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Mittagsmusik - Thema der Woche Musik- Mäzeninnen – mit Geld und Hingabe für die Musik

Ein Mäzen ist, laut Duden, ein "vermögender Privatmann, der einen Künstler oder Sportler bzw. Kunst, Kultur oder Sport mit finanziellen Mitteln fördert." Anders als beim Sponsoring fordert er keinerlei direkte Gegenleistung. Im Gegenteil: Viele Mäzene bestehen darauf, ungenannt zu bleiben. Natürlich ist Mäzenatentum nichts spezifisch männliches. Es gab und gibt auch heute mindestens genauso viele Frauen, die sich der Förderung von Talenten verschrieben haben.  Einige möchten wir Ihnen diese Woche in der Mittagsmusik vorstellen.

Elizabeth Sprague Coolidge von John Singer Sargent. 1923
| Bildquelle: gemeinfrei

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Künstlerische Werte zählen

"Sie sind mein guter Genius", schreibt Peter Tschaikowsky im Oktober 1881 an Nadeshda von Meck, "meine Stütze, meine Freundin, in einem höheren, geistigen, idealen Sinn." 6000 Rubel Jahresrente hat ihm die reiche Witwe eines Eisenbahnunternehmers zugesagt, weil seine Musik sie tief berührte. Ein Segen für ihn, der Dank dieser Jahresrente endlich als freischaffender Künstler leben und der verhassten Lehrtätigkeit am Konservatorium ein Ende setzen konnte. Für ihn ist Nadeshda von Meck, die am 13. Januar vor 125 Jahren gestorben ist, aber nicht nur Geldgeberin, sie stand ihm in manch seelischer Krise bei.

Der Antrieb für sie, ebenso wie bei allen anderen Mäzeninnen, war die Liebe und Hingabe zur Musik. Oft hatten sie auch enormes Wissen auf diesem Gebiet vorzuweisen. Elizabeth Sprague Coolidge beispielsweise, hatte Musik und Komposition studiert und trat selbst bis ins hohe Alter regelmäßig als Pianistin und Begleiterin namhafter Solisten auf. Ihr Vermögen setzte sie zur Verbreitung der Kammermusik in den Vereinigten Staaten ein.

Winnaretta Singer  | Bildquelle: picture alliance/akg-images Portrait von Winnaretta Singer, der Prinzessin Polignac | Bildquelle: picture alliance/akg-images Mäzeninnen waren aber weit mehr als musikinteressierte Geldgeber: Sie waren den Künstlern oft auch Inspiration und Muse. Die "Pavane pour une infant défunte" von Maurice Ravel ist der Prinzessin Polignac gewidmet, einer Tochter von Isaac Singer, des Gründers des berühmten Nähmaschinen-Imperiums.
Eine höchst bemerkenswerte und inspirierende Persönlichkeit: Sie war eine versierte Malerin, die Werke alter Meister so vollendet kopierte, dass man sie für Originale hielt, und sie spielte sehr gut Klavier. In ihrem Stadtpalais befand sich ein richtiger Konzertsaal, wo regelmäßig Werke aufgeführt wurden, die für sie komponiert worden waren.

Solche musikalischen Salons waren das Aushängeschild im Wirken der weiblichen Mäzene. Die Schauspielerin und Literatur-Nobelpreisträgerin Colette nannte derartige Veranstaltungen "Festungen künstlerischer Intimität" und diese fanden sowohl in Weimar bei Anna Amalia, als auch gut 200 Jahre später in Amerika bei Betty Freeman statt.

Denn alle diese Musik-Mäzeninnen einte diese eine große Idee, die Elizabeth Sprague Coolidge so trefflich formulierte: "Mein Ziel war es, immer wieder einen Raum zu schaffen, wo Betrachtungen über Qualität, und nicht über Quantität Vorrang hatten; Betrachtungen über künstlerische, nicht ökonomische Werte; wo es nicht um Zweckmäßigkeit gehen sollte, sondern darum, etwas zu ermöglichen."

Montag: Elizabeth Sprague Coolidge
Dienstag: Betty Freeman
Mittwoch: Nadeshda von Meck
Donnerstag: Anna Amalia von Braunschweig-Wolfenbüttel
Freitag: Winnaretta Singer (Prinzessin Polignac)

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