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Mittagsmusik - Thema der Woche Franz von Suppé

Franz von Suppé hat es nicht leicht. Seine Ouvertüren gehören nach wie vor zum Konzertrepertoire, aber seine Operetten werden kaum noch gespielt. Zwar darf er den Ruhm für sich beanspruchen, die erste Wiener Operette komponiert zu haben, doch schon zu Lebzeiten stand er im Schatten seiner übermächtigen Rivalen Johann Strauß und Jacques Offenbach.

Franz von Suppé | Bildquelle: picture-alliance / IMAGNO/Austrian Archives

Bildquelle: picture-alliance / IMAGNO/Austrian Archives

Dass er sich mit letzterem nun auch noch das 200. Jubiläum teilt, macht den Unterschied deutlich: Während Köln und Paris Offenbach ausgiebig feiern, hält sich Wien bei Suppé vornehm zurück. Dabei war kaum ein Operettenkomponist so vielseitig wie Suppé. In der Mittagsmusik stellen wir Ihnen 5 verschiedene Aspekte von Leben und Werk vor.

Welscher Wiener

Sein Taufname lautete Francesco-Ezechiele-Ermenegildo de Suppè - geboren am 18. April 1819 in der dalmatinischen Hafenstadt Spalato, dem heutigen Split. Aufgewachsen ist Suppé in Zadar, wo wie in vielen Städten des ehemals venezianischen Dalmatien Italienisch gesprochen wurde. Suppés Vater, dessen Vorfahren vermutlich aus Flandern stammten, war dort Kreiskommisär im Dienste der Habsburger Monarchie, seine Mutter eine Wienerin. Trotzdem soll Suppé Deutsch nie akzentfrei beherrscht haben - einer der vielen Gründe, warum er von den Wienern nie als echter Wiener akzeptiert wurde.

Theatermusik

Dabei war kaum ein Komponist dem Wiener Volkstheater so verbunden wie Suppé. 1840 wurde er Kapellmeister bei Franz Pokorny, dem Direktor des Theaters in der Josefstadt, und blieb es fünfzehn Jahre. Allein über 190 Possen hat er damals vertont. Viele seiner Ouvertüren wie die zu "Dichter und Bauer" stammen aus dieser Zeit und auch "O, du mein Österreich", das selbst Johann Strauß in höchsten Tönen lobte: "Wenn er nichts geschrieben hätte, als diesen einen Marsch, hätte er bei den Wienern ein Anrecht auf Unsterblichkeit.“

Erste Wiener Operetten

Der 24. November 1860, der Tag der Uraufführung von "Das Pensionat", gilt als Geburtsdatum der Wiener Operette. Die Zeitgenossen allerdings nahmen davon kaum Notiz. Der Presse war Suppés erste Operette gerade einmal 14 Zeilen wert. Und so blieb er lange Zeit der einzige Wiener Komponist, der dieses Genre pflegte, in dem – auch in Wien – Jacques Offenbach den Ton angab. Lange begnügte sich Suppé mit Einaktern wie "Die schöne Galathée". An abendfüllende Werke wagte er sich erst, als Johann Strauß damit angefangen hatte. Den ersehnten großen Erfolg brachte ihm schließlich 1876 "Fatinitza".

Oper und Italianità

"Was uns die meisten Wiener Operetten so unleidlich macht, dass sie Verdi und Meyerbeer ernsthaft nachäffen. Alle, die wir in jüngster Zeit gehört, haben viel zu viel Musik, besonders Suppés Boccaccio" - schimpfte Wiens Kritikerpapst Eduard Hanslick. Er spielte damit auf Suppés Affinität zur italienischen Oper an, der er besonders in seinem populärsten Werk "Boccaccio" frönte, aber auch in seiner späten Oper "Des Matrosen Heimkehr". Das seine Italianità auch ihre kulinarischen Seiten hatte, beweist das Kochbuch seiner Frau mit "Recepten internationaler Speisen größtentheils nach italienischer Zubereitungs-Methode."

Kirchenmusik

Schon als Kind sang Suppé im Domchor von Zadar und erhielt dort eine umfassende musikalische Ausbildung. Als sein Vater starb - an "den Folgen einer Vergiftung durch verdorbenen Fisch", wie es offiziell hieß - komponierte er zu seinem Gedenken eine Messe in F-Dur für dreistimmigen Chor und Orgel, die spätere "Missa Dalmatica". Damals war er 16 Jahre alt. Kurz darauf zog er mit seiner Mutter nach Wien und studierte dort beim Kirchenmusiker Ignaz Ritter von Seyfried. Der vermittelte seinen Schüler dann an Direktor Franz Pokorny, nach dessen Tod Suppé sein größtes geistliches Werk schrieb, das "Requiem in d-moll".

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