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Mittagsmusik - Thema der Woche Nat King Cole

Einflussreicher Jazzpianist und millionenschwerer Pop-Sänger - Nat King Cole war beides und auch viele Jahre nach seinem Tod wird immer noch diskutiert, welche Seite seines musikalischen Könnens ihn letztendlich unsterblich gemacht hat: Jazzer feiern den begnadeten Pianisten und die Popfans den charmanten Entertainer. Am 17. März wäre er 100 Jahre alt geworden.

Nat King Cole | Bildquelle: picture alliance / IMAGNO/Votava

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Jazz in Chicago

Geboren wurde die Showgröße als Nathaniel Adams Coles in den Südstaaten. Sein Vater war zuerst einfacher Arbeiter, wurde dann Prediger und ging mit der Familie nach Chicago, um dort als Reverend eine Baptisten-Kirche zu übernehmen. Nathaniel und seine Brüder Ike, Edward und Frankie erhielten ihren ersten musikalischen Unterricht von der Mutter, die für die Kirchenmusik zuständig war und die Orgel spielte.
In Chicago, dem Zentrum der schwarzen Musik der 20er Jahre, trieben sich die Cole Kinder gerne auf der Straße vor den Nachtclubs herum und kamen so mit dem Jazz in Berührung. Dort hörte Nat Cole auch zum ersten Mal den Pianisten Earl Hines, der schnell für ihn zum großen Vorbild wurde. Er gründete mit seinen Brüdern eine Band – die "Rogues of Rhythm" – und wurde 1937 für eine Ragtime Revue engagiert, die später auch auf Tournee ging.

Lieblingspianist der Westküste

So kam Nat Cole nach Kalifornien, wo er schnell zum Lieblingspianisten der örtlichen Jazzszene aufstieg und im "Swanee Inn" in Hollywood regelmäßig auftrat. Dort erhielt er auch seinen Beinamen "King": Ein Bandkollege gab dem damals 18jährigen zu Werbezwecken eine Krone aus Goldpapier und schlug vor, er solle sie doch beim Spielen auf dem Kopf tragen. Dabei wurde das alte Kinderlied "Old King Cole was a merry old soul" angestimmt, wie Cole selbst einmal erzählte.

Nat King Cole Trio

Von da an ging es für den "King Cole" nur noch steil nach oben. Sein 1937 gegründetes schlagzeugloses Trio war ein absolutes Novum, in einer Zeit, in der eigentlich Big Bands en vogue waren. Im "King Cole Trio" mit Piano, Gitarre und Bass, wurden ungewohnte Töne angeschlagen und das Publikum war von der swingenden Kammermusik begeistert. Die damals noch junge Plattenfirma "Capitol Records" nahm das Trio 1943 unter Vertrag und gemeinsam landeten sie schon 1944 den ersten richtigen Pop-Hit. In den 40er Jahren reihte sich für das Trio ein Erfolg an den anderen, unter anderem "All for you", "Straighten up and fly right", oder "Gee Baby, ain’t I good for you".

Vom Jazz zum Pop

Nat King Cole | Bildquelle: picture alliance / akg-images Bildquelle: picture alliance / akg-images Mitte des Jahrzehnts gewann eine neue Musikrichtung, der Pop, die Gunst des großen Publikums und Nat King Cole machte mit! Zu dieser Zeit wurde auch sein Gesangstalent entdeckt – eher zufällig, wie eine Anekdote erzählt: Ein angetrunkener Gast soll eines Abends um eine Vokalnummer gebeten haben, die Cole aber nicht kannte. Stattdessen sang er "Sweet Lorraine" und erhielt dafür 15 Cent Trinkgeld.
Dadurch auf den Geschmack gekommen, baute er immer wieder Gesangsnummern in das Programm ein. Mit seiner natürlichen, weichen Stimme, der deutlichen Aussprache und der Fähigkeit, sich dabei auch noch originell zu begleiten, wurde der "neue" Cole schnell zur Attraktion und sein selbst komponierter Song "Straighten up and fly right", angeregt durch eine Predigt seines Vaters, wurde zu einem großen Hit.
Immer häufiger griff Cole nun zum Mikrofon, was ihn einerseits viele Fans kostete, ihm andererseits auch ein neues Publikum erschloss. 1950 stand er mit "Mona Lisa" zum dritten Mal an der Spitze der Charts. Längst hatte sich der Name der Band zu "Nat King Cole & The Trio" gewandelt und bald fiel auch noch das letzte Anhängsel weg.

Unermüdlich tourte er quer durch die USA, nach Europa, Asien und Lateinamerika. 1956 kam dann der große Coup: als erster Afro-Amerikaner erhielt er eine eigene Fernsehshow, die trotz Erfolges nach einem Jahr eingestellt wurde. Als schwarzer Künstler kannte Cole derartige Hürden und nutzte seine Popularität immer wieder, um sich öffentlich gegen Rassismus und Segregation auszusprechen.

Am 15. Februar 1965 starb Nat King Cole mit nur 45 Jahren an Lungenkrebs. Sein Vermächtnis brachte ihm 1990 den Grammy für sein Lebenswerk ein und im Jahr 2000 wurde er in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen.

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