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Thema der Woche Das Gärtnerplatztheater – Ein Haus mit vielen Klangfarben

Als Münchens "münchnerischtes Theater" wird es gerne bezeichnet, das Staatstheater am Gärtnerplatz. Trotz Baugerüsten feiert das ehrwürdige Theater am 4. November seinen 150. Geburtstag. Die Mittagsmusik feiert mit.

Theater am Gärtnerplatz, Innenraum | Bildquelle: Christian POGO Zach

Bildquelle: Christian POGO Zach

"Dem Volk zur Lust und zum Gedeihen" lautete der Zimmermannsspruch, als 1865 das Richtfest des Gärtnerplatztheaters gefeiert wurde. Und das Volk staunte nicht schlecht, als es am 4. November zur Eröffnung ins Theater kam. Die Münchner nutzten jeden verfügbaren Sitz- oder Stehplatz, ließen das prächtige Ambiente in dem hell erleuchteten Theater auf sich wirken und durften darin gleich zwei Stücke erleben, eines des Niederbayern Georg Kremplsetzer und eines von Jacques Offenbach. Danach war klar: dieses Theater hat München gefehlt. Das Gärtnerplatztheater sollte ein Gegenstück zu den höfischen Theatern darstellen und dem Geschmack der breiten Masse gerecht werden. Als "Volksbühne" umfasste das Repertoire "das ganze Gebiet des Lustspiels, des Volksstücks und der Possen mit Gesang". Oper, Ballett und Schauspiel blieben zunächst ausgeschlossen.

Vom Fast-Bankrott zur gleichgeschalteten Unterhaltungsbühne

So lustvoll sich das Programm gestaltete, so sorgenreich waren mitunter die äußeren Umstände. Gleich in den ersten Jahren zeichnete sich eine Pleite ab, was aber König Ludwig II. verhindern konnte, woraufhin das nun "Königliche Theater am Gärtnerplatz" bis 1930 den Wittelsbachern gehörte. Die Nationalsozialisten warfen bereits in den 1930er-Jahren ein Auge auf die Operettenbühne, sie wollten sie ihrer braunen Unterhaltungsmaschinerie einverleiben. Während des Faschismus verkam das Theater dann zu einem Reichsoperettentheater mit mundgerechten Revuestückchen, geschmackloser Höhepunkt war der Einbau einer Führerloge mit Hakenkreuz.

Unfreiwillige Gastspiele

Das Theater am Gärtnerplatz in München, aufgenommen 1955 | Bildquelle: picture-alliance/dpa Das Theater am Gärtnerplatz in München, aufgenommen 1955. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten die letzten Bomben am 21. April 1945 auch große Teile des Theaters. Drei Jahre lang musste der Spielbetrieb während der Wiederherstellung des Gebäudes auf andere Stätten ausweichen. Dass aus der "Bayerischen Staatsoperette" das heute vielfältige Programm entstehen konnte, lag auch an der kurzzeitigen Fusion in der 1950er Jahren mit der Bayerischen Staatsoper. Die Oper ist im Spielplan geblieben, die Operette sowieso und darüber hinaus noch einiges mehr, was das Staatstheater am Gärtnerplatz nun an seinem 150. Geburtstag stolz feiern darf.

Ein Geburtstag mit Hindernissen

Ein bisschen anders hatte sich die Theaterleitung dieses runde Jubiläum schon vorgestellt. Ähnlich wie anno 1865 hätte das Publikum staunend das Theater betreten sollen. Die umfangreichen Bauarbeiten aber, die das Haus nicht nur in neuem Glanz erstrahlen lassen, sondern das Haus auch barrierefrei, energieeffizienter, moderner und sicherer machen sollen, werden erst nächstes Jahr abgeschlossen sein. So ist das Theater noch ein Weilchen auf die Gastfreundschaft anderer Bühnen angewiesen, bevor es dem Volk wieder in den eigenen vier Wänden "zur Lust und zum Gedeihen" dienen kann.

Das Gärtnerplatztheater hat viele Umbrüche – wirtschaftlicher und politischer Art – erlebt und ist eng mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden. Einst als Volksbühne für Lustspiele errichtet hat es sich vor allem in den letzten Jahrzehnten für viele Bereiche geöffnet und bereichert das Münchner Kulturleben mit Oper, Operette, Musical, Ballett, Symphoniekonzerten und sogar Jazz.

Das Theater ist diese Woche in der Mittagsmusik vertreten mit folgenden Bereichen:


Am Montag: Operette und Musical
aus: Carl Millöcker: Der arme Jonathan
mit Ingeborg Hallstein, Sopran
eine Aufnahme von 21.10.1959
und
aus "Candide" von Leonard Bernstein
mit Vicco von Bülow, alias Loriot als Erzähler
eine Aufnahme von 05/2000

Am Dienstag: Das Gärtnerplatzorchester als Konzertorchester
aus: Nicolai Rimsky Korsakow: Capriccio espagnol
Ltg. David Stahl

Am Mittwoch: Oper
aus: Otto Nicolai: "Die lustigen Weiber von Windsor"
Aufnahme von 1963

Am Donnerstag: Ballett
aus: "Frankfurt Diaries"

Am Freitag: aus der Reihe "Jazz im Gärtnerplatztheater"
Jacky Terrysson: "There's no disappointment in heaven"
Aufnahme vom 11.05.2005

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