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Mittagsmusik - Thema der Woche Der Philosoph am Klavier - Murray Perahia zum 70. Geburtstag

Am 19. April wird Murray Perahia 70 Jahre alt, seit mehr als 40 Jahren spielt er auf den großen Bühnen dieser Welt. Das ist beeindruckend, vor allem weil es in seinem Leben mehrfach Momente gab, in denen er nicht wusste, ob er seinen Beruf weiterhin ausüben könne, oder nicht.

Murray Perahia | Bildquelle: Felix Bröde

Bildquelle: Felix Bröde

Vielleicht war es gerade dieses Bewusstsein darüber, dass es jeden Moment vorbei sein konnte mit dem Leben als Pianist, das ihn geprägt hat. Denn sein bescheidenes und tiefgründiges Wesen ist legendär und niemand würde ihn trotz langer, erfolgreicher Karriere mit unzähligen Aufnahmen und mehreren Grammy und Echo Preisen, als Starpianist bezeichnen. Allüren und Eskapaden sucht man bei ihm vergeblich.

Fürs Klavier Lernen von der Oper

Angefangen hat seine Laufbahn in New York, wo er auch geboren wurde. Mit vier Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht, aber ein echtes Interesse für das Klavier hat er erst mit 15 Jahren entwickelt. Als Kind liebte er die Oper und ging mit seinem Vater jeden Samstag in die Met, um dort Werke von Puccini und Verdi zu sehen. Später verlagerten sich dann die Vorlieben von der italienischen Oper zu den deutschen Klassikern - allen voran Bach, Mozart und Beethoven. Von der Oper, dem Gesang und der Dramatik, hat er jedoch viel für sein Klavierspiel mitgenommen, zum Beispiel für die Interpretation von Mozarts Klavierkonzerten, die laut Perahia sehr dramatisch sind und nur zu erfassen sind, wenn man auch Mozarts Opern kennt.

Während seines Studiums am Mannes College of Music konnte er von großen Musikern lernen, wie Mieczysław Horoszowski, Rudolf Serkin und Pablo Casals und als er in den 80er Jahren eingeladen wurde, mit Vladimir Horowitz zu arbeiten, entwickelte sich daraus eine lange und enge Freundschaft, die für seine künstlerische Entwicklung sehr bedeutend war.

Murray Perahia | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa Der internationale Start seiner Karriere war im Jahr 1972, als er den 1. Preis im Klavierwettbewerb in Leeds gewann. Bereits ein Jahr später gab er sein erstes Konzert beim Aldeburgh Festival, wo er noch mit Benjamin Britten und dem Tenor Peter Pears zusammenarbeitete und dort sogar einige Jahre lang stellvertretender künstlerischer Leiter des Festivals war.

Bis 1992 trat er weltweit in den renommiertesten Konzertsälen auf. Dann kam der erste größere Einschnitt seiner Karriere, die Entzündung des Daumens, die ihn zu einer längeren Pause zwang. Während dieser Phase spendete ihm die Musik von Johann Sebastian Bach Trost. Er studierte und analysierte Kontrapunkt, Struktur und Harmonie und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie man Bachs Musik angemessen auf einem modernen Konzertflügel spielen kann, ohne sie zu romantisieren. Ende der 90er dann sein Comeback: Er spielte die Klavierwerke Bachs ein und setzte damit Maßstäbe, vor allem seine Aufnahme der Goldberg-Variationen wurde zur Referenz-Aufnahme.

Pianist ohne Wenn und Aber

Die Sorge um die rechte Hand aber blieb und zwang ihn über die Jahre immer wieder dazu, Pausen einzulegen. Trotzdem kam für Murray Perahia nie etwas anderes in Frage als Klavier zu spielen. Er ist erster Gastdirigent des Orchesters Academy of St. Martin in the Fields, dirigiert aber am liebstem vom Flügel aus, während er selbst als Solist spielt. Auch vom Repertoire für einhändige Pianisten, wie Maurice Ravels Konzert für die linke Hand, will Perahia nichts wissen. „Dann lieber gar nicht!“

Murray Perahia | Bildquelle: picture-alliance/Leemage Bildquelle: picture-alliance/Leemage Auch pure Tastenakrobatik ist seine Sache nicht, obwohl er durchaus das pianistische Rüstzeug dafür hätte. Perahia will sein Publikum mit Ernsthaftigkeit und musikalischem Tiefsinn verführen. Dafür spricht auch sein Repertoire, dass fast durchweg auf den großen Namen der Musik gründet. Mozart etwa, dessen Klavierkonzerte er oft aufgeführt hat, auch 1999 in einem Zyklus mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Lorin Maazel. Dann Händel, Beethoven, Schubert, Schumann, Chopin und immer wieder Bach, dessen „Französische Suiten“ Perahia neueste CD-Produktion sind.

Anlässlich des 70. Geburtstags von Murray Perahia am 19. April wollen wir Ihnen als „Thema der Woche“ in der „Mittagsmusik“ die vielen Facetten dieses „Philosophen am Klavier“ näherbringen, mit Aufnahmen von 1974 bis heute.

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