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Mittagsmusik - Thema der Woche Rio de Janeiro

Die brasilianische Megastadt mit der überwältigenden Ausstrahlung: Rio de Janeiro - Paradies und Hölle zugleich, ein Ort von einer mit Worten kaum benennbaren Faszination. Erst die Musik machts möglich. In der Mittagsmusik fünf Mal zwei Beispiele.

Corcovado mit seiner das ganze Stadtgebiet überragenden Christusstatue | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Sie ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens nach São Paulo, und mit über zwölf Millionen Einwohnern ist sie eine der Megastädte der Welt: Rio de Janeiro, die Küstenmetropole am Südatlantik mit den zahllosen Facetten. Sie ist eine glitzernde Luxusstadt der Super-Reichen und zugleich ein monströses Slum der Bettelarmen und Elenden, sie ist ein Zentrum des bunten, prallen, vibrierenden Lebens und zugleich ein gigantisches Ghetto der Gewalt. Im ersten Halbjahr 2017 soll es in Rio annähernd 3.000 Tote durch Gewalttaten gegeben haben, ganz zu schweigen von unzähligen Raubüberfällen, Entführungen und der wuchernden Drogenkriminalität. Für die Lateinamerika-Touristen ist dies eine Fürchten machende Abschreckung: Vergleichbar Acapulco an der mexikanischen Pazifikküste ist Rio de Janeiro derzeit ein "verlorenes Paradies".

"Cidade maravilhosa"

Strand von Ipanema | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Dennoch: Rio ist von unwiderstehlicher Anziehungskraft. "Alles, was man hierzu sagen kann, ist Anmut." So schrieb 1552 Tomé de Sousa, der erste Generalgouverneur der portugiesischen Kolonie Brasilien, und er meinte damit den magischen Dreiklang aus blauem Meer, weißen Stränden und grün bewachsenen Kegelbergen, den jene Region im Südosten Brasiliens bildet. Fünfzig Jahre zuvor, am 1. Januar 1502, war der portugiesische Seefahrer und Entdecker Gaspar de Lemos dort gelandet, genauer: in einer Landschaft an einer großen Bucht mit einem Berg an ihrer Einfahrt. Er hielt die Bucht für die Mündung eines großen Flusses und nannte sie nach dem Tag der Entdeckung  "Rio de Janeiro" (Januar-Fluss oder Fluss des Januars). Die Bucht ist die heutige Baia de Guanabara mit ihrem Strand und Yachthafen, das Land der heutige Stadtteil Botafogo und der Berg der Zuckerhut. Längst sind dies Wahrzeichen Rios, der "Cidade maravilhosa" (der wundervollen Stadt) geworden, neben vielen anderen, darunter der Corcovado mit seiner das ganze Stadtgebiet überragenden Christusstatue, die mondänen Strände von Ipanema und Copacabana und, und, und. "Die Schönheit dieser Stadt, dieser Landschaft", schrieb Stefan Zweig, "lässt sich wirklich kaum wiedergeben. Sie versagt sich dem Wort, sie versagt sich der Fotografie, weil sie zu vielfältig, zu unübersichtlich, zu unerschöpflich ist; selbst ein Maler, der Rio in seiner Gänze darstellen wollte mit all seinen tausend Farben und Szenen, käme in einem einzigen Leben nicht zu Ende."

Samba, Bossa Nova, Polytonalität

Die Schönheit, die sich verbal nicht zur Sprache bringen lässt, kann ein anderes Medium vollkommen zum Ausdruck bringen: "Wo die Worte aufhören, da beginnt die Musik", so heißt es, und so präsentieren wir Ihnen in der Mittagsmusik dieser Tage im Rahmen unseres Themas der Woche Musik, die Stimmungen und Ansichten Rios in Tönen beschwört. Dabei sind unter den Komponisten echte Cariocas (wie man die Einwohner der Stadt nennt): Heitor Villa-Lobos, der brasilianische Nationalkomponist "Nr. 1", Ary Barroso, eine Galionsfigur der Samba, Antônio Carlos Jobim, der Schöpfer der Bossa Nova und der Wahl-Carioca Antônio Carlos Gomes, ein brasilianischer Opernkomponist des 19. Jahrhunderts. Mit von der Partie sind außerdem vier große europäische Komponisten, die der Faszination Rios bei ihren Aufenthalten erlagen: Darius Milhaud, Ottorino Respighi, Charles Kálmán und Neil Richardson… 5 Mal 2 Musiken aus und über Rio dieser Tage in der Mittagsmusik. Es sind Paarungen, in denen man auch die Doppelnatur der Stadt erkennen mag: Rio de Janeiro - Schönheit und Schrecken.

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