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Mittagsmusik - Thema der Woche Alles nur Fado? – eine musikalische Zeitreise durch Portugal

Denkt man an portugiesische Musik, denkt man an Fado – den Inbegriff der portugiesischen Seele, Klang gewordene Saudade – ein Gefühl von Verlangen, Sehnsucht und Melancholie, für das der Deutsche keine Worte findet. Doch was findet sich abseits von Bars und Kaffeehäusern, in der Oper und im Konzertsaal?

Lisabon - Portugal | Bildquelle: colourbox.com

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Es gibt sie, die hierzulande eher unbekannten portugiesischen Komponisten und Instrumentalisten, die die Kunstmusik Portugals geprägt haben. Einer davon war José Vianna da Motta – am 22. April jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums laden wir Sie in der Mittagsmusik ein zu einer musikalischen Zeitreise durch Portugal!

Portugals Hauptstadt Lissabon ist eine alte Musikmetropole, geprägt von zahlreichen Einflüssen, nicht zuletzt durch ihre geographische Lage. Im äußersten Westen der iberischen Halbinsel, an der Mündung des Flusses Tejo in den Atlantik gelegen, ist die Hafenstadt Lissabon Portugals Tor zur Welt.
Die bunte Vielfalt an Einflüssen fand ihren Ausdruck in der Entstehung des Fado – melancholischer Gesang zu Gitarrenbegleitung, gewachsen aus afrikanischen, brasilianischen, spanischen und portugiesischen Elementen.

Melancholisch-sehnsuchtsvoller Gesang findet sich aber schon in der portugiesischen Renaissance: in den Cantigas des galicischen Troubadours Martín Codax. Seine Kompositionen gehören zu den frühesten bekannten Liedern in galicisch-portugiesischer Sprache.

Teatro Nacional de Sao Carlos in Lisabon | Bildquelle: picture-alliance / akg-images Teatro Nacional de São Carlos in Lisabon. | Bildquelle: picture-alliance / akg-images Während Portugals Musikgeschichte im 16. und 17. Jahrhundert vor allem durch Lissabonner Organisten und Musik für Tasteninstrumente und Harfe geprägt war, kam mit der Entstehung der Oper die italienische Musik auf die iberische Halbinsel.
Portugal wurde musikalisch zu einer Art Kolonie Italiens. Der brillante Cembalist Carlos Seixas trat als Lissabonner Hofkapellmeister in die Fußstapfen seines neapolitanischen Vorgängers Domenico Scarlatti. Am Teatro São Carlos, Lissabons führendem Opernhaus sowie am Konservatorium, war man spezialisiert auf italienisches Repertoire.

Es bedurfte entschlossener Pioniere wie João Guilherme Daddi und unseres Jubilars José Vianna da Motta, die das Konzertleben revolutionierten und die Entwicklung portugiesischer Kunstmusik vorantrieben.
So markieren Kompositionen wie Vianna da Mottas Sinfonia à Patria oder die Portugiesischen Szenen für Klavier die Entstehung einer portugiesischen Nationalmusik.

Als führende Persönlichkeit am Lissabonner Konservatorium wirkte neben Vianna da Motta sein Komponistenkollege Luís Maria da Costa de Freitas Branco, der sich nicht nur als Künstler, sondern auch als Musikwissenschaftler intensiv mit dem kulturellen Erbe seines Heimatlandes auseinandersetzte.

Heute ist Portugals Musikkultur bunt wie das Treiben in der Hafenstadt Lissabon. Klangkörper wie das Gulbenkian Orchestra pflegen internationales Repertoire und tragen die Musik ihrer Heimat, etwa mit Aufnahmen der Werke Vianna da Mottas, in die Welt.

In der Mittagsmusik erwartet Sie diese Woche Portugiesisches aus verschiedenen Epochen – und der ein oder andere Fado darf dabei auch nicht fehlen…

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