BR-KLASSIK

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Mittagsmusik - Thema der Woche Straßenfeger aus dem Kriminalmuseum

Leere Straßen, freie Plätze, wenig Autos, kaum noch Menschen! Krimi-Zeit im deutschen Fernsehen in den 1960er Jahren: große Schauspieler, Höchstspannung und tolle Musik. Fünf berühmte Titel-Melodien präsentieren wir in der Mittagsmusik.

Szene der deutschen Krimiserie "Der Kommissar". Von links: Reinhard Glemnitz, Erik Ode, Fritz Wepper und Günther Schramm | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Fernsehmusik ist dieser Tage unser Thema der Woche in der Mittagsmusik auf BR-Klassik: Titelmelodien von deutschen Kriminalfilmen aus der Zeit noch bevor "Tatort" und "Derrick" anliefen. Von überwältigender Wirkung waren diese "Ohrwürmer" damals. Heute sind sie längst Klassiker - nach  wie vor unvergesslich, vital, brandneu.

"Das zwölfte Messer" aus der Fernsehkrimiserie "Stahlnetz", Deutschland 1958, Regie: Jürgen Roland, Darsteller: Alexander Kerst | Bildquelle: picture-alliance/dpa "Das zwölfte Messer" aus der Fernsehkrimiserie "Stahlnetz" | Bildquelle: picture-alliance/dpa "Straßenfeger" wurden sie genannt - die Krimiserien oder Krimimehrteiler des deutschen Fernsehens der 1960er Jahre, plus/minus fünf Jahre. Denn zu ihrer jeweiligen Sendezeit waren die Straßen und Plätze überall wie menschenleer. Jeder saß vorm Fernseher, wollte sich keine Minute entgehen lassen. Einschaltquoten wurden damals erzielt wie heute nur noch bei WM-Endspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Es war die Zeit, in der sich nach und nach fast jeder bundesdeutsche Haushalt einen Fernseher anschaffte, und das "Kino zu Hause" das vorläufige Ende der großen Lichtspielhäuser einläutete - was noch seit den 1950er-Jahren imposant als "Filmpalast" geprunkt hatte, verwandelte sich in den 1970er-Jahren oft genug in einen Supermarkt oder in ein Peep-Show-Theater. Die Konkurrenz der Television war für die Kinematographie einfach zu groß geworden. Denn die Macher des jungen deutschen Fernsehens gaben sich alle Mühe, das breite Publikum zu erobern und dem Kino den Rang abzulaufen.

Familienserie, Quiz-Show, Thriller

Wolf Schmidt vom Hessischen Rundfunk schuf als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller mit seiner Familienserie "Die Firma Hesselbach" 1960 die erste deutsche Telenovela oder Seifenoper; anders als die heutigen Daily Soaps kamen die "Hesselbachs" nur einmal pro Monat, und der Ausstrahlungsabend war für fast jedermann ein fester Termin, den man nicht versäumen wollte. Ähnliches galt für die großen Fernsehshows mit Hans-Joachim Kulenkampff als einer der Galionsfiguren unter den Moderatoren und Quiz-Mastern. Und es galt natürlich auch und vor allem für jene Krimiserien und Krimimehrteiler, die vielfach wirkliche Thriller waren.

Fetziger Big-Band-Sound

Die berühmtesten Darsteller – die Crème de la Crème der deutschen Schauspielkunst aus Theater, Film und Fernsehen – waren in den Krimis zu sehen, einfallsreiche Drehbuchautoren und Regisseure sorgten für Handlungsabläufe voller unerwarteter Entwicklungen und mit einer bis zum Zerreißen hochgetriebenen Spannung.

Der Schauspieler Walter Richter ("Tatort"-Kommissar Trimmel) als Scherenschleifer in dem Krimi-Mehrteiler "Babeck" während der Dreharbeiten im August 1968. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Und souveräne Unterhaltungsmusik- und Filmkomponisten lieferten die adäquate Musik dazu. Nach der Art der Zeit waren es häufig fetzig auftrumpfende Big-Band-Nummern: Klanglich schrill eingekleidet, mit dissonanzgeschärften, schier kreischenden Bläsersätzen und ins Tempo gebracht von wilden Schlagzeug-Attacken in einem Rhythmus, bei dem man bis heute einfach mit muss: Musik, die – wie im Fall der Titelmelodie zum "Kommissar" – einem Blitzschlag gleich einsetzte und dann pausenlose musikalische Action folgen ließ.

Neben diesem Geniestreich von Herbert Jarczyk präsentieren wir Ihnen im Thema der Woche der Mittagsmusik dieser Tage vier weitere Erkennungsmelodien deutscher Fernsehkrimis von einst – von Walter Schumann (nach einer Vorlage von Miklós Rózsa), von Ernst August Quelle, von Peter Thomas und von Martin Böttcher, dessen Titel in unserem Motto mitschwingt: "Das Kriminalmuseum".

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