachwuchses, dem Theater und - der Musik!

Ludwig Ganghofer | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

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Am 24. August 1909 wurde auf Hubertus - wie alle Jahre - das "Ludwigsfest" gefeiert, zur Feier des Geburtstags des verstorbenen bayerischen Königs, mit dem der Hausherr den Vornamen gemein hatte. Ein Festabend aus Wort und Musik: Martha Wedekind, die kleine Enkelin, deklamierte ein Gedicht, Gustl, der Sohn des Gastgebers, spielte eine Gavotte am Cello, seine Zwillingsschwester Sophie saß am Klavier und begleitete Kammersänger Raoul Walter bei Arien aus "Fidelio" und "Tosca". Und hinterher wird der Hausherr selber sicher auch noch ein paar Stücklein auf der Zither zum Besten gegeben haben. Das Programm des Abends ist erhalten.

Ludwig Ganghofer war ein großer Freund der Musik. In seinem Jagdhaus Hubertus in der Leutasch in Tirol waren - nicht nur an Festtagen - immer auch Musiker und Dichter gern gesehene Gäste. Den jungen Hugo von Hofmannsthal hat Ganghofer protegiert und beraten, er ist mit ihm in aller Herrgottsfrühe auf die Pirsch gegangen, Ludwig Thoma war Dauergast auf Hubertus, und mit Johann Strauß, den er aus seiner Zeit in Wien gekannt hat, hat ihn eine grollende Freundschaft verbunden, der er in mehreren Gedichten Luft gemacht hat. 

Am 24. Juli 1920 ist Ludwig Ganghofer, Heimatdichter und Romanautor, in Tegernsee gestorben. Die Mittagsmusik geht aus diesem Anlaß den Spuren der Musik in seinem Leben und seinem Werk nach. Und die sind aber vor allem vergeblicher Natur. Johann Strauß schrieb ihm von "unübersteiglichen Schwierigkeiten". Ganghofer hat einige Projekte angefangen und angeregt, hier ein Operettenstoff für Strauß, dort eine Alpenoperette nach Ziehrer, aus denen dann nichts oder nur wenig geworden ist. Auch von der Vertonung eines Ganghofer-Textes ist nichts bekannt, ein Widmungsgedicht Ganghofers hat Strauß allerdings als Anlaß genommen für eine Schnellpolka. Bei alledem werden wir auch einen kleinen Einblick tun in die Festkultur in Ganghofers abgelegenem Jagdhaus in den Bergen, das durch die Lebensfreude des Gastgebers ein Ort gewesen ist, von dem sich jeder Besucher nur höchst ungern wieder getrennt hat.

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